Schwäbische Alb - in all ihren Facetten

Härtsfeldbahn (Aalen - Dillingen)

Ganz im Osten des Ländles, an der Grenze zu Bayern muss die alte Meterspurbahn ein Reiseziel sein:  um Neresheim wird wieder ein Stück Museumsbahnbetrieb geboten, andere Trassenteile sind ein überaus idyllischer Radweg.  Beim Ausgangspunkt Unterkochen schraubt sich die Strecke in einem weitausholenden Bogen vom Kochertal auf die Hochfläche (Durchlass original, Foto 2001), bietet an ehem.Hp. einen großen planen Wanderparkplatz, einen formidablen Panoramaweg, gekrönt vom bekannten Viadukt, einen sehenswerten Felseinschnitt um schließlich mit dem (vermauerten) Kocherburgtunnel einen Schmalspur-Relikthöhepunkt zu servieren.  Die darauffolgenden Wälder -einst bedeutender Gütergrund der Strecke- warten mit Bahntrassenwaldweg bzw. Wüstung auf.

 

Viadukt... ...und Felseinschnitt 2005

 

Norden und Osten - um Rems, Murr, Fils

Böbingen - Heubach
Eröffnet 1920, Pv bis 1972, Gv bis 1975.
Diese kurze Stichstrecke ist im Ortsbereich Böbingen von einer Straße geschluckt (kurzes Stück Fußweg); kurz vor dem einstigen Endbahnhof zeugt der Bahndamm vor dem Massiv des Rosensteins von lange zurückliegender Eisenbahngeschichte.

Böbingen - Gleisreste km-Stein Damm vor dem Rosenstein

< Endbahnhof Heubach 2006.  Bahnkörper vielfach überbaut.

> Blick vom Rosenstein auf die Bahntrasse (2005).
Teils Buschwüstung (rot), teils von neuer Umgehungsstraße geschluckt (orange).

Östlich der Metropole verlaufen in den Flusstälern Murr, Rems und Fils bedeutende (teils erst jüngst elektrifizierte) Strecken; ausgedehnte Bereiche des Schwäbisch-Fränkischen oder Schurwaldes warteten jedoch vergeblich auf ihren Bahnanschluss.  Hatte es ein Ort wie Welzheim mal "geschafft" (KBS 313f von Schorndorf), so wurde seiner Strecke Wieslauftalbahn in den 1980ern systematisch der Garaus gemacht.  Immerhin gibt es auch hier (Schorndorf-Rudersberg) eine erfolgreiche Renaissance zu beobachten, der obere Abschnitt (mit Viadukt bei der Laufenmühle) scheint Heimat einer Museumsbahn geworden zu sein.

Südlich Steinbach:
Km 15,6 - Bahnübergang rücksichtslos überbaut 
Nicht wirklich befahrbar (je 1994)

 

 

Die wunderschöne Rems/Fils-Verbindung (KBS 315e Schwäbisch Gmünd - Göppingen, Pv bis 1984) ist auf fast der gesamten Länge ein reizvoller Radweg - lediglich an den Einmündungen in die Hauptstrecken finden sich typische Geschichts-Relikte:

Schwäbisch Gmünd 2001:  Remsbrücke
Ruine, Teil über B29 beseitigt (links)
Faurndau Nord 2003:
Beräumtes Bahngelände - lange Zeit Endpunkt des Restes der Querbahn

Göppingen - (Bad) Boll  Diese "Voralbbahn" war erst 1926 eröffnet worden; Personenverkehr endete 1989, formale Stilllegung 1997.  Ein Museumsbahnbetrieb musste jüngst bis Heiningen zurückgenommen werden, aber eine Reaktivierung als (bis zur Teckbahn verlängerten) (Stadtschnell?) bahn scheint langfristig möglich.  Zwischenzeitliche Näherwohnbebauung sowie nachfrageorientiertere Führungen wird sicher zu Trassenverlegungen und umfangreichen Umbauten führen, sodass diese Fotos so oder so Chronik sind: 

Göppingen, Filsbrücke... ...im botanischen Verfall (2007)
Bei Heiningen 2004:  unbefahrbar Blick über Bahndamm zur Hochalb
Boll: km-Stein und Stationsschild Bhf "Rosa Zeiten", je 2007


Süßen - Weißenstein
Eröffnet 1901, Pv bis Weißenstein 1968, bis Donzdorf 1980. Güterverkehr bis Weißenstein bis 1981, bis Donzdorf bis 1995.

Der Trassenradweg ist auch hier "angekommen".  2005 war der Bahnhofsbereich Donzdorf von Neubebauung umzingelt, der Radweg ganz frisch.

Donzdorf 2005... ...und Nenningen 2006


Geislingen - Wiesensteig (Tälesbahn)
Eröffnet 1903, Pv bis Wiesensteig bis 1969, bis Deggingen bis 1980. Gv bis Altenstadt bis 2001. 

Die Strecke lebte lange noch bis fast Bad Überkingen weiter (Fabrikanschluss), ist eigentlich weitestgehend ein Rad- und Fußweg.  Trotzdem finden sich auch hier typische Relikte (je 2005):

Geislingen, am BÜ mit L1231 - Radweg auch schon da, ätsch! km 12,4 - Wüstung


Kirchheim (Teck) - Weilheim
Eröffnet 1908, Pv bis 1982. Gv bis Weilheim 1986, bis Holzmaden 1995.

Nicht lange, nicht wirklich spektakulär, dafür super erreichbar - als Zugabe vis-a-vis die Reste der Behelfs-AS Holzmaden (A8) - Eindrücke von 2005-2007:

Kirchheim Teck Süd - alter Bahnhof Mitten durchs Wohngebiet
Alter Bahnhof Jesingen Alter BÜ bei Holzmaden (je 2005)

Toprelikt die Lindachbrücke bei Holzmaden.  Die Trasse selbst überraschte 2007 mit Stahlschwellen in "Testbahnausführung" - es fanden sich Prägezeichen u.a. Burbach 1928, Thyssen 1939, MH 1939, Roechling 1928, Krupp 1927 !

Lindachbrücke bei Holzmaden Stahlschwellen aller alten Hütten
Prellbock bei Holzmaden Trasse und... Kilometer 4,9
Brücke der A8 - rechts die Einmündung der... ...Behelfs-AS Holzmaden Weilheim - ex Bhf

Linktipp:  viele Details und mehr Bilder zu den Strecken auf Michael Mögles Seiten.

 

Die Bahnstrecke Reutlingen - Gönningen (ex KBS 317p) mit Spitzkehre Gomaringen lebt als Örtlichkeit "Alter Bahnhof Mähringen" mitten in Feldern weiter, war im Gespräch eines Wiederaufbaus.  Die Verwendung als Güteranschlussgleis (nun stillgelegt) sicherte Trassenteile noch 2005:

Reutlingen: Überquerung der KBS Enge an der B27
Mitten durchs Wohngebiet Unberührter Bahndamm westlich Mähringen (je 2005)

In Gomaringen ist so gut wie nichts mehr zu erkennen, weder der Einschnitt mit Straßenbrücke noch Trassenteile - das Wohngebiet breitete sich aus.

Die Schwäbische Alb selbst ist mit der aktiven Hohenzollerischen Landesbahn HzL noch immer gut erschlossen und bedient; führt eine Strecke nur Güterverkehr (Eyach - Hechingen) so sieht sie dennoch Museumszüge.  Ihre Streckenführung durch Haigerloch (mit Tunnel) ist insofern bemerkenswert, als eine Trassenvariante unter dem Schlossberg mit begonnenem Tunnel im Weltkrieg als Kernspaltungs-Forschungslabor ("Atomkeller") Verwendung fand.

Für viele Bahnfans bis heute vielleicht Inbegriff der Alb:  Reutlingen - Honau - Kleinengstingen
Um die Jahrhundertwende wurde die lange geforderte direkte Bahnverbindung Reutlingen - Ulm über Münsingen in Abschnitten eröffnet; nahe Honau / Lichtenstein war dazu ein steiler Zahnstangenabschnitt nötig, auf dem in den letzten Betriebsjahren Zahnrad-Schienenbusse verkehrten.  Verkehrseinstellungen sind von 1969 (Gesamtverkehr Zahnradabschnitt), 1980/83 (Pv, dann Gv Reutlingen-Süd - Honau) sowie 1994 (Reutlingen bis -Süd) zu verzeichnen.  Bis heute sind vielfältige Spuren vorzufinden, darüberhinaus gibt es sogar Museums- und Ausflugsverkehre (Schelklingen - Kleinengstingen [seit 1901 Abzweigung] - Gammertingen.  Kleine Umschau 2005-2007:

Reutlingen, nutzlose Straßenbrücke über... ...vermülltem Schwellenensemble ...gleislose Vorsignal- und...
...BÜ-Signale; in Reutlingen-Süd immerhin... ...Weichen, Schienen, Signale, Pionierbäume ...
Bf Reutlingen Süd Straßenseite 2005 und... ...Gleisseite 2007 ...
Honau - kleines Museum 2005 Km 13,8 einsam und... ...altes Gleis Ri RT in Kleinengstingen; 
links vom EG ist noch Betrieb (2007)

 

Eine wunderbare "Ämter-Rennstrecke", die alte KBS 318f Rottweil - Balingen, ermöglichte bis in die 1970er Jahre die kürzeste Bahnreise zwischen den Kreisstädten Tübingen - Hechingen - Balingen (U) - Rottweil.  Ihr stillgelegter Abschnitt südwestlich Schömberg ist als Feldweg mit Bahnsteinen (Stungen 2000),  überteertem Wegübergang bei Wellendingen, blühender Bahndämme, gewaltiger Walddämme und riesigem Betonviadukt (Primtalbrücke) vor Rottweil-Wilhelmshall nicht zu übersehen:

Gewaltige Wälder-  bzw Dämme mit Durchlass 2000 und 2007
Unscheinbarer Bahndamm, verführerisch befahrbar,...
Alter Bahnübergang bei Wellendingen, Trasse mit Holz zugestellt, manchmal auch... ...Weg mit Steinen...
...oder nur Damm mit Steinen (wer sieht ihn auf diesem Bild?);  2000 und 2004


Ganz besonders reizvoll zeigt sich schließlich eine sehr spät gebaute Stichstrecke Spaichingen - Reichenbach am Heuberg (ex KBS 318g):  zeitbedingt in Betonarchitektur bietet sie immerhin einen Radwegtunnel und spektakuläre Brückenruinen:

Wettbachtalviadukt - Alb at its best  Diesen mächtige Viadukt muss der... ...Radweg umgehen (2007)
Dies sind Wettbachtalpfeiler Betonbrockenreste Widerlager wie ein Bismarckdenkmal (1994)
Kilometer 8 Der Autunnel nun mit Hinweistafeln Gosheim: Bahndamm teils schon überbaut  (je 2004)
Östlich Gosheim Pfad... ...und Radweg

 

Albstadt - Onstmettingen   Talgangbahn

Eine Südalbhauptstadt ist sicher Albstadt. Als Hochschulstandort und Mittelzentrum ist sie mit eingemeindeten Ortsteilen im Tal der Schmiecha praktisch zusammengewachsen; die hier seit 1901 betriebene 8km lange WEG-Nebenbahn wurde 1998 stillgelegt, nachdem auch das große Standbein Textilindustrie als Güterbringer schwächelte.     Trotz sicher treuer Kundschaft (Schulen, ortsnahe Trasse) ist eine Reaktivierung wegen der Kosten (BÜs) nicht zu erwarten.  Fotos von 2006 und 2007:

Über den Vorplatz wie eine Tram, dann eng an ...Firmen vorbei, über... ...sehenswerte Brücken Albstadt querend,...
...aber zunehmend... ...zuwuchernd ...Onstmettingen Endstation, auch Busdepot...

 

Dank für viele Bilder an Michael Mögle und Peter Schöler.

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