Odenwald - kleines Mittelgebirge und Ausläufer

Der Odenwald ist bis zum heutigen Tag mit den Strecken Darmstadt-Eberbach (KBS 641) und Miltenberg-Osterburken (KBS 789) eisenbahntechnisch ordentlich erschlossen.  Alte Trassen mit gewaltigen Relikten vermutet man in diesem überschaubaren waldreichen Naturpark eher nicht und so erschließt sich "unser" Thema hier auch zuvorderst über die Randbereiche des Mittelgebirges.
Im Norden, im Übergang zum geschäftigen Rhein-Main-Gebiet, Rödermark / Rodgau genannt, sind zwei unspektakuläre Verbindungsstrecken nurmehr Geschichte; daneben kann die Mömlingtalbahn thematisch als Klassiker abgebucht werden.  Führt man hier noch die Odenwaldbahn Mosbach-Mudau (heute Wanderbahn), eine kurze Stichstrecke nach Beerfelden, vor allem aber die zwei alte Tunnel "beisteuernde" Strecke Mörlenbach-Wahlen an, so ist das Thema Eisenbahnarchäologie erschöpft.
Vielleicht dient die Lage des Odenwaldes zwischen Hessen und Baden ohnehin einer kurzen Durchreise, auf dem Weg zu hochlohnenden Regionen wie Neckar/Hohenlohe, Vogelsberg/Spessart oder Mainfranken...

Die geringe Remanenz unwichtiger Verbindungen
Die meist eingleisigen Nebenbahnen im Landkreis Dieburg östlich Darmstadts vermögen zwar auch zu langweiligen "211-Silberling-Wendezug"-Zeiten bisweilen zu filmischer Aufmerksamkeit gelangen "Tod eines Schülers", 1980er-Jahre, nunmehr als Spielball sich vergrößernder Verkehrsverbünde zu fungieren - die Daseinsberechtigung für Berufspendelströme in Agglomerationszentren wie Darmstadt, Offenbach und Aschaffenburg hatte in den 1960er Jahren die Stillegung zweier Verknüpfungen nicht verhindert:  sowohl die alte KBS 276d Dieburg-Reinheim als auch deren Abzweig von Darmstadt nach Groß Zimmern (ex 276f) bestehen nicht mehr.  Da alle aufgeführten Orte nach wie vor gut ÖPNV-bedient (nur Groß Zimmern gleislos) sind, zudem mit B26/B45 autobahnähnliche Bundesstraßen vorliegen, hält sich das Bedauern insgesamt sehr in Grenzen.
Stenographischer Kurzüberblick:

Rodgau
Zwischen Dieburg und Großzimmern ehemalige Trasse Rad- bzw. Wirtschaftsweg inklusive Überführung über autobahnähnliche B26a (Kreuzung mit ehem. B26 siehe hier); in Großzimmern teils Bahnstraße (Wohnhausüberbauung)
Östlich der Erhebungen Mühlberg und Kehlberg neben Dammwüstung parallele Feldwege
Strecke zwischen Darmstadt und Forsthaus Rossdorf Museumsverkehr; in Rossdorf alter Bahnhof jetzt Museum mit vielen Bahnaccessoires (und Parkbahn); östlich Rossdorf Brücke der B38 über Trasse (jetzt Fußweg), weiterer Verlauf Dammwüstung.

Dieburg - Fußweg, über... ...originale Bahnbrücken Ri. Großzimmern Westl. Großzimmern wüster Damm mit Pfadlücke
Rossdorf: oben ex-KBS, unten ex-R/B26 Bahnhof mit Museumspark; das... ...Gebäude renoviert (je 2007)

 

 

Rheintal / Ried
Zwischen Darmstadt und der Riedbahn Mannheim - Frankfurt hatte es eine Diagonalverbindung gegeben (ex KBS 315a); nachdem der Personenverkehr schon 1970 eingestellt worden war, hielt sich Güterverkehr noch lange zwischen Darmstadt und Griesheim - heute freilich zeigen sich typische Auflösungserscheinungen wie überwucherte Trassen mit Brückenresten und Gleiswüstungen im Gewerbegebiet aber auch eine sanierte und verwendete Brücke wie in Goddelau:

Gewerbegebiet DA Zwei Gleise in Feldwegübergang
Brückenrest mit Sandsteinwiderlagern Ried - Wald - Ruinen (je 2004) Trasse = Weg bei Goddelau, 2009

 

 

Rheintal / Bergstraße
Die 4km lange Stichstrecke von Bickenbach (Heidelberg-Darmstädter Hauptbahn) nach Seeheim (ex KBS 315e, Pv bis Ende 1955, stillgelegt 1960) scheint schon vollständig in Vergessenheit geraten zu sein; der Neubau von Andienungsstraßen um Bickenbach veränderte jüngst die Situation, trotzdem scheinen wenige Relikte zu überdauern:

Originales EG Bickenbach an der Hauptbahn, Straße "Auf der Alten Bahn" Bachbrückchen Jugenheim, heute Wirtschaftsweg (je 2004)

 

Gersprenztal
Die Gersprenztalbahn Reinheim-Reichelsheim (parallele Straßenlage) lebt mit geringem Güterverkehr bis Groß Bieberau; hier bemerkenswert ein kurzer Tunnel in Reinheim.

Kleine Aufmerksamkeit im Tal der Mömling
Aschaffenburg und Höchst im Odenwald (Pirelli-Werk) sind heute über Babenhausen immer noch per Zug ordentlich verbunden; bis 1974 (KBS 416f) konnte man die um 12km kürzere Route über Großostheim wählen.  Verbliebener Güterverkehr auf Ästen bis Großostheim bzw. Breuberg verhindert(e) das völlige Vergessen dieser winzigen Fränkisch-Odenwald-berührenden Strecke.

Steckbrief:

Mömlingtalbahn bzw. Bachgaubahn  (29,76km)
ex KBS 416f, 416d, 556
12.04.1905 Staatsvertrag Baden / Bayern zwecks Bahnerrichtung
30.11.1912 Feierliche Eröffnung Großostheim (Bay) - Höchst (Baden)
26.05.1974
Einstellung Personenverkehr
Gesamtstillegung Großostheim - Neustadt (Odw)
28.09.1991 Einstellung Gv Großostheim - Nilkheim
31.12.1992 Einstellung Gv Sandbach - Neustadt (Odw)

Großostheim:  Neue Überbauung im Bereich Sportzentrum, ebenso bei Pflaumheim (Supermarkt)
Wenigumstadt:  entfernter Bahnhofsbereich nun Privatkoppeln /-gärten; Schottertrasse und große Bogenbrücke (1, 2)
Tiefer Einschnitt bei Privathaussiedlung mit Wegbrücke nördlich Mömlingen  (3)
Östlich Breuberg-Hainstadt ruinöse Bahnbrücke über die Mömling (4)
Streckenende bei Rai-Breitenbach mit Beton-Kilometerstein (5)
Verfallende Fabrikanlagen neben überwuchernder Strecke bei Sandberg/Neustadt i.Odw. (7)
Höchst im Odenwald:  gewaltiger Viadukt in Ortslage  (8)

(1) Große Sandsteinbogenbrücke 1993 dito sommers 2005 (2)
Weg nun leitplankengesichert (3; 2005) (4) bei Hainstadt 1996
(5) Bedrohlich großer Baum auf Trasse bei Breuberg
(1993).  
(6) Über die Mömling
bei Neustadt 2005
(7)  Fabrikruinen unweit Pirelli 1996 (8)  Brücke in Höchst 2005
Brücke über den Breitenbach, nahe der... ...berühmten Baumstelle, ohne Gleis und Stein (5) ...zwischen Neustadt und Sandbach, je 2009
Unter B426, neben Gärten Die Mömlingbrücke (6); noch ein Stück... ...Gleis, bald darauf Werksstraße (2009)
Abgeschnitten an Brücke Höchst Rechts war Trasse; links wird sein B45 (2009)

 

 

Melancholische Erinnerung im östlichen Odenwald

Von Mosbach nach Mudau strebte die letzte DB-Meterspurbahn auf dem deutschen Festland;  nach ihrer Stillegung in den 1970er Jahren entstand unter dem Namen "Wanderbahn" einer der ersten Radwege auf einer ehemaligen Bahntrasse, jedoch nicht alle ihrer ehemaligen Brückchen nutzend.  Am Endpunkt in Mudau (Odenwald) erinnert eine ausgestellte Dampflok an die Verbindung zur großen weiten Welt.

Widerlagerreste kurz vor Überbrückung der Hauptbahn (re o)
Ehemaliger Hp Hasbachtal  (je 2000)

 

2004: Der große Viadukt Sattelbach - zugewuchert Kleine Brücke - Radweg
Alter Bahnhof Mudau mit Dampflok (1996)

 

Höhepunkt in der Mitte des Waldes - die Überwaldbahn

Mörlenbach - Unter-Waldmichelbach - Wahlen
Die vielleicht "prägendste" Odenwaldstrecke band kleinere Ortschaften an den Ort Mörlenbach an, der seinerseits an der Weschnitztalbahn gelegen ist, die mit dem Mittelzentrum Weinheim (Bergstraße) verbindet.  Eröffnet 1901, kam das Ende des Personenverkehrs in der diesbezüglich "einstellungsregen" Zeit 1983, im selben Jahr Teilstilllegung U'waldmichelbach - Wahlen.  Der letzte Güterzug bis Waldmichelbach verkehrte 1994.  Zwei Tunnel und vier Viadukte machen die einst 16km lange eingleisige Nebenbahn zu einem durch und durch klassischen Vertreter ihrer Zunft.
In den 1990ern bevorzugtes Zwischenziel eines immer verrückter werdenden Altstreckenliebhabers, fand sie um die Jahrtausendwende mehr und mehr Unterstützer, Liebhaber und Förderer -kulminierend in ehrenamtlich durchgeführten Streckenerhaltungsarbeiten- sodass das Fernziel S 6 (RheinNeckarVerbund) mehr und mehr realistisch erscheint!

Linktipp:  www.ueberwaldbahn.net  und  www.s6-odenwaldlinie.de

Unförmiges spritzbetonsaniertes Nord- und halbwegs ästhetisches Südportal Waldmichelbacher Tunnel
Der kurze Mackenheimer Tunnel von Norden mit gewaltigen Felswänden  (1993-1997)
Großer Viadukt über Steinbruch Trasse südlich des Mackenheimer... ...Tunnel (2007)
Weidacher Viadukt zugewachsen Bhf Unterwaldmichelbach Jugendtreff

2009 sah die Strecke so aus:

Viadukt bei Weiher Der große Mackenheimer Viadukt Wegübergang nahe Mackenheim
Hp Weidacher Höhe Überführungen in... ....Waldmichelbach
Ehem.Ladekante Aschbach Ein alter BÜ in Affolterbach (je 2009)

Dank für Bilder an Jürgen Bolz

 

Zugabe:  Hetzbach - Beerfelden

Der auf einer Art Hochfläche gelegene Ort Beerfelden war 1904 mit einer 5km langen Stichstrecke an die 80 Höhenmeter tiefer gelegene Station Hetzbach an der Odenwaldbahn angebunden worden.  Die von der SEG betriebene Strecke wurde 1954 eingestellt, jedoch von der DB im Auftrag der Stadt Beerfelden im Güterverkehr bis 1964 bedient.  Der höhengewinnungsbedingt geschwungene Bahndamm lebt als Wirtschaftsweg fort; bis vor wenigen Jahren erinnerte zudem ein Gleisrest am ehemaligen BÜ mit der B45 an das "Schellekattel" genannte Bähnel.

Linktipp:  Wikipedia

Hetzbach:  Trasse teils Straße oder... ...Wirtschaftsweg wüster Damm am Hang (2007) 

 

Jede (Mit-) Haftung für Fehler oder Inhalte externer Seiten ist ausgeschlossen.
Hinweise, Kritiken, Bildangebote und -anfragen willkommen per  email