TTT - Tagebaue, Talsperren, Truppenübungsplätze

Besondere Verkehrswegeänderungen:  Großräumige Landschaftsumgestaltungen

Auch in Mitteleuropa, wo nicht Militärdiktaturen das Sagen haben und wo Umweltaspekte zunehmend eine Rolle spielen, sind durch Großprojekte Verkehrswege abgetrennt worden, mussten Bahnen und Straßen andernorts neugebaut oder ausgebaut werden.  Diese Unterseite sei all jenen Menschen gewidmet, die durch besagte Landschafts(ver)formungen eines der wichtigsten persönlichen Güter verloren haben:  ihre Heimat.

 

1.  Tagebaue

Deutschland ist nicht per se reich an Bodenschätzen, aber recht reich an Kohle.  Sowohl im Rheinland als auch im Mitteldeutschen Becken finden sich große Braunkohlevorkommen, die sich am wirtschaftlichsten im Tagebau gewinnen lassen, selbst wenn dadurch tausende Menschen samt Orten und Verkehrswegen umgesiedelt werden müssen, selbst wenn zig Millionen in Rekultivierung ("Bergbaufolgelandschaften", Seenplatten) gesteckt werden.
Hier nur einige markante Beispiele ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit:

Reichsstraße 1   Aachen - Königsberg (...)
Die berühmteste aller Reichsstraßen ist -als B1- heute ein Schatten ihrer selbst; sei es durch ausländische "Verluste", sei es durch Ersetzungen mit Autobahnen.  Um Jülich, im Braunkohledreieck Mönchengladbach - Köln - Aachen, ist die alte B1 heute tatsächlich durch die A44 ersetzt (vielmehr: ergänzt) worden, ist die alte Chaussee zur Landesstraße zurückgestuft.  Die R / B 1 führte einst auch durch den Ort Garzweiler - dieser ist wie einige weitere Dörfer dem gleichnamigen riesigen Braunkohletagebau zum Opfer gefallen.  Möglicherweise finden sich am Rand der Tagebaugruben (noch) Stückreste der alten Fernstraße.

Garzweiler II - Verkehrsrelikte en masse
Dieser höchst umstrittene Tagebau ist vielleicht der größte im Westen; sein Aufschluss verschlingt neben mehreren Ortschaften viele Verkehrswege.  Am prominentesten:  die Autobahn 44 zwischen den Kreuzen Jackerath und Holz.  Nur für kurze Zeit (2006/07) ließen sich morbide Reliktfotos gewinnen, ist der Abbau abgeschlossen, nähern sich die Baggerungetüme.  Nach der Ausbeutung werden die Verkehrswege wieder geschlossen (ca.2016, man vergleiche die nahe A540, die vor einer Tagebau-"Pause" als B59 geführt war), was sicher nicht für die Gemeinde- und Kreisstraßen gilt (die Flächen werden nach ihrer Wiederauffüllung wohl dem Anbau von Energiepflanzen dienen) und schon gar nicht für die seit den 1980ern stillgelegte und abgebaute alte Bahnstrecke (Stolberg - ) Jülich - Hochneukirch (- Mönchengladbach).  Eindrücke von 2007:

Autobahnkreuz Jackerath, von Norden Brücke ist alte B1 über A44;  die B1 ist bis kurz nördlich der Brücke Tagebau-Baustraße Pesch: hier war bis 1984 ein BÜ der alten Bahn
(bis 1980 KBS 455); nun auch Ort verschwunden

In Otzenrath gab es kurz vor der gleichnamigen AS noch bis zur Beräumung die alte Bahnbrücke über die Düsseldorfer Straße; ein bemerkenswerter Relikt-Abbaugrund...  In Holz erinnerte die Hauptstraße an die frühere Ortsverbindung mit Jüchen (die zwei Bahnstrecken zu überbrücken hatten!), die letztlich mit Bau der A46 und dem großen AK Holz gekappt werden musste...

Otzenrath: "Bahnstraße" bis 2007, davon
23 Jahre "erinnernd"...
Holz, "Hauptstraße":  es war Heimat für Hunderte

Im Autobahnkreuz Holz (für ein Jahrzehn Autobahndreieck), dessen Name vielleicht an das abgebaggerte Dorf erinnern wird gehen A44 und A46 (Hauptströme Süd <> Ost) ineinander über, was unübliche Kurven und Rampen bedingt(e) - zur Krönung überdauern 2007, noch nach dem Abbau der A44, Brücken der seit 1984 stillgelegten Jülicher Bahn - dankbare Fotostandorte:

Brücke der ex-KBS 245f über A44-Zufahrt-Spuren Für 10Jahre nur auf A46 (Ost) möglich
Beide A44-Rampen Todesstümpfe Ob diese Schilder den Wiederaufbau erleben? Von und zur A46, gesehen von A44-Fläche


Bundesautobahn 4, Bundesstraße 477
Das große Braunkohle-Abbaugelände Tagebau Hambach im Mittleren Revier hat in den 2010ern umfangreiche Verkehrswegeverlegungen erfordert.  Mit der Eisenbahn-Abfuhrstrecke Hambachbahn und der Bundesautobahn 4 sind große und bedeutende Verkehrsträger betroffen;  naturgemäß sind Relikte nur in jenen kurzen Umlegungszeiten sichtbar, in denen bereits die Neutrasse unter Verkehr, die Alttrasse noch nicht abgebaggert ist.  Bei Manheim (einem uralten Ort, der auch zum Opfer fallen wird), ist als Doppelrelikt die Brücke der B 477 zu nennen, die ebenfalls gen Osten umverlegt werden musste.  Besuch von 2016:

Blick von Brücke der ex B 477 auf ex A4 gen West... ...dito Ostblick, der Abbau ist im Gange Die alte Bundesstraße hat noch Linienbusverkehr

 

 

Reichsstraße 2   Mittenwald - Danzig
Diese Fernstraße ist eine der längsten des Deutschen Reiches gewesen; auch heute verbindet die B2 von der österreichischen bis zur polnischen Grenze bei Stettin bedeutende Städte (München, Leipzig, Berlin) und Länder.  Südlich der Messestadt Leipzig führten die Tagebaue Cospuden und Zwenkau zur Verlegung des Fernverkehrsweges:  Straßennamen wie Koburger Straße (Stadtteil Zöbigker) bzw. Leipziger Straße in Zwenkau (mit Buswendeplatte) erinnern an einstige Funktion und Bedeutung.  Die F2 (heute B2) kommt als Pleißeschnellweg nun weiter östlich in die Metropole herein.  Und selbst diese "neuere" Fernstraße hat sehenswerte Relikte zu bieten:  wegen Verknüpfung (AK-Kleeblatt) mit der brandneuen A38 musste im Bereich von Gaschwitz eine Ostverschiebung her (Ortsnähe, enges Pleißetal) - die alte Trasse ist renaturiert und eingezäunt.
Apropos Tagebau Zwenkau/Cospuden: der "zusammengefasste" Großbogen von verlegter Weißer Elster, verlegter R/F186 und Bahnstrecke erinnert hier an das Ende von Orten wie Eythra und Bösdorf; natürlich lebt erwähnte Bahn als KBS 550 Leipzig - Gera weiter, während die alte KBS 176h Gaschwitz - Groitzsch - Meuselwitz ebenso im Raum Zwenkau vom Tagebau vernichtet wurde; in letztgenannter Ortschaft überdauerte bis nach der Wende Tagebau-Güterverkehr parallel zu den einst umfangreichen Grubenbahnen... 

Zöbigker / Neue Harth: Wald nach Tagebau, hier einst R2 Altes Ende R/F2 Zwenkau, Tagebauloch bald See
Alte F/B2 Gaschwitz; renaturiert nach Verlegung... ...wegen Kreuzes mit neuer A38; bei Großdeuben ...Lärmschutzdamm, davor eingezäunte Aufforstung
Bf Zwenkau, schon lange privat (heute EM-Eröffn.!) Gleisrest der alten Bahn,... ...dann wüst bis Tagebauloch (je 2008)

> Relikte der B2 in Franken siehe unter verlegt (i.V.)

 

Reichsstraße 55   Jülich - Rheda-Wiedenbrück
Auch sie reüssierte als B55, musste östlich Jülich aber dem Tagebau Hambach weichen.  Die "Römerstraße" endet nun an einem Wanderparkplatz westlich der Großhalde Sophienhöhe bzw. am Grubenrand westlich Elsdorf.  Natürlich steht eine großzügige neue B55 (nördlich) zur Verfügung.

Alte Römer- und Fernstraße:  Denksteine Einst große Straßenbreite; die alte B55 endet an... ...der Halde Sophienhöhe (2007)

> Zur Geschichte der Römerstraße siehe hier (i.V.)

 

Reichsstraße 88   Eisenach - Halle (Saale)
Die heutige B88 bedient nach wie vor den nördlichen Thüringerwaldrand (Ilmenau) und verknüpft Saalestädte wie Rudolstadt und Jena, endet aber nun in Naumburg.  Zu DDR-Zeiten als F88 vielleicht bis Freyburg führend (hier heute B180), war die Fernstraße ursprünglich bis Halle beschildert, wobei Orte wie Mücheln und Bad Lauchstädt durchquert wurden.  Die riesigen Brikett-Tagebaue Mücheln und Neumark verschlangen neben Orten auch Straßen; geringere Verkehrsfrequenzen waren Grund für das weit südlichere Ende der F88.  Südlich von Niederklobikau überrascht eine gepflasterte Allee als perfektes Relikt jener R88, die als Krönung noch eine Grubenabfuhrbahn (am Rande des Tagebaus, der Grund für ihr Ende wurde) überbrückte - diese Betonbrücke dient auch im Jahr 2008 noch dem nun regeren Rad-Ausflugsverkehr am "Vorabend" der Fertigstellung des neuen Freizeitparadieses Geiseltalsee:

Hier im Geiseltalsee war der Tagebau Mücheln, Jahrzehnte zuvor die (kurzzeitig so gewürdigte Chaussee) R88
Niederklobikau: neue Rad- und Touristikschilder Eine Prachtallee, jahrzehnte ohne Fernverkehr vor Kreuzung ein Waldweg
Es ging über eine Grubenabfuhrbahn, deren... ...Einschnitt zuwächst Brücke der alten R88 - Toprelikte (je 2008)


Reichs-/ Fernstraße 100 und Berlin-Anhaltinische Bahn
Während die Straße trotz ihrer prominenten Nummer eine eher unbedeutendere Verbindung von Halle und Wittenberg schafft, ist die Eisenbahnstrecke eine uralte (Verkehr seit ca. 1841) und zu DDR-Zeiten die meistbefahrene, da die Großräume Berlin und Halle/Leipzig verbunden wurden.  Schon der Blick in alte Karten offenbart:  die Verkehrswege waren (insbesondere zwischen Bitterfeld und Wittenberg) schnurgerade trassiert, zeigen heute aber auffällige gebogene Abweichungen.  Das Endmoränengebiet um Gräfenhainichen hatte zu (eher kleineren) Braunkohle-Tagebauen geführt, die zu jenen uns interessierenden Verkehrswegeverlegungen führten.  In vielen Orten sind daher "Stümpfe" der alten Fernstraße unspektakuläre Wohnstraßen (Gröbern:  "Alte Chausseestraße"), es finden sich aber auch signifikantere "Relikte": 

Ende der R/F100 am Bergwitzsee Alte Reichsstraße südwestlich der Grube Bergwitz Gräfenhainichen: F100 jetzt Wohn-Sackstraße
Weg ist alte Anhalter Bahn (Burgkemnitz);  je 2011 "Neuer" Bahnhof Muldenstein (an verlegter Trasse)... ...ortsfern, wenig gebraucht, ruinös (2016)

 

Reichs-/ Fernstraße 156 und ehemalige Hauptbahn Hoyerswerda - Kohlfurt
Das Braunkohlerevier Niederlausitz hat mit seinen Tagebauen Bärwalde und Nochten die alte Reichsstraße 156 zu großen Verlegungen gezwungen; die alte Hauptbahn Richtung Schlesien verlor mit der neuen Oder-Neiße-Grenze ihre Bedeutung, sodass nach dem Krieg kein Personenverkehr, jedoch noch umfangreicher Güterverkehr -nun auf eingleisig rückgebauter Trasse- bestand.  Im Bereich des alten Vorbahnhofs Spreefurt (Uhyst) war 2016 ein "Doppelrelikt" vorzufinden, da die Strecke seit 2010 aufgrund von Dammsicherungsarbeiten am Speicherbecken Lohsa I (Silbersee) gesperrt ist.

Ende der R/F156 am Bärwalder See; ex-BÜ der uralten ...Hauptbahn gen Schlesien, nach 5 Jahren Sperrung F/B156 nahe Weißwasser nur Zufahrt (je 2015)

 

 

 

Straßen und Bahnen bei Frankleben
Zwischen Beuna, Frankleben und Großkayna ist es sehr schwer, den Überblick über alte, uralte und neue Verkehrswege zu behalten. Einzelne, mittelgroße Tagebaue, stehengelassene (Teil-) Orte, komplizierte Abbaubahn-Trassen zusammen mit den Nachwende-Landesstraßen und der brandneuen A38 samt ebensolcher Zubringer ergibt eine fotogene Melange; freilich sind dann auch Fotoergebnisