Kanonenbahn.

 

Quer durch Deutschland verläuft eine heute weniger bekannte Eisenbahnmagistrale weil sie bedeutende Orte bewusst umgangen hat:  die Berlin-Coblenzer-Eisenbahn, häufig Kanonenbahn genannt.  Die Erfahrungen des deutsch-französischen Krieges von 1871, bei dem die Eisenbahn als wichtige Aufmarsch- und Nachschublinie erkannt wurde, führten wenig später zum Bau einer Bahntrasse diagonal von Berlin nach Metz, nur wenige bereits bestehende Linien (so im Moseltal) nutzend.  Die fürs Militär wichtigen Parameter, geringe Längsneigung und Vermeidung niveaugleicher Kreuzungen bedeutete in den hügeligen Mittelgebirgen die Notwendigkeit einer Vielzahl großer Erd- und Kunstbauwerke.
Für Eisenbahnhistoriker am interessantesten dürfte der mittlere Abschnitt sein:  zwischen Leinefelde im Eichsfeld und Homberg (Efze) in Waldhessen gibt es noch heute großartige Bauwerke zu bestaunen:

  • die kreuzungsfreie Ausfädelung aus der Nord-Südstrecke Leinefelde-Mühlhausen bei Silberhausen  (Bild 1)

  • fünf größere Tunnel in einer urwaldig zu nennenden Landschaft  (2)

  • das berühmte Lengenfelder Viadukt  (3)

  • spannende Grenzlage beim Friedaer Viadukt und Tunnel  (4)

  • kreuzungsfreie Überführung der Nord-Südstrecke Bebra-Eichenberg

  • einsam gelegene Tunnel bei Bischofferode (5) und Oberbeisheim

  • sowie große Brückenbauwerke bei Malsfeld und Remsfeld (6)

(1)  Von der Fahrbeziehung Coblenz-Berlin nurmehr ruinöse Widerlager
rechts oben zuletzt betriebenes Gleis Berlin-Coblenz
(2)  Sehenswertes Westportal des Küllstedter Tunnel
(3)  Viadukt über Lengenfeld unterm Stein (4)  Restauriertes Westportal des Frieda-Tunnel
(5)  Verwunschener Bischofferoder Tunnel (6)  Massiv gesichertes Remsfeld-Viadukt

 

An vielen Stellen lohnt das eine oder andere Foto; das verkehrsrelikte-Team nutzt(e) nahezu jede Querung der die Kanonenbahn bildenden stillliegenden Abschnitte für kurze Fotohalte, sodass nunmehr ein Zeitbild über fast ein Vierteljahrhundert entstanden ist - mitunter unmerklich, da die massiven Bauwerke von außen keine Verfallserscheinungen zeigen.

Kleine Bilderreise, in "Aufmarschrichtung", also aus Berlin kommend, Grobweisung "Südwest":

Fläming - Elbe

Das DR-Kursbuch 1972/73 wies unter der KBS 682 (Wiesenburg - Calbe - Güsten) sechs Zugpaare aus, worunter nachmittags ein "längeres" Paar Belzig mit Aschersleben verband.
1998 waren unter der KBS 258 Belzig - Güterglück - Güsten rund sechs Zugpaare verzeichnet, dazu SA/SO immerhin ein Fern-Regionalbahn-Paar Berlin-Ostbf - Wernigerode (als Harz-Ausflugsverkehr);  Verknüpfungen waren meist aber "Kanonenbahn-Ausbrechverkehr", etwa in der Relation Magdeburg - Barby - Belzig. 

Der Abschnitt Wiesenburg - Güterglück - Barby (Elbe) diente Mitte der 1990er zumindest zeitweise einem IC-Umleiterverkehr (Bauarbeiten Berlin - Brandenburg - Magdeburg), weswegen hier ein zweigleisiger, einst elektrifizierter Hauptbahntorso in den Wäldern des Fläming zu bewundern und erwandern ist.  Stilllegung hier um 2004.

