FRANKEN

Wiege deutscher Landen  -  heute rechtlich nicht verortbar.
Teil des Freistaats Bayern und in drei Bezirke geteilt.

Franken.  Wem bei diesem Begriff nicht das Wasser im Munde zusammenläuft - angesichts der Genussmittel Kellerbier, Würzburger Zipfel, Bamberger Hörnla, Nürnberger Rostbratwürstel sowie mit Einschränkung Franken-Bocksbeutel - dem ist nicht zu helfen.  Franken und Eisenbahn, das passt ebenso gut zusammen, steht doch zwischen Fürth und Nürnberg die Wiege der deutschen Eisenbahnhistorie, ist das mittelfränkische Industriezentrum mit dem DBMuseum, ICE-Werk sowie traditionsreicher Hersteller (MAN) gut bestückt.  Franken - eine Region mit einer Wirtschaftskraft durchschnittlicher europäischer Staaten, mit einer vielfältigen Landschaftsform vom hektischen Untermain über rauhe Grenzgebirgsregionen (Rhön, Frankenwald), liebliche Weintäler (Maindreieck), klerikale (Banz, Bamberg) administrative (Ansbach, Bayreuth) oder ökonomische (Erlangen/Nürnberg) Zentren, Seenplatten (Aisch, Altmühl) - vor allem aber mit landwirtschaftlich geprägten weiten Flächen.
Der Streckenhistoriker erinnert sich weniger an spektakuläre Brücken- oder Tunnel-Relikte als vielmehr an eine Vielzahl ähnlicher stillgelegter Lokal- und Vicinalbahnen.  Franken - ohne Bayern undenkbar und umgekehrt, im Bahnlichen zweckmäßigerweise getrennt zu behandeln.

Die Schönheit Frankens, seine günstige geographische Lage sowie "Heimatelemente" führten seit vielen Jahren zu unzähligen Bereisungen, vielen Fotodokumenten, sich ansammelnder Literatur, sowie nicht zuletzt zu einer wachsenden Zahl entsprechender Reliktstellen;  es ist hier zweckmäßig und zwingend, Unterseiten anzulegen:


Ganz im Norden:  der Frankenwald

Ebenfalls im Norden:  Um Coburg

 

Der Großraum Bamberg - 
Höhepunkt dieser Webseite und natürlich eine Extraseite wert...
Strecken nach Dietersdorf, Maro, Schäätz, Hollfeld, Ebrach...

 

Mittendrin:  an Aisch, Brend, Saale und anderen Flüsschen

Die Zonenrandlage vieler Landkreise Unter- und Oberfrankens hatte zwei widersprüchliche Folgen:  zu Zeiten der Teilung Deutschlands sehr geringes Verkehrsaufkommen (heute ins Gegenteil gekehrt), andererseits eine starke politisch-wirtschaftliche Förderung, die sich lange Zeit auch auf das Festhalten eigentlich total unrentabler Lokalbahnen erstreckte.  Viele Strecken wären Jahre früher stillgelegt worden denn trotz der insgesamt zentralen Lage können die Regionen (auch heute) als industriell oder bergbaulich unbedeutender eingestuft werden.
Einstige grenzüberschreitende Magistralen haben folgendes Schicksal erfahren:

  • Die ehemalige D-Zug-Strecke Stuttgart - Berlin (zeitweise zweigleisig!):
    unterbrochen bei Mühlfeld;  bis Mellrichstadt (DB) bzw. Rentwertshausen (DR) Regionalverkehr
    nur durch Glück in Franken nicht stillgelegt, sodass Lückenschluss 1991 erfolgen konnte
    (Autor war in den Achtzigern häufig einziger Zugpassagier in einer 211-3 Silberlinge-Kombination)

  • Die alte Werra-Eisenbahn (Bamberg-) Coburg - Meiningen (-Eisenach):
    unterbrochen bei Görsdorf (Bahnhof in Bayern, Ort in Thüringen)
    gewaltige Trasse, schon bald nördlich Coburg überbaut; in Thüringen als Grenzkontrollzufahrtsweg missbraucht
    in dieser Relation BAB A73 in Bau  (Coburg - Eisfeld - Suhl)

  • Frankenwaldrampe  (Lichtenfels-) Ludwigsstadt - Probstzella (-Jena):
    Grenze bei Falkenstein; eingleisig als Transitroute eingesetzt
    um 1996 Wiederaufbau des zweiten Gleises, heute ICT-Route Leipzig - München

Eine Vielzahl von Klein- und Lokalbahnen überzog das Land wobei letztere -dem Charakter des sie ermöglichenden Gesetzes folgend- Sackgassen blieben und ab den 1950er Jahren immer weniger Verkehrszulauf den Hauptstrecken brachten.
Von Nord-West gen Süd-Ost haben folgende Strecken einen Besuch abgestattet bekommen:

Saaletalbahn  Bad Neustadt-Königshofen  (ex KBS 417h)

 

Geheimnisse um Rannungen
Nördlich des Rottershäuser Tunnel zweigten von der einstigen Hauptbahn Stuttgart-Berlin zwei weniger bekannte Schienenstränge ab: an einem noch heute bewohnten kleinen Wärterhüsle die Localbahn nach Stadtlauringen (ex KBS 417m, Pv 1900-1959, stillgel.1960) - sie ist an vielen Stellen als Waldweg mit winzigen Relikten (Eisengeländer an Grabenbrückchen) auszumachen.  Die Modellbaufirma Pola im Dorf Rothhausen verewigte das örtliche kleine regionaltypische Empfangsgebäude in einem Bausatz.
Die "Waldsiedlung" unweit der Ausleitung ist ein Überrest einer Munitionsanstalt im Forst Gressertshof vom Weltkrieg; von ihr waren weitere Gebäuderuinen (nach dem Krieg kurz Keramikbearbeitungsfirma, Anfang 2004 abgerissen), begehbare Bunker (fast alle in den 1990ern verschlossen) sowie völlig überwachsene Anschlussgleistrassen vorzufinden.  Das Projekt einer Reißbrettsiedlung "Gressertshofen" um die vorhandene Infrastruktur für die Vertriebenen aus den 1950er Jahren ist (im Gegensatz zum ähnlich strukturierten Geretsried und Waldkraiburg) nicht verwirklicht worden.

Bahndamm kreuzte Landstraße - hier heute A71-Brücke Alte Bahntrasse als Waldweg bei Poppenlauer

Mehr zur Muna Rottershausen und anderen Militärgleisen i.V.

 

Hassfurt - Hofheim (ex KBS 825)
Musste aufgegeben werden wegen Expansionshindernis einer Firma (!). Zuletzt attraktiver Schienenbusverkehr, besonders im Schülerverkehr. Bemerkenswert das im alten Endbahnhofsgebäude liebevoll errichtete kleine private Bahnmuseum; die Trasse heute großteils Radweg in den sanft-hügeligen Haßbergen:

Junkersdorf 1994... ...und 2000

 

Steigerwald und Mainebene

Neben der schönen Mainschleifenbahn mit seiner Straßen-/Bahnbrücke bei Volkach (ex KBS 418a - Pv bis 1968, heute mit vereinten / örtliche Privat- und Kreis-Kräfte bis zum Wirtschaftsminister - für Privatbahnzwecke gerettet) hatte die fast 50km lange Nebenbahn am Rande des Steigerwaldes, die die Kreisstädte Kitzingen und Schweinfurt verband (ex KBS 418e / 812 / 815), einige Bedeutung für die Rübenregion um die Kugellagerstadt.  Schäden an der Mainbrücke in Kitzingen-Etwashausen ließen den Betrieb nach dem Weltkrieg nicht mehr zu; auch der Personenverkehr im Nordabschnitt bis zur einstigen Kreisstadt Gerolzhofen konnte nur bis 1981 geboten werden.  Umfangreicher Güter- und Militärverkehr (US Army Kitzingen) sichert den Fortbestand unterstützt von der aus Wertheim geholten alten Eisenbahnbrücke bei der restaurierten Mainquerung Schweinfurt.

Prosselsheim 1998 - temporärer Dornröschenschlaf:
typisches Nebenbahnensemble mit BayWa
Kitzingen-Etwashausen 1996:
Mächtige Mainbrückenvorlandbereiche gerade freigeschnitten


Steigerwaldbahnen um Frensdorf:  siehe unter Bamberg

 

 

Mainfranken / Gau - der Übergang zu Württemberg

Teile der Herrschaftsbereiche Bistum Würzburg und Fürstentum Ansbach gehören nun zu den Bundesregionen Unterfranken und Nordwürttemberg, einst zusätzlich verbunden mit einer Nebenbahn: südlich Ochsenfurt strebte die Gaubahn gen Süden, Beziehungen zu Weikersheim und Creglingen (jeweils BaWue) erlaubend - Mitte der 1990er Jahre zu einem Radweg umgestaltet und mit vielen informativen Tafeln ausgestattet.

Extraseite dieses reizvollen interstaatlichen Netzes  (in Überarbeitung)...

 

Ganz im Westen:  Mainmehrecke

Um Marktheidenfeld verband bis in die 1970er Jahre eine Nebenbahn die Mittelzentren Lohr und Wertheim, wobei das bebaute Mainufer ebenso wie seine Windungen immerhin drei Tunnel erfordert hatten.

Eindrücke der ex KBS 421q Lohr - Wertheim (Pv endete 1976, Rest-Gv 1993):

Bettingberg anno 1991
der schönste Tunnel zwischen Lohr und Wertheim
dito 2003: die Gehsteige sind Relikte der Daimler-Benz-U-Bus-Forschungszeit

 

Einsames altes Bahnhofsgebäude Kaffelsteintunnel 2004... ...und 1993

Der Bereich des Westportals des Kaffelsteintunnel wurde Anfang der 1990er überschüttet um Platz für einige neue Wohnhäuser zu schaffen; zur Dokumentierung der Vermauerung wurden ausnahmsweise zwei Autos zwecks Lichtspendung hineinrangiert; heute freilich ist auch das verbliebene Ostportal vergittert, fallen einem bisweilen Rehe von dem Felseinschnitt vor die Füße... 
Weiter nördlich liegt die Trasse nunmehr in drei Zuständen vor:  bei Rodenbach und Rothenfels als Umgehungsstraße inklusive Hochwasserdammschutz, u.a. bei Hafenlohr als Radweg, bei Neustadt a.M. und Marktheidenfeld als Wüstung:

Vor Marktheidenfeld finden sich zwei Brückenrelikte (Zustand jeweils 2003)
sowie der alte Bahnhof mit Bahnsteigkantenrest; südlich eine... ...Wüstung (1993) Damm mit Wasserdurchlass Trennfeld (2007)

 

Frankens gemütliche Ecke

In dieser Region zwischen Bamberg, Bad Windsheim und Rothenburg ist die Lokalbahn Neustadt an der Aisch - Demantsfürth-Uehlfeld (ex KBS 415g) (Pv eingestellt 1976) erst in jüngerer Zeit ihres Güterverkehrs und Gleisbettes beraubt worden; weite Teile sind bereits ein reizvoller Radwanderweg, wobei es kurz vor Gutenstetten zu einer bemerkenswerten Kreuzung mit der alten (nicht der ausgebauten und verlegten) Bundesstraße an einem einst gefürchteten Bahnübergang kommt.
Die Strecke ist im Ortsbereich Neustadt an der Aisch kaum wiederzufinden; ausgebaute Umgehungsstraßen, neue Gewerbegebiete verändern derzeit stark.  Letztes Relikt die Brücke über der südlichen Zentrumszufahrtsstraße, 2004 sehr baufällig mit der Folge halbseitiger Straßensperrung. 2007 war eine ausgestellte Köf Zeuge einer historischen Zeit in einem beräumten ex-Bahn-Areal: 

Alter Bahnhof Gutenstetten:
in Renovierung und Ausbau  (jew. 2003)
Ex-KBS 416b, jetzt Radweg, kreuzt
ex-B470, jetzt Wirtschaftsweg
1995 gab es wenigstens noch Schienenreste (km13), oder Ladeschuppenruinen (Dachsbach); links hinten
"Getreidelager von Rob.Lindner,Birnbaum"
Pahres, Trasse neben Alt-Straße (heute weg?) Nahe Uehlfeld, Widerlager Brückchen in Ferne Demantsfürth-Uehlfeld, Bahnhof restauriert (je 07)

 

