Niederlausitz.  Braunkohlenrevier.  Mannigfache Verkehrsrelikte.

 

Zwischen Elbe und Oder / Neiße, zwischen Spreewald und Elbsandsteingebirge, eingerahmt von den Städten Cottbus, Dresden und Görlitz, liegt eine eher unbekannte Landschaft, das Niederlausitzer Braunkohlenrevier.  Lange Zeit zum Königreich Böhmen gehörend, kamen Teile der Region zu Preußen - Provinz Schlesien (Niederschlesien), Regierungsbezirk Liegnitz; heute zählt man die Landkreise im äußersten Osten des heutigen Deutschland zu den Bundesländern Brandenburg und Sachsen.  Das Land der Sorben mit den zweisprachigen Ortsschildern ist ein wald- und seenreiches Gebiet, das unter der Erdoberfläche gewaltige Braunkohlevorkommen in sich birgt.  Seit etwa zweihundert Jahren wird das "braune Gold" abgebaut, zunehmend in gewaltigen Tagebauen, mit den so offensichtlichen landschaftsverändernden Konsequenzen.  Auch wenn seit Nachwendezeiten modernste Kraftwerke (Boxberg, Schwarze Pumpe) die alten Dreckschleudern ablösten, bleibt die Verfeuerung von Braunkohle ein CO2-lastiges Umweltproblem, verformen die gewaltigen Gruben und Schlammbecken die an sich liebliche flache Landschaft zu ihrem Nachteil.

Es ist zwangsläufig gewesen, dass seit 1990 fast alle Tagebaue stillgelegt worden; was der Umwelt und dem Menschen zugute kommt, ging zugleich zulasten vieler Arbeitsplätze obwohl die Sicherungs- und Rückbaumaßnahmen Mensch und Kapital benötigen.  Die Internationale Bauausstellung (bis 2010) zeigt an vielen Stellen arrivierte Möglichkeiten von Nachfolgenutzung, befindet sich die konzipierte Seenlandschaft mancherorts schon in Flutung. Denkmäler von Industrie- und Verkehrsgeschichte und Aussichtspunkte (Förderbrücken) sind darüber hinaus lohnende Ziele der Gegenwart und Zukunft.

Viele teils uralte, teils brandneue Verkehrswege mussten den einst 30 Großtagebauen weichen, sind andernorts neuaufgebaut oder ausgebaut worden, in manchen Fällen sogar mehrfach zum Umzug verdammt gewesen.  Es lohnt gewiss, dieser über die Autobahn Berlin - Dresden gut erreichbaren Region, Aufmerksamkeit zu schenken und sich auf Spurensuche alter Ortschaften (im Dritten Reich eingedeutschte Ortsnamen der Vollständigkeit -Kartenfunde- halber erwähnt) und Verkehrswege zu begeben.  Allerdings wird hier einiges klar: die Bergbauverträge sahen und sehen eine "besenreine" Wiederherstellung der Landschaft vor, inklusive der Verkehrswege, inklusive vollständiger Beräumung der nicht mehr genutzten Anlagen / Industrie-Verkehrswegen - Staat und Gebietskörperschaften lindern die Folgen der Eingriffe (und Folgen des Endes der Eingriffe!) mit einem massiven Neubau großzügiger Straßen und Freizeiteinrichtungen - die Region ist innerhalb weniger Jahre nicht mehr wiederzuerkennen.  Jahrzehntelanges Dahinwuchern ist hier selten, oft ist der Bahntrassenradweg schneller da als man schauen kann, und manchmal auf der nur geographisch gleichen Position einer alten Reichsstraße...

 

Fernstraßen


Reichsstraße 96   Rügen - Zittau

Die Fernstraße verbindet in der uns interessierenden Region unter anderem die Städte Finsterwalde, Senftenberg, Hoyerswerda und Bautzen.
Der ursprüngliche Verlauf:  Lieskau, Sallgast, Annahütte (Bild 1), Klettwitz, Senftenberg II (Bild 2), Senftenberg, Groß Koschen, Vogelhein, Elsterhorst, Hoyerswerda, Groß Särchen ....   Die heutige B96 verläuft über Lieskau, Freienhufen (früher Dobistroh), Groß Räschen, Sedlitz, Senftenberg, Kleinkoschen, Lauta, Neu Buchwalde, Groß Särchen ....  Dabei ist die alte Reichsstraße großteils gar nicht abgebaggert:  zwar änderten sich so manche Siedlungsnamen (Heye- zu Karl-Marx-Siedlung), die alte Anschlussstelle Klettwitz an der Autobahn Berlin - Dresden ist immer noch vorhanden, doch dann:  der Tagebau Skrockmühle in der Meuroer / Hörlitzer Flur verschlang auch Paradies, Teile von Senftenberg II (heute -West); hier liegt nun, über der alten Reichsstraße, die brandneue Rennstrecke Lausitzring !
Nach Durchquerung des Senftenberger Zentrums (heutige Ernst-Thälmann-Straße) und des Dorfes Buchwalde (heute Stadtteil) ging es in südöstlicher Richtung gen Groß Koschen (heute zwischen den Orten Restloch Senftenberger See, östliche Ortsumgehung); anstelle über Vogelhein (heute Tätzschwitz / Placecy) und Grube Erika (am Rand von Laubusch, heute teilweise Seen) geht es nun über Lauta Dorf und Nardt / Naró (früher Elsterhorst) und Hoyerswerda Richtung Südosten.  Noch einmal, vor Groß Särchen, zwingt das Speicherbecken Knappenrode zu einer kleinen westlichen Umfahrung...

Stichwort Senftenberg:  die alte R96, die von Westen als Ernst-Thälmann-Straße hereinkommt, hatte immerhin drei Bahnübergänge zu bieten: neben der Schipkauer Strecke (s.u., Höhe der brandneuen B169-Zufahrt) wird die Hauptstrecke Dresden - Cottbus unverändert gekreuzt, erinnert jedoch an die Urführung der Verbindungsstrecke nach Hohenbocka (früher Fernbahn nach Arnsdorf / KBS 159c - Südwestecke Friedhof, Bild 3) so gut wie nichts mehr...

Ehem.BÜ mit Hp in Annahütte (ex Reichsbahn s.u.)
Blick zum Radwegende, siehe auch unten Bild 32 
Ende in Hörlitz, Blick West Ri Klettwitz Hier früher BÜ der Reichsbahn n.Arnsdorf, Bl.SO

 

Reichsstraße 97   Dresden - Guben (...)

Sie verbindet noch heute u.a. Spremberg und Hoyerswerda - wenn auch ebenso teils verlegt:  einst am Forsthaus Schwarzlugk vorbeiführend, kam sie schnurgerade aus südwestlicher Richtung (Hoyerswerda); heute schwenkt sie am Südrand von Schwarze Pumpe (riesiges DDR-Werksgelände in der einstigen Trappendorfer Heide) aus Osten ein, nach Umgehung des riesigen Tagebaus Hoyerswerda Nord.
Bemerkenswert: ab Abzw Werksstraße / Abschwenkung dienen etwa 800m der Urchaussee bis heute als Umleitung, dies war über Jahre die einmündende "neue" F/B156 (von Sabrodt, s.u.) - Gelände vom Abbau bedroht...
Auch nördlicher, um Cottbus, sind Straßenführungen unterschiedlicher Altersklassen zu vermelden, samt Nennung abgetragener Orte (Horno!):  ursprünglich durch Cottbus, über Horno nach Guben führend, später nach Osten zur A15-AS Roggosen verdrängt (eingezwängt von den Tagebauen Cottbus Nord und Jänschwalde), hier später Umgehung des abgebaggerten Geländes um Horno, heute wiederum Führung über Cottbus und Peitz ("Revier" der damaligen R/F/B 168)...

Am Fhs Schwarzlugk, Blick Süd "Kreuzung": früher von links F156 in F156 (ex R/F97), Blick Nord

 

 

Reichsstraße 156   Groß Räschen - Bautzen

Einen merkwürdigen Verlauf ebenso wie eine bewegte Verlegungsgeschichte hat diese Fernstraße in Niederschlesien hinter sich:
zunächst durch den Tagebau Senftenberg gen Norden verdrängt (Sedlitz seitdem kein R/F-Kreuz mehr), sind durchquerte Ortschaften entweder abgebaggert (Wendisch Sorno, Rosendorf, heute See) oder wegen Sackgassen nurmehr an Landstraßen gelegen (Proschim, Haidemühl / Tagebau Welzow Süd.
Zwischen Weißwasser und Bautzen (Muskauer Heide) sind die Tagebaue Nochten und Bärwalde (bei Uhyst ex Spreefurt) Grund für die nach Osten bzw. Westen groß ausholende Führung der F/B 156 - Merzdorf und Schöpsdorf waren hier die geopferten Dörfer...

Neue Fernstraße 156: Führung durch Bluno, teilweise auf Trasse der alten Werksbahn [I, s.u.], einst bei Sabrodt nach Südosten, zur alten R97 schwenkend, seit ca.1988 aber direkte neue B156 Richtung Nordosten / Schwarze Pumpe, Güterbahn überquerend.  Die alte Chaussee in und um Sabrodt (früher Wolfsfurt), sogar mit einem uralten Entfernungszeigerstein (unleserlich, heute -noch- vom Ort wegen Güterbahn -BÜ gesperrt- getrennt, Verlegung von Bürgerseite gescheitert) versehen, muss nicht die alte R/F156 gewesen sein, sie ist erst mit Bau der "neuen" "Bahntrassenstraße" (teils unmittelbar neben der damaligen Eisenbahnstrecke) in diesen Raum "von Norden" gekommen:

Sedlitz,"Spremberger Straße",  früher Ende am Tagebau, heute Radweg... Proschim, OE, es folgt(e) Haidemühl (nicht auf Schild, umgesiedelt bis 2006; im Abbau)
Oben ex Grubenbahn, jetzt Radweg
Alte Chaussee als Allee westlich Sabrodt, Blick SW Am Südosteck alter Granit-Straßenstein... ...und letzter Rest der Straße Ri.Südosten

 

 

Reichsstraße 169   (...) Elsterwerda - Cottbus

Auch sie ist an manchen Stellen "verfeinert" worden:  im Westen der Region bediente sie die Dörfer Mückenberg und Bockwitz (heute unbenannte Ortsteile von Lauchhammer) und führte durch die Ortsteile von Schwarzheide - schon lange gibt es hier eine südliche Umgehung (parallel zur Schwarzen Elster), ab AS Ruhland bis Senftenberg noch "original" trifft man im Oberzentrum Senftenberg auf Ortsstraßen mit einst höchster Reichswürdigung:  die ursprüngliche Führung mit Unterquerung der Bahn am Busbahnhof, mit südlicher Streifung von Reppist (dem Tagebau Meuro zum Opfer gefallen) sowie erneuter Unterquerung der Bahn (Bushaltestelle hieß noch bis etwa Jahrtausendwende "Abzweig B169") ist später einer direkten Trassierung gewichen (einstiges Gelände Grube Ilse Ost), weicht nun aber der großzügigen Nordumfahrung über (ebenfalls) alte Gruben/Tagebaugelände.  Diese Nordumfahrung führte auch zu einer Renovierung im Bereich der alten Abzweigung (natürlich über Jahre nur als Bahn/Grubengeländezufahrt gebrauch) mit der Folge der Abtrennung...
In Sedlitz, das nur für ganz kurze Zeit direkt durchquert wurde (im Zuge der heutigen Senftenberger und Hauptstraße), ist der nach Nordosten strebende Teil der Urreichsstraße, als auch die langjährige bahnparallele Fernstraße wenig nördlicher (hier ein Stück als Cottbuser Straße überdauernd) - wie natürlich ebenso die Hauptbahn, s.o. -  im ehemaligen Tagebau Sedlitz / Skado untergegangen.  Die heutigen Verkehrswege sind aber hier nur um wenige hundert Meter "korrigiert" worden...

Ehem.R/F169 in (ehem.) Mückenberg (Bockwitzer Straße), ehem.BÜ Normalspur Ri Fabriken Bl.N
Im Rücken jetzt Strandbadweg; auch neues Gewerbegebiet muss ohne Schiene auskommen
An alter Fernstraße Ruine Villa an ehem. Brikettfabrik Mllygrabe Cottbuser Straße (ex R169), Lauchhammer Mitte:  mit Zubehör von vier Staatszeiten?
Foto von Juli 2007
Heute Vorfahrt nicht im alten Reichsstraßenverlauf, keine Spur von R/F, dafür Lokdenkmal, hier aber relativ fern von ehem.Bahnstrecken... Ehem.R/F169-Bahn-Unterquerungen Reppist Jetzt Ende wegen "neuer" B169 nahe Umgehungsstraßenknoten
Sedlitz: uralte Trasse R169, Wohnstraße.
"Hauptstraße"
...zwischenzeitl. "neue" F169, auch Historie...
"Cottbuser Straße"

 

 

Eisenbahnen


Hauptbahnstrecke Cottbus - Guben / KBS 208

Unmittelbar nördlich des Lausitzer Oberzentrums verschlingt der Tagebau Cottbus-Nord derzeit die alte Bahntrasse zwischen Merzdorf und Neuendorf.  Etwa 11km sind im November 2001 stillgelegt worden, nachdem eine neue Verbindungskurve aus der westlicheren Hauptbahn Richtung Frankfurt (Oder) zur Verfügung stand.  Bis Neuendorf wird die alte Strecke als Zuführung der umfangreichen Laubag / Vattenfall - Kohlebahnen genutzt; das Dorf hat an der Verbindungskurve immerhin einen Haltepunkt (Neuteich) spendiert bekommen.

Ehem.BÜ am alten Bhf Merzdorf Gebäude Gleisseite In Ferne (Blick vom Prellbock) Rangierbereiche

 

 

Hauptbahnstrecke (Dresden -) Großenhain - Cottbus  KBS 208

Gemeinsam mit der hier unmittelbar parallelen F169 (s.o.) ist auch die zweigleisige Strecke zwischen Sedlitz und Bahnsdorf etwas nach Norden verlegt worden (Tagebau Sedlitz / Skado).  Kurioserweise existierte an der Alttrasse ein "Bahnhof Bahnsdorf" etwas abseitiger, südlich Allmosen;  dieser Standort ist im Gegensatz zum "geretteten" Dorf Bahnsdorf nicht mehr aufzufinden; immerhin existiert inmitten des Gleisdreiecks Sornoer Buden (Abzweig der jüngst stillgelegten Güterbahn nach Schwarze Pumpe, s.u.) ein Rest der alten geraden Trasse als Wüstungssaum sowie südlich der B156 ein Bahntrassenweg zu einem (neuen) Wassersportobjekt.

Rechts "neue" Kurve Ri Senftenberg, Mitte Urtrasse "gerade", links (einst) Ri. Sabrodt... Urtrasse noch schön erhalten

 

 

Nebenbahnstrecken Finsterwalde - Schipkau, Senftenberg - Schipkau und Abzweig Sallgast - Lauchhammer (ex KBS 178d):

Die Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn, 1887 eröffnet und 1943 verstaatlicht, und die Preußische Staatsbahnstrecke Senftenberg-Schipkau (1905), firmierten zusammen mit dem von ersterer schon 1896 in Betrieb genommenen Abzweiges Sallgast - Kostebrau (-Lauchhammer ab 1902) unter der Kursbuchnummer 178d.  Sehr viele Grubenanschlüsse (Bismarck, Henriette, Gotthold, Waidmannsheil, Wilhelminensglück, Felix, Anna II), die alten Montanwerke bzw. Niederlausitzer Kohlenwerke Schipkau sowie Glasfabriken sicherten einen regen und rentablen Verkehr.
Der Tagebau Klettwitz führte in den 1950ern zur Aufgabe des Astes Sallgast - Kostebrau; zwischen hier und dem nahen Lauchhammer sind Grubenbahnen und Anschlussgleise bereits vor 1936 stillgelegt worden, zeigen alte Karten schon damals typische Bahndammkurven.  Trotzdem ist hier nicht alles verloren; aktuelle Stadtpläne zeigen folgende interessante Verkehrswegekarrieren:  in Kostebrau verläuft auf der alten Sallgaster Bahntrassenkurve eine Industriegebietzufahrtstraße, erinnert die neue Straße gen Lauchhammer fast exakt an die 70 Jahre zurückliegende Bahnverbindung nach Lauchhammer Ost.  Auch eine parallele Kohlenbahn (erst 2004 stillgelegt !) überraschte noch Jahre mit einer Bahn/Bahnbrücke an einer "historischen" Stelle....

Eindruck eines Doppelbahneinschnitts in neuer Funktion (Rohrleitung?), Lauchhammer Ost Kostebrau: Bahndenkmal auf Alttrasse Links Altstraße (an Tagebau endend), rechts einst Bahn von Sallgast...


Die Finsterwalde - Senftenberger Bahngeschichte ist langwieriger gewesen: zwar endete der Personenverkehr 1966/67, verschwanden Gleise bald im Raum Klettwitz (heute Bahndämme bzw. Wege) oder Hörlitz (Tagebau), blieben wesentliche Anschlussbedienungen bis in neuere Zeit erhalten. Das Eisenwerk in Senftenberg West (Bedienung bis 1991) und die nahe Brikettfabrik (bis 1997) führten erst seit 1998 zum Ensemble alte Bahntrasse parallel zu ungenutzter "Eisenbahnstraße" in Senftenberg.  Umfangreiche Kohleabfuhr-Ersatzstrecken (mit "Umrundung" des Stadtteils West), so parallel zur Verbindungsstraße Schipkau - Senftenberg sind erst seit 2001 Geschichte !
Im Norden (Finsterwalde - Sallgast - Annahütte) endete der Güterverkehr um 1994, war 1998 offizielle Stilllegung.  Noch heute wuchert die Trasse romantisch vor sich hin, finden sich ruinöse alte Bahnhofsgebäude.  Vielfach findet sich ein Radweg auf den Trassen, ist nach Ausbau der alten Reichsautobahn auch die historische Brücke über dem alten Rangierbahnhofsgelände Schipkau einem Neubau gewichen...

Ehem. Bhf Annahütte Gleisseite dito Straßenseite (Hinweisschrift auch an Seite!) Altes Aborthäuschen
Bild 32 - siehe auch oben !
Gleisreste nahe Bf Annahütte Widerlagerrest der Brücke über die Pößnitz neben Radweg, nördl.Krankenhaus; altes Agl ist mit ebenf. Radwegbrücke (Geländer) hinten zu erahnen Links nach Annahütte, rechts zur Grube Waidmannsheil, Blick von Süd - jetzt Radwegtrennung wie einst Bahntrennung !

 

Bahn-Verkehrsbeziehung nun über eine neue, elektrifizierte Strecke nördlicher über Altdöbern und Großräschen (KBS 205).

Linktipp:  Exkursionsfotos der alten Trassen auf  www.eisenbahn.tu-cottbus.de/publik/fiwa_annahuette/index.html

 

Fernbahn (Lübbenau - ) Calau - Senftenberg ( - Arnsdorf)  (ex KBS 159c):

Die vergleichsweise alte Strecke (1874) ist an mehreren Stellen "umgelegt" worden:
 -  um Groß Räschen führte der Tagebau Meuro zu einer Verlegung gen Osten; auch der Ort Bückgen und die Chaussee Dörrwalde - Sedlitz existieren nicht mehr  (Abbaggerung ab ca.1988).  Von der Urbahntrasse überdauert die südliche Ausholkurve der einstigen Überführung des Gleises Senftenberg - Calau über die Hauptstrecke Senftenberg - Cottbus.

Alte Hauptbahnbrücke im Ausholbogen, direkt
daneben (südlich) eine zusätzliche...
...Stahlbrücke, wohl für ein Gleis Ri. Sedlitz, zur Vermeidung weiterer Kreuzung... ...hier das eine Gleis als Rest und Teil der Brücke

Erwähnt sei, dass das einstige Werksbahnverbindungsgleis Grube Ilse Ost - Grube Anna Mathilde im Ort Sedlitz als Weg samt Überbrückung von B96 / 169, KBS 208 sowie Mühlenstraße bis 2007 fortbestand, nicht aber die ursprünglich schnurgerade Führung (hier war ein Trassenteil früh abgerutscht) der Calauer Bahn auf Höhe letztgenannter Grube - alles abgebaggert...

Sedlitz: Abtragung des Dammes samt Brücke über Mühlenstraße.... ...hier nun gesperrte Brücke über Bundesstraße und Eisenbahnen

 -  in Senftenberg musste wegen des gleichnamigen Tagebaus die Süd-Führung nach Westen verschoben werden , wobei wegfallende Bahnübergänge (s.o.), besonders das nun kreuzungsfreie Passieren der R169 willkommene Entlastung brachten.  Das Brückchen über den Bach Wollschinka müsste in der Plattenbausiedlung untergegangen sein...
 -  und schließlich ist die einst rechtwinklige Überquerung der West-Ost-Bahn Ruhland - Horka in Hosena (Bhf Hohenbocka) - wohl zugunsten gegenseitiger Verknüpfung - längst Ein- und Ausmündungskurven gewichen, im südlichen Ortsbereich Hosenas eine Bahntrassenwüstung hinterlassend...

Linktipp:  die Strecke ist mustergültig im Modell umgesetzt:  http://home.arcor.de/w.prein/index.htm

 

Bahnstrecke Neu Petershain - Hoyerswerda  (ex KBS 178n):

1907 eröffnet, fiel sie nach 1945 sukzessive den sich ausbreitenden Tagebauen zum Opfer:
1960 Einstellung Personenverkehr Neu Petershain - Bluno (früher Blunow bzw. Blunau, heute auch Blun)
Alter BÜ mit alter R156 (heute Hauptstraße / L522, Bild s.o.) am Bhf Proschim-Haidemühl wie Trasse verschwunden
1967 Stilllegung Bluno - Hoyerswerda und Abbau

Ehem.BÜ Proschim, hinten ex-Werksbahn (Radweg) Bhf Bluno, schmucklos, funktionell... ...Nebengebäude etwas "fotogener"...

 

Abzweigende "Westbahn" Proschim-Haidemühl - Spremberg  (ex KBS 178p):

Diese 1908 eröffnete Strecke zweigte in Proschim-Haidemühl, gleich südlich des BÜ mit der R156 (siehe Bild oben), aus der Hoyerswerdaer Strecke aus, bediente auch die Orte Jessen / Gosda, Roitz und Kochsdorf und wurde bereits 1947 stillgelegt.  Die Nebenbahn erreichte zunächst nur Ober Teschnitz außerhalb des Spremberger Stadtzentrums und endete an der Kreuzung mit der alten Fernstraße nach Drebkau am Hp. Spremberg-West.  Schon kurz darauf, allerspätestens 1922 verband eine große Kurve um Kantdorf, mit Überbrückung der R97, die Stichstrecke mit dem Rangierbahnhof Spremberg West.

Nebenbei: besagte Drebkauer Fernstraße fiel - mit den Orten Papproth und Stradow - dem Tagebau Welzow Süd zum Opfer.

Nach Ausleitung aus Hoyerswerdaer Strecke noch ein unverhofftes Relikt, aber Unterführungsbauwerk an Grubenbahndamm (Ri.Bluno) -heute Radweg- verschwunden Cantdorf: Hoher Damm, viele Widerlager abgetragen, hier doch noch ein schöner Fund

 

Exkurs:  Spremberger Stadtbahn

Spremberg ist das geographische Zentrum des Deutschen Reiches von 1871.  Die Stadt an der Spree erhielt 1867 einen Bahnhof weit östlich der Stadt an der Hauptstrecke Berlin - Görlitz - Hirschberg.  1898 verband man das Zentrum mit dem Bahnhof mit einer 3km langen normalspurigen Kleinbahn, wobei eine Stahlbrücke die Spree überwand.  Der Stadtbahnhof - ebenso für Güterumschlag genutzt - wurde mit einem zweiständigen Lokschuppen sowie Rollbockgruben versehen; es war zur gleichen Zeit ein ausgedehntes Stadtbahnnetz in Meterspur entstanden, um den vielen Fabriken im Stadtgebiet Güter und Kohle zustellen zu können.
1928 wurde als Notstandsarbeit eine neue Straße durch den Georgenberg vom Zentrum zum Spremberger Hauptbahnhof gebaut, die den regelspurigen Innerstadtverkehr überflüssig machte; tatsächlich wurde die Spreequerung 1932 eingestellt und 1933 abgebaut.
Heute reizvoller Fuß-/Radweg im Einschnitt, nette Hinweistafel und neues Spreebrücklein.

Radwegeinschnitt Bahngeschichtstafel an der Liebesinsel

 

Meterspurige Kohlenbahn Spremberg
Diese Strecke von 1898 (Verlängerung o.g. Spremberger Stadt- und Kohlenbahn) band die Kohlegruben Anna, Gustav Adolf und Consul an die städtischen Abnehmer an.  Zunächst parallel der Heinrichsfelder Straße (spätere R156) verlaufend, verzweigte sie sich an einem Gut bei Pulsberg (heute nahe Kulturhausweg):  der südliche Zweig zur Grube Gustav Adolf wurde später zur Grube Brigitta (jenseits von Brigittenhof) verlängert und ab 1917 Berufsverkehr nach Spremberg (Kohlebahnhof Heinrichsfelder Str.) durchgeführt.  Schon 1925 endete der Gesamtverkehr dieses Astes, wurde die Trasse abgebaut.  Karten von 1940 zeigen immerhin winzige Dammkurven bei Pulsberg.
Der Ast gen Nordwesten (heute Weg) bediente die Grube Consul und wurde 1924 zur Grube Clara (Eintrachtwerke Haidemühl-Werminghoff) verlängert.  Nach Unterquerung der "Westbahn s.o." verlief diese nördlich von Jessen und Gosda und strebte den Werksanlagen in Werminghoff entgegen.  Auf dieser Strecke fand (als Ersatz für o.g. "Westbahn") zwischen 1947 und 1952 Berufsverkehr Spremberg [Zentrum] - Brikettfabrik Clara statt; sie ist 1953 stillgelegt worden.
Die Trasse ist natürlich großteils im Tagebau Welzow Süd untergegangen.  Auch südlich von Pulsberg haben neue Kohlebahnstrecken die Landschaft merklich verändert; nur eine Detailschau Meter für Meter könnte die Entdeckung letzter Trassenreste bringen. 

 

Werksbahn [I]  Trattendorf / Brigittenhof - Blunau bzw.  - Klein Partwitz - Senftenberg bzw.  - Lauta:
Diese Strecke kam in einem südlichen Ausholbogen in die KBS 178n (Bf Bluno) herein bzw. strebte nach Überquerung derselben in Richtung Westen / Südwesten, ursprünglich direkt südlich Klein Partwitz berührend, später dort neue Trassierungen.
Zwischen Brigittenhof (heute Teil Spremberg-Schwarze Pumpe / Bereitschaftssiedlung) und Sabrodt verläuft heute die neue Kohleabfuhrstrecke (s.u.); beim einstigen südwestlichen Abschwenken ist evtl. eine Spur im Feld erkennbar, danach verläuft die F/B 156 auf der alten Bahntrasse.  Der Einschwenkbogen vor Bluno ist vom Tagebau verschluckt, ebenso die früher noch weitere Kurve (mit Brücken über Hoyerswerdaer und Grubensüdbahn) der Strecke nach Senftenberg bzw. Lauta, die Klein Partwitz südlich streifte.

Werksbahn [II] 900mm  Welzow - Haidemühl - (Süden):
parallele Führung zu KBS178n, aber Überbrückung von R156 und Straße Blunau - Sabrodt ( -R97; Brücke abgerissen):  noch heute großteils vorhanden; südlich Bluno Verschwenkung nach Nordwesten (Umgehung aufgefüllten Tagebaus), Passieren von Klein Partwitz westlich;  Trassenteile im Süden in Tagebauen untergegangen bzw. Trassenteile heute Radweg.

In Proschim Radweg über Altbrücke, unten ex-R Damm ohne Widerlager / Brücke bei Bluno

 

 

Neue elektrifizierte Kohleabfuhrstrecke Sornoer Buden - Blunau Nord - Sabrodt - Brigittenhof (...) von 1959:
direkte west-östliche Trassierung, in alte Werksgleise südlich Schwarze Pumpe übergehend, F97 aber unterquerend.
Zwischen 1960 und 1967 von Personenzügen Hoyerswerda - Bluno - Neu Petershain (über Abzw Sornoer Buden) mitbenutzt.
Die Auswirkungen der Stilllegung dieser Strecke um Sabrodt (erst um die Jahrtausendwende !) sind wissenschaftlich analysiert worden.  Neben Stellwerken werden auch die überdimensionierten Bahnsteigbereiche und Trassen bald Geschichte sein.

Nahe Sornoer Buden (Bahnsdorf-Sabrodt) dito, aber Sedlitz-Sabrodt Signalruinen nahe Bluno
Partie bei Sabrodt... ...mt Güterrestverkehr, Stellwerk

 

ACHTUNG:  ZUM ABBAU VORBEREITETE GEBIETE
Haidemühl (zum Ende 2006 abgesiedelt), und damit auch Teile alter Bahntrassen werden leider dem Tagebau zum Opfer fallen !   Auch Proschim und Teile von Welzow (und damit manche obige Fotostandorte) sind gefährdet !   Aus sozialpolitischer, raumordnerischer und ökologischer Hinsicht ist Braunkohletagbau und Braunkohleverfeuerung

UNVERANTWORTLICH !

Quellen / Linktipps:
Jünemann / Preuß: Schmalspurbahnen zwischen Spree und Neiße, Berlin 1985
www.sachsenschiene.dewww.stillgelegt.dewww.stadtplandaten.de;  alte Messtischblätter;  Satellitenbilder D-Sat2

Alle Fotos von Juli 2007.

 

Flugplatz Welzow

Die Region ist überaus zuvorkommend, "uns" einen alten Flugplatz "bereitzustellen", der es wert ist, hier mit vorgestellt zu werden.  Westlich der kleinen Stadt Welzow, umrahmt von dichten Wäldern, existierte mehr oder weniger geheim bis 1996 ein zuletzt von der russischen Armee genutzter Militärflughafen.  Er geht zurück auf einen Motorflugplatz (Flugbetrieb ab 1927), von 1935 bis Kriegsende von der deutschen Luftwaffe verwendet.  Obwohl heute als ziviler Verkehrslandeplatz (EDCY) mit seiner 2000x30m großen Betonrunway eingerichtet, stellen sich weite Teile des Areals als Relikt dar, seien es alte Shelter und Nebengebäude, sei es die auch hier zeitweise für Straßenverkehrsübungen zweckentfremdete Rollbahn  - vor allem aber: es schwebt das Damoklesschwert der Abbagerung durch den Tagebau Welzow III über dem gesamten Gelände...    Das zu DDR-Zeiten gebaute Anschlussgleis ist vollständig verschwunden wie weite Teile des Welzower Stadt- und Gewerbegebietes neugebaute Straßen und Kreisverkehre bekommen haben.  Interessantes Detail:  das Flugplatzgleis schwenkte ab aus der alten Spremberger Bahntrasse - diese wiederum wurde nördlicher, auf alte Braunkohlegleisanlagen versetzt, womit einerseits Militärtransporte schon ab Neupetershain "ungestört" waren, andererseits in Welzow noch zu Honeckers Zeiten einige Hundert Meter stillgelegte Bahntrasse "zu verzeichnen (nämlich in Karten) waren", zwischen Ende Rb Agl bis zum Treffen der "Umgehungstrasse" mit ihrer Urtrasse, um dann Proschim / Haidemühl (-Spremberg bzw. Bluno; s.a.o.) zuzustreben.  Einige subjektive Fotoeindrücke, Stand Juli 2007:

Rollbahn-Südende hier Blick Nord Beleuchtetes "Vorfeld", weitab vom heutigen Betrieb
Alte Spremberger, später nur Flugplatzbahn Gleisende Blick Südost 2007

 

 

Klassische Eisenbahnrelikte Lausitz

Görlitzer Kreisbahn  (ex KBS 157m, DR 242, 223)
Diese scheinbar provinzielle Nebenbahn, die das Königshainer Gebirge an die Stadt Görlitz band, hier erst 1993 ihren Personenverkehr verlor, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als hochinteressante Bahn:  zwischen 1905 und 1913 eröffnet, bis 1936 mit 1700m Zahnradstrecke versehen, dazu Verknüpfung der Staaten Preußen (Lausitz) und Sachsen!  Die zahlreichen Steinbrüche und die rege Landwirtschaft sicherten der von Lenz erbauten und betriebenen Privatbahn gute Einnahmen, obwohl eine Reihe bemerkenswerter Bauwerke (Fluss- und Straßenbrücken, Einschnitte) geschaffen werden mussten.  Nach der Verstaatlichung 1948 ging auch diese Strecke den Gang vieler anderer; der Niedergang gipfelte in der Einstellung des Personenverkehrs auf dem Westast Weißenberg - Königshain 1972 und dem Gleisabbau 1974.  Der Ostast, der eine Vielzahl von Anschlussgleisen aufwies, verlor große Teile des Güterverkehrs als immer mehr Steinbrüche stillgelegt wurden; zuletzt gab es sporadischen Übergabeverkehr bis Ebersbach, offizielle Stilllegung Ende 1997.
Im Bahnhofsbereich Königshain-Hochstein erfreut heute eine Freiluftmodellbahn, die instruktiven Zeugnisse der Steinbruch- und Abfuhrgeschichte, etwas Rollmaterial (ebenso in Ebersbach) - vielleicht gelingt ja eine kleine Museumsbahn...

Freistaatliches Wetter westlich Ebersbach Königshain-Hochstein:  Steinladerampe mit Gleisresten

Die umfangreichen Steinbrüche im Königshainer Gebirge / Hochstein sind zwar stillgelegt, können aber mit hochinteressantem Freilichtmuseum samt informativer Tafeln z.B. zu den Bremsbahnen (Schienen noch im Waldboden!) aufwarten;  die scheinbaren Kraterseen mit Felswandumrahmung sind hier - ganz im Gegensatz zu vergleichbaren Orten im Siebengebirge - noch Badeseen und nicht Naturschutzgebiet.
Es ist ohnehin Legende, dass der Mensch grundsätzlich und immer die Natur stört...

Steinbruchmuseum:  Loren- und Schuppendenkmäler Gleisrest in See...

Westlich der langjährigen Endhaltestelle Königshain-Hochstein ist die alte Trasse teils in Wiesen unsichtbar aufgegangen, teils ein birkengesäumter Wirtschaftsweg; nahe Maltitz wünschte man sich eine deutlichere Spurenlage zu den sich einst hier vereinigenden Strecken von Görlitz bzw. Löbau:

Naturstein-Widerlager der Brücke Hilbersdorf
Trasse teils Wirtschaftsweg, teils abgegangen
Maltitz: links kam die Strecke von Löbau heran (Einschnitt)
hier ex-BÜ der Görlitzer Strecke, diese hier kleiner Damm
Bahnhofsgebäude Weißenberg (Gleisseite Löbauer Bahn)
Uhr und verbleichende Schriften

Die Situation im einstigen Eisenbahnknoten Weißenberg (im Rücken des Fotos gab es einst sechs Gleise; die Görlitzer Strecke endete jenseits der Bahnhofsstraße im eigenen Bahnsteig) ist trostlos zu nennen:  freie Flächen sind nun überdimensionaler Stadtbauhof oder Garagenkomplex...

Literatur:  W.Rettig "Die Görlitzer Kreisbahn" in Streckenarchiv Deutsche Eisenbahnen EK-Verlag

Löbau - Radibor,  ex KBS 160d, DR 243
Die gut 40km lange Nebenbahn, 1906 eröffnet und seit 1972 sukzessive stillgelegt, hat bis heute großartige Relikte vorzuweisen:  am markantesten sicher der große Viadukt bei der Wuischker Mühle (Halbruine), daneben mächtige Dämme und eine Vielzahl verschiedenster Brücken und Unterführungen.  Kleiner Appetithappen um Weißenberg (2004):

Zugang zu Bahntrassenpfad Damm und Viadukt Wuischke
Gut begehbar, unten ruinöse Mühlengebäude
Am Ortsrand von Wuischke eine Straßenunterführung... ...nur ein Holzbohlenpfad, aber mit Zusatzgeländer

Linktipp:  www.sachsenschiene.de  mit vollständiger Streckenchronik und vielen Reliktfotos.

 

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