En passant.  Ziele für Eilige.

Nicht jeder hat zum Aufsuchen schöner Eisenbahnrelikte und Trassen viel Zeit; andere haben nicht immer Muße und Lust für ausgiebiges Wildnisstöbern oder möchten bei Geschäfts- oder Urlaubsreisen nur kurz einen Blick neben die Autobahn riskieren - an dieser Stelle sollen einige Ziele nahe den Hauptautobahnen vorgestellt werden, die man quasi im Vorbeifahren aufsuchen kann.  Ohnehin wird man manchmal im Rahmen einer Stauumfahrung autobahnnahe Landstraßen befahren (müssen), wo der Weg zu einem Eisenbahngeschichtsziel oft gar nicht weit ist.

Unter der Autobahnbrücke (A62) unweit der AS Glan-Münchweiler kreuzte einst die obere Glantalbahn ebenso den namensgebenden Fluss (Foto 1994).  Achtung: an Straße (Kurve) heute keine Haltmöglichkeit; besserer Zugang zur nächsten Brücke Richtung Nanzweiler (re, 2008)


Münster - Bremen  A1 / A29     Relikte um das Dreieck Ahlhorner Heide

Am Autobahndreieck Ahlhorner Heide verzweigen sich die Strecken nach Oldenburg und Bremen - sehr spitzwinklig, sodass (zunächst) keine vollständige Verknüpfung gebaut wurde.  Die direkt anschließende Ausfahrt "Ahlhorner Heide" ist seit geraumer Zeit ebenfalls "unvollständig" - Verkehrssicherheitsaspekte sprechen gegen naheliegende Einfahrten.  Somit finden sich and dieser Stelle nicht nur Reste von Autobahnbetriebsspuren, auch eine leibhaftige Eisenbahn gab es hier - die Nord-Süd-Verbindung Vechta - Ahlhorn (- Oldenburg) ex KBS 220d/220b (eröffnet 1888, Verkehr bis 1952) !   Die uralte (Reichs-) Autobahnbrücke über besagte Bahn wurde später von der abzweigenden A29 genutzt...

Wegbeschreibung:  von Süden bereits an AS Cloppenburg abfahren, links auf B69 und in Schneidekrug links Ri Ahlhorn.  Links parallel der Landstraße erkennt man die alte Bahntrassenwüstung, die geradeaus als Waldrandpfad weiterführt, wo die Landstraße einen leichten Rechtsknick macht.  Man kann wieder Ri Bremen auf die A1 auffahren und erkennt hier die Ruine der einstigen Ausfahrt.
Von Norden fährt man die AS Ahlhorner Heide ab und parkt nach Kreuzen der Landstraße (li/re) am Waldwegstich (Tor).  Dieser Waldweg ist die alte Ausfahrt aus Ri Bremen, die innerhalb der AD-Spur Bremen - Oldenburg scharf abging.  Nun die sicherere Trennung.  Zurück muss man über die Landstraße Ri Vechta, dann rechts über B69 zur A1, nicht ohne vorher einen wehmütigen Blick auf die enge und kleine ehemalige Autobahnauffahrt riskiert zu haben...    Linktipp:  Luftbild auf GoogleMaps

Breite ehem. Aus- (und Auf?)fahrt Hinten AD-Abzweig HB - OL  (je 2007)

 

Hamburg - Hannover  A7      Bahn: Allertalbahn    Relikte:  Brücken über Leinearme

Wegbeschreibung:  AS Schwarmstedt, nach BÜ (KBS 123) und Ort rechts Ri OT Bothmer, vor OT Gilten rechts bei alter Windmühle alter Bahndamm der Allertalbahn mit großen Stahlbrücken über die Alte Leine und Leine (mündet nahebei in die Aller).  Die Bahn verband zwischen 1905 und 1966 Celle über Schwarmstedt und Rethem mit Verden; letzter Güterverkehr hielt sich nördlich bis Rethem bis 1994, bei S. bis Gilten wenig länger.
Die langen Überbauten an der Bothmer-Mühle Teils schon ohne Geländer über dei Leine Fernblick zu Nebenflutgrabenbrücke (je 2008)

 

Hannover - Kassel  A7      Bahn: Auertalbahn    Relikte:  zwei Bahnhöfe Kalefeld, Brückenkette an B445