Frankenhöhe und Richtung Hohenlohe - letzte Pittoreske:

Im südwestlichsten fränkischen Zipfel schließlich bestand einst eine Verbindung zwischen Rothenburg oT (noch immer von Steinach erreichbar) über die Spitzkehre Schillingsfürth (Frankenhöhe) nach Dombühl; diese ex KBS 415b ermöglichte bis 1971 Personenverkehr und liegt heute in den bekannten Zustandsformen Schotterwüstung, Wald- /Feldweg bzw. Radweg inklusive Bahnhofserlebnisgaststätte Bockenfeld vor:

Nahe Dombühl lagen auf einem kurzen Stück 1994 noch
 Gleise; rechts ist bereits die Hauptstrecke 
Ansbach - Crailsheim zu erkennen.
2007 der Gegenblick - Spuren von
Abbau und Verfall
Der nahe Wald, die Trasse
verwachsen
Brücke über den Ebertsmühlengraben,... ...aber auch abgetragende Durchlässe (2007)

 

Nach der Kreuzung der viel jüngeren A7 wechselt die
Trasse von Wüstung zu Waldweg mit mächtigem Damm...
...sowie tiefen Einschnitt - Merkmal eines
"nicht gewöhnlichen Weges"  (2005)
Nahe Oestheim Trasse teils in Feld aufgegangen, ...hier unter der links zu sehenden Minibrücke Ehem.BÜ der R/B25, schöner Bahndamm (je 09)
Diebach:  Brücke "unterschüttet", eine verbreitete Praxis  (1999)  

 

Altes EG von Bockenfeld mit Uhr und Signal  (1995)
Gebsattel.
Obwohl bis hier (an den Rand dieser nahe Rothenburg gelegenen Gemeindenoch sehr lange Güterverkehr überlebte (Ende der 1990er), obwohl Karten die Tauberbrücke (das wohl mächtigste Bauwerk der Strecke) als abgetragen verzeichneten, überraschte 2005 der für den Radweg mit neuen Geländern ertüchtigten mehrbogige "Talübergang" aus bauzeittypischem Stampfbeton

Richtung Ansbach war die Stichstrecke Leutershausen=Wiedersbach - Bechhofen früh genug "verschwunden", sodass die Ende der 1970er fertiggestellte Autobahn Heilbronn-Nürnberg (A6) kein Kreuzungsbauwerk mehr benötigte.  Die Trasse liegt in sehr unterschiedlichen Zuständen vor, wobei westlich der schönen Kleinstadt Herrieden lange Dämme mit Wirtschaftswegen den Streckenverlauf nacherleben lassen:

Damm nahe Rauenbuch, dann... ...unspektakulärer Feldweg (Bannwiesengraben) Befahrbarer Damm bei Neunstetten (je 2007)
Damm nahe A6 (2007), auf ihm... ...ein Feldweg (2004)
Brücke über Altmühl entfernt, dafür nahes Pendant Trasse teils überbaut (Großenried), hier der... ...Durchlass des Roßbachgraben
Im Wald ahnbare Trassenschneise,... ...auch mal ein Feldweg auf der Trasse,... ...oder direkt daneben mit Entwässerungsgraben
Brönnenwasengraben, Baum zeigt Wüstungsalter Bechhofen, Feldweg auf Trasse und schließlich... ...das alte Bahnhofsgebäude (je 2009)


 

Ansbach und Nürnberg (Integrativseite) werden hier mal "links" liegengelassen (eigentlich eine Sünde), wir aber wenden uns gen Süden für die Aufwartung weiterer einzelner Strecken:

Das Spalter Bockerl, die alte KBS 413c Georgensgmünd - Spalt (Pv eingestellt 1969) ist auf ganzer Strecke zu einem Radweg umgebaut worden; die günstige Länge ließ hier den vielbeachteten Planetenweg entstehen, indem alle Himmelskörper des Sonnensystems maßstabs- und abstandsgetreu in 1:1 Mrd gebaut und angeordnet wurden; der Vagabund Pluto befindet sich auf dem Areal des zu einem Kunstbahnhofs umfunktionierten Endpunkt-Empfangsgebäudes.

Foto von 2003 Bei Straßenhaus eine Trassenbrücke (2009)
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