Kirchtürme.

Stimme.  Seele.  Signal.

Der Kirchturm ist sichtbarstes Zeichen seines Bauwerks. Anhand Anzahl und Größe lässt sich schon von Weitem erkennen, ob man sich einer Stadt oder einem Dorf nähert. Der Turm ist Stimme der Kirche, weil er die Kirchenglocken trägt; Signal, weil er Weg und oft auch Zeit weist. Gewiss ist Herz und Seele einer Kirche das Allerheiligste oder der Altar; dennoch ist die Wirkung des Turmes nicht zu unterschätzen.

Augenfällig wird dies, wenn er als letzter aufrechter Rest vom Untergang seines Bauwerks kündet. Wörtlich, wenn der Ort in einem Stausee untergegangen ist - Titelbild: St.Katharina im Reschensee (Tirol); Foto: Jaromír Kavan / unsplash (CC0).
Übertragen, wenn gar ein Turm "nacherbaut" wird, um an einen Untergang zu erinnern (Nieder-Werbe, Edersee).

Praktisch betrachtet trifft die Fliegerbombe zuerst das Dach des großen Kirchenschiffes, wird bei Verfall zunächst der Hauptbau einstürzen. So begegnen uns viele "Kirchen ohne Dach", lässt sich vom Turm der Bau noch erleben (Altthymen, Käcklitz) oder, tröstlicher, findet sich im Fuß des Turmes noch eine Notkirche oder zumindest Sakristei für verbleibende Gottesdienste "unter dem Himmelszelt".

Pellworm

Alte Kirche.

Neben der gotischen Turmruine steht ohne Verbund das alte romanische Kirchenschiff, im 17.Jahrhunder neu errichtet.

Foto: Jörg Braukmann, Sankt Salvator (Pellworm), verkl.Ausschnitt, CC BY-SA 4.0

Westerholt

St.Martinus et St.Johannes, 15.Jh.

Das Schiff der ehemaligen spätgotischen Backsteinsaal-Pfarrkirche in Ortsmitte wurde 1907 abgetragen; die Turmruine mit Resten der angebauten Empore entstammt der Erneuerung aus dem späten 17.Jahrhundert.

Lemgo

St.Johann, 13.Jahrhundert.

Der "Stumpfe Turm" ist der freistehende Glockenturm der alten evangelischen Pfarrkirche und seit Zerstörung der Kirche 1638 stimmungsvoller Rest inmitten des alten Friedhofes.

Breyell

Lambertiturm aus dem 14.Jahrhundert.

Als Wahrzeichen der niederrheinischen Stadt (Nettetal) Rest der 1907 abgetragenen Pfarrkirche, am belebten Marktplatz gelegen.

Siechenkirche

Westturm einer Ortskirche, spätromanisch.

Der Ort Trende (unweit Trendelburg) wurde bereits im 15.Jahrhundert zur Wüstung; die Kirche, im 16.Jahrhundert als Siechenhaus verwendet, verfiel seitdem 1774 das Kirchendach einstürzte. Sicherung 1996, somit Turm wieder mit Dach.

Swist

Kirchturm der hl.Jungfrauen Fides,Spes und Caritas.

Wahrzeichen von Weilerswist, Rest der Pfarrkirche auf dem Swister Berg, aus karolingischer Zeit, im Kölnischen Krieg um 1585 beschädigt, aber bis ins 19.Jahrhundert als Wallfahrtskirche genutzt. 1829 bis auf den Turm abgetragen, in ihm eine kleine Kapelle mit Wallfahrten.

Thorr

St.Simon und Juda, 17.Jahrhundert.

Kirchturm "Römerturm" der alten Pfarrkirche, die Ende des 19.Jahrhunderts nach Erdbeben beschädigt und abgerissen wurde. 2008 grundsaniert.

Beuren

Kirchturm eines Wartturms des 13.Jahrhunderts.

Die gräfliche Warte im Eichsfeld-Ort, Zollturm der Stadt, war seit 1342 als Kirchturm (mit neuer Haube) der angebauten Kirche genutzt worden; diese ist 1880 abgebrochen worden, nachdem die "neue" katholische St.Pankratius-Kirche erbaut war.

Ohrdruf

St.Michaeliskirche, 18.Jahrhundert.

Die mehrmals nach Bränden wiederaufgebaute evangelische Pfarrkirche ist 1945 bis auf den Turm in Schutt und Asche gefallen.

Beeder

Frühgotische Turmruine.

Der Kirchturm der dem heiligen Remigius geweihten Pfarrkirche aus dem 14.Jahrhundert ist Rest des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Bauwerks.

Aschbacherhof

St.Blasius, 14.Jahrhundert.

Von der einstigen Dorfsiedlung nur wenige Häuser erhalten; Kirchenschiff seit Ende 18.Jahrhundert im Verfall, später abgetragen.

Gondelsheim

Hochmittelalterliche Wehrkirche.

Vom verwilderten Schlosspark grüßt der Turm (Rest der kleinen Burganlage?) wie eine Warte und erinnert an das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte, neuromanisch wiedererbaute und 1857 abgerissene Kirchenschiff. Im Innern gotische Fresken, somit immerhin der älteste Teil der Kirchenhistorie, aber stark sanierungsbedürftig.

Überblick.

Je 12 Objekte. Eine Auswahl.

Wiederaufbau (weiß)
Türme (hellblau)
Burgkapellen (ocker)
Grabkapellen (schwarz)
Spezialobjekte (rot)


Kartengrundlage:
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