Wiesenburg  - links schwenkt KBS nach Dessau ab Sie sah mal reizvolle IC-Zeiten; Blick West (je 2014) Schrankenposten mit B246 Reetz 2010
2010 bei Reetz eindeutige Hauptbahn, schon ohne... ...Oberleitung, hier bei Lindau, wo es nahebei ein... ...ehem. Anschlussgleis zum Militärflugplatz Zerbst gab
Güterglück 2016: Kanonenbahnbrücke demontiert;... ...der obere Bahnsteig verwuchert, auch das alte... ..:Empfangsgebäude ungenutzt
Die Elbbrücke bei Barby 2009 - ein Höhepunkt Eingleisig, mittig;  die Kiloemtertafel weist aus Berlin- -Charlottenburg, die Brücke dient nun Rad/Wanderern
Blick von unten auf ein großes Bauwerk; im Zoom... ...fällt die Unebenheit auf, sowie im Detail die .... ...Schutzbauten Brückenköpfe

 

Elbe - Harz

Der Abschnitt Barby - Calbe wird noch im Güterverkehr genutzt, der weitere Bereich bis Güsten ist wieder klassisch darniederliegend;  Höhepunkte hier die Zerschneidung durch die neue Nordharzautobahn B6n sowie die Bodebrücke:

Die mächtige Brücke über die Bode ...bei Hohenerxleben, vorne die ehem. B73 ...auch ein km-Stein ist noch Zeuge  (je 2009)
Bei Güsten Trennung durch die B6n ...schnurgerade Trassierung im Harzvorland (2009) 2014 bei Güsten, Blick Nordost

 

Eichsfeld;  Abschnitt Leinefelde - Geismar  (stillgelegt 1992)
Sicher der schönste und spektakulärste Teil mit Tunnels und Viadukten;  heute hier teilweise Draisinenverkehr.

Alte Wartebude Kefferhausen im Totalverfall Mächtige Bogenbrücke für die Ewigkeit (je 1996)

Küllstedt 1997:  Zukunft nebulös

Großbartloff: unverfälschtes DR-Ensemble (1992) Entenbergtunnel, 1992 letzter mit Schild
2009:  Bhf Lengenfeld, Draisinenhauptbahnhof Bei Großtöpfer mächtige Überbrückung eines Weges

 


Abstecher zum Eichsfeldbähnle

Zwischen Heiligenstadt und Schwebda verkehrte über den Spitzkehrenbahnhof Fürstenhagen eine normalspurige Kleinbahn, die der Erschließung zahlreicher kleinerer Eichsfeldorte diente.  Eröffnung 1914, wegen Sprengung des Friedaviadukts unterbrochen, und bis 1947 immerhin von Heiligenstadt bis Großtöpfer (nahe der Zonengrenze) betrieben.
Dieser Strecke fehlen zwar die ganz großen Bauwerke (sie benutzte ja genannten Viadukt sowie den Friedatunnel der schlussendlich nur eingleisig betriebenen Kanonenbahn mit), jedoch überdauern neben den renovierten Bahnhofsgebäuden so manches Brückle, der Wasserturm am Spitzkehrenbahnhof (nun Naturpark-Zentrum) und auch Wege auf der Trasse erlauben die Nachempfindung dieser wenig bekannten Bahn.  Besuch von 2009:

Links von Heiligenstadt, rechts nach Großtöpfer Der Bahnhof Fürstenhagen Trasse überbrückt einen Weg ...der gewürdigt wird...
Einschnitt ist Trasse nahe Dieterode Brücke der Serpentinenstraße nahe Dieterode Bahnhof Dieterode unterhalb der Dieteröder Klippen
Ershausen, auch Nebengebäude gut erhalten Typische Wegunterführung Großtöpfer: Trasse angeschüttet, Geländerrelikt

Ältere Eindrücke siehe unter Spezialseite "Spitzkehren"  (in Überarbeitung).

 


Abschnitt Eschwege West - Waldkappel

Schwebda 1992:
Am berühmten Schloss Wolfsbrunnen - Blick verliefen (v.l.):
Heiligenstadter Bahn (bis 1945)
Kanonenbahn (bis 1945)
Nebenbahn nach Treffurt (im Werratal) 
Die beiden linken schwenken nach links und führten gemeinsam durch den Frieda-Tunnel (s.o.)

 

Bahndamm und Schrankenruine nahe Bischhausen 1997


Abschnitt Waldkappel - Treysa

 

Langjähriges Streckenende bei Anschluss Pfieffewiesen östl. Malsfeld

 

 

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