Unmittelbar westlich der AS Echte überbrückt das Anschlussgleis der Erzgrube Echte die B445 und das Flüsschen Aue.  1899 war die in 750mm ausgeführte Kreisbahn Osterode - Kreiensen hier "angekommen".  1943 fand im Abschnitt Kreiensen - Kalefeld eine Umspurung statt (Gips- und Erzabfuhr waren bedeutend und nicht mehr im Rollbockverfahren wirtschaftlich), sodass heute hier eine "Alte und Neue Bahnhofstraße" samt namensgebenden Gebäuden vorzufinden sind.   Die Trasse liegt teils brach (siehe Mittelgebirgsschwelle, Westerhofer Tunnel - hier seit 1967 stillgelegt), hat streckenweise einen Radweg bzw. soll diesen auf dem erst 2007 ihren Güterverkehr verlorenen Nordabschnitt erhalten. 

Agl Erzgrube, links über Aue, rechts die B445 Der alte Bhf Kalefeld... ...und der neue Bhf, je 2017

 

Berlin / Leipzig - Nürnberg  A9     Kreuzende Bahnen im Vogtland    Relikte:  Brücken über Autobahn

Wegbeschreibung: AS Triptis Ri Triptis, rechts dann links Ri Auma - mehrere Kreuzungen mit alter Oberlandbahn. Auma auf B2 Ri Schleiz, nach Krölpa (schöner alter Bhf) rechts über Chursdorf Ri Moßbach; vor A9 links alte Bahnbrücke (noch!) - im Ort alter Bahnhof. Weiter Ri Dittersdorf und Schleiz - Ortsmitte rechts Ri Oschitz, dort rechts Ri Möschlitz - direkt nach A9-Kreuzung rechts Bahndammstümpfe (Brücke über A9 bei deren Verbreiterung abgetragen) und alter Hp Oschitz.  Ri Burgk, davor links Ri Gräfenwarth, mitten im Wald an BÜ alter Hp Burgk.  An AS Schleiz zurück auf A9. 


Dortmund - Frankfurt  A45    
Köln-Olpe und Kanonenbahn    Relikte:  Tunnel, Lahnbrücken, Dämme

I:  AS Drolshagen Ri Wegeringhausen, auf B55 westlich oder östlich talabwärts; der schöne Wegeringhauser Tunnel samt alter Köln-Olpe-Trasse findet sich südlich (bei Fahrt West) bzw nördlich (bei Fahrt Ost Ri Drolsh.) der B55; parken an Waldwegabzweigen.

 

II:  AS Wetzlar Ost B49 Ri Wetzlar, Abfahrt Garbenheim - im Ort links und am östl Ende links in Wanzweg (re/li unter Schnellstraße, zweite Unterführung ist bereits die Kanonenbahn) - nicht weit östlich befindet sich die Kanonenbahnbrücke über die Hauptbahn, sowie die Lahnbrücke.  Dieses Kanonenbahnteilstück umfuhr Gießen weiträumig im Norden und diente bis in die 1980er Jahre umfangreichem Güterverkehr.

Unter B49, vor Kanonenbahn Lahnbrücke Kanonen- und Autobahn Trasse in Verwucherung (je 2009)

 



Frankfurt - Bad Hersfeld  A5     Jossatalbahn    Relikt:  Großer Betonviadukt Eifa

AS Alsfeld Ost auf B62 Ri Eifa, vor Ort links im Talgrund mächtiger Viadukt, über Wirtschaftsweg erreichbar aber nicht betretbar.  Jossatalbahn verband einst Alsfeld über Niederaula mit Bad Hersfeld.

 

 


Köln - Frankfurt  A3    
Bahn: Wiedtal- und Brexbachtalbahn    Relikte:  viele Tunnel
 

I: AS Neustadt (Wied) Ri N., unmittelbar vor Einmündung der Wiedtalstraße von Steen alte Wiedtalbahntrasse, wenig westlich der begehbare Neustädter Tunnel.  Im Wiedtal östlich Ri Burglahr nahe Peterslahr weiterer Tunnel und bei Campingplatzzufahrt halbe Brückenruine.

II: AD Dernbach auf A45 Ri Koblenz, AS Höhr-Grenzhausen Ri Grenzau, dort großer Abzweigbahnhof der derzeit stillgelegten Brexbachtalbahn mit vielen Tunnels; in H. große Brücke der alten Bahn nach Hillscheid.

 



Frankfurt - Würzburg  A3    
Bahn: Maintalbahn    Relikte:  Tunnel und Trasse im Maintal
 

Wegbeschreibung: AS Marktheidenfeld auf B8 Ri Wertheim, in Kreuzwertheim vor Mainbrücke geradeaus in Wohngebiet, kleine Mainstraße weiter, nach letzten Häusern links verstecktes Ostportal / Felsen des Kreuzwertheimer Tunnel; weiter über alten Bahnhof zu Wanderparkplatz in den Mainwiesen (ex BÜ), dort Fußweg nördlich an Brückenruine und altem Bw-Haus (Hunde!) zu kreuzender Maintalbahntrasse; Pfad rechts führt nach 50m zum sehenswerten Westportal des Bettingbergtunnel.  Zurück über Main, Wertheim Ri Autobahn Würzburg.


Köln - Saarbrücken  A1    Bahn: Ahrtal- und Vulkaneifelbahn    Relikte:  Tunnel, Brücken und Bahnradwege

Die in der Eifel noch unfertige Autobahn trifft gerade in der Lücke zwischen Blankenheim und Daun auf eine hochinteressante stillgelegte Bahnlinie, die zwischen Dümpelfeld und Mülheim gleich mehrere Brücken und Tunnel vorzuweisen hat, wovon einige bereits als Radwege fungieren.
I:  Am Autobahnende Ri Hillesheim, noch vor H. li kleine Landstraße über Ohlenhard und Wershofen nach Fuchshofen: die dortige alte Bahnbrücke mit anschließendem Tunnel ist nicht zu übersehen.  Im nahen Schuld (Foto) ebenfalls typische Reliktkombination.  Über B257 (Adenau) nach Ulmen auf A48/A1.
II:  AS Hasborn Ri Greimerath, rechts Ri Plein, vor Ort rechts Ri Gipperath; nach ca 1km kreuzt Maare-Mosel-Radweg (an ehem Bf Plein) - von da bequem drei Tunnel und große Brücke in idyllischer Waldlage erreichbar.
III:  AS Primstal Ri Theley nach Tholey, dort alter Bahnhof (Bahnhofstraße?) mit schönem Varustunnelportal (zugemauert) und unvollendetem Tunnelprojekt (Einschnitt westl Bhf).  Über B269 (Sotzweiler) auf A1 zurück.


Saarbrücken - Mannheim  A6     Bahn: Eisbachtalbahn    Relikte:  Stempelkopftunnel und Eiswoogbrücke
 

Wegbeschreibung: AS Enkenbach-Alsenborn Ri Enkenbach, im Ort rechts Ri Ramsen, nach Bahnbrücke wieder rechts auf schöne Waldstraße; nach ca. 2km an zweiter Rechtskurve links in Waldstich, dort Pfad zum wenig nördlichen Stempelkopftunnel-Westportal.  Weiter zu Ghs Forelle am Eiswoog mit großer sehenswerter Beton/Stahlbrücke der alten Eisbachtalbahn Enkenbach-Grünstadt.  Über U29 auf A6 zurück.

 

 

Berlin - Neustrelitz  B96  (ehem. Europastraße 6!)     Bahn- und Straßenrelikt

Die B96 (zu F96-Zeiten die E6 und E64!) verbindet in einem autobahnarmen Gebiet mehrere Mittelzentren, so auch Oranienburg und Fürstenberg bzw. Neubrandenburg und Greifswald.  Unweit südlich der durchquerten Stadt Fürstenberg (Havel) überquert sie die Hauptbahn Berlin - Stralsund (Nordbahn). Biegt man von Süden kommend, nach dieser Brücke sehr spitz zurück in einen alten "Parkplatz" (aufgegeben, Gefahrenstelle!), erkennt man auf einigen Hundert Metern die alte Reichs-/Fernstraße, die früher offenbar niveaugleich die KBS gekreuzt hatte, und dafür Doppelkurven (angesichts des sehr spitzwinkligen Verkehrswegeaufeinandertreffens) aufwies.  Folgt man an der Bahnlinie dem Forstweg, so trifft man schon bald an den ersten Wegverzweigungen auf markante Einschnitte: sie sind die Relikte der Urtrassierung dieser alten Nordbahn !  Wann hier diese Trassenverlegung durchgeführt wurde muss noch ermittelt werden; denkbar sind die Jahre 1964 (Wiederaufbau des nach dem Krieg demontierten zweiten Gleises) oder 1984 (Elektrifizierung).  Die in Karten mit etwa 4km auszumessende Alttrasse ist auch als deutlicher Damm (vor der früheren R/F96-Querung), neuerdings freigeschnittenem Einschnitt aber unterschütteter Brücke in Fürstenberg (mit parallelem "Bahnweg") auszumachen:

Die alte Fernstraße 96, Blick Süd zum ehem.BÜ Schneise der alten Nordbahn, Blick Süd... ...und Blick Nord, je Jul 2007
Erwähnte Rheinsberger Straße unweit westlich nun mit Brücke über die verlegte Fernbahn; alter BÜ samt Sackstraßenstücken ebenso "Verkehrsrelikt".
Brücke der Rheinsberger Straße unterschüttet Der Einschnitt der Ur-Lloyd-Bahn freigeschnitten, je Sep 2008

Neustrelitz:  alte R/F/B 193, Kreuzung mit alter Lloydbahntrasse

Neustrelitz, die ehemalige Residenzstadt eines kleinen Fürstentums, ist ein autobahnferner Verkehrsknoten.  So laufen die Eisenbahnfernstrecken Berlin - Rostock (seit 1886) und (Berlin - ) Neubrandenburg - Stralsund über die Stadt, dazu kommen einige teils stillgelegte Nebenstrecken.  Zur alten Reichs- und Fernstraße 96 (s.o., wichtigste DDR-Nord-Süd-Straße) gesellt sich die B198 und eben jene ausgesprochen kurze B193, die seit wenigen Jahren mit einer Tangente an die große Ostumfahrung (B96, seit 1993) angebunden ist.  Zuvor war die R bzw. F193 als Penzliner Straße (heute L95) bis zum Zentrum (Markt, Treffen auf alte R/F96) markiert; in der Nachwende-Interimszeit, seitdem die B96 ortsfern neugebaut war, dann als Glambecker und Hohenzieritzer Straße bis zur Kreuzung mit jener Umgehung.  Am großzügigen Trompeten-Knoten erinnern somit kurze Waldschneisen an alte R/F96-Zeiten.  Weit interessanter jedoch der ehemalige Bahnübergangspunkt mit der Lloydbahn (Neustrelitz - Lalendorf im Zuge Berlin - Rostock); diese Trasse war der Nachkriegsreparation zum Opfer gefallen und Anfang der 1960er auf neuer, nördlicherer Trasse wiederaufgebaut worden.  Der historische Verkehrspunkt liegt heute an der Abfahrt Neustrelitz-Nord der neuen B193-Umgehung; im Uhrzeigersinn trifft man also ex R/F/B193, heute Radwegverbindung Nord (11Uhr), wüstes Llyodbahnstück (privat?, 4Uhr; Trasse selbst unweit für besagte B193-Tangente verwendet), Ortsstraße (Rudower Nebenstraße, 5Uhr) sowie Waldweg (10Uhr).  Ein Musterpunkt für Verkehrswegereliktfans !

Die alte Fernstraße 193, Blick Nord Schneise der alten Lloydbahn, dahinter B193n Alter BÜ, links Waldweg alte Lloydbahn (2008)

Einige Kilometer nördlich überbrückt die B193 (die wie schon als R193 oder F193 eine der kürzesten Vertreter ihrer Gattung ist) die Hauptbahn Berlin - Rostock.  Diese Lloydbahn war ja erst 1961 an der Kreuzungsstelle neu erbaut worden, sodass die Brücke durchaus von Anbeginn an vorhanden gewesen sein könnte, zumal die alte Chaussee (1851 erbaut) sicher schurgerade verlaufen war;  eine breite kurvige Führung (heute Zufahrt zum Umspannwerk Adamshof, zu DDR-Zeiten wohl auch Zufahrt zu einer militärischen Verladerampe) lässt eine hier zunächst niveaugleiche Kreuzung mit der Bahn vermuten, wahrscheinlicher dürfte jedoch (nur) eine Intermisführung der Fernstraße zur Bauzeit der Brücke sein; Eindrücke von 2010:

Die alte Fernstraße 193, Blick Nord Kurven als Abstieg in den Lloydbahneinschnitt

 

Abkürzungen:
AD = Autobahndreieck
AS = Anschlussstelle
BÜ = Bahnübergang
Bw = Bahnwärter
Ghs = Gasthaus
KBS = Kursbuchstrecke

OT = Ortsteil
Ri = Richtung

 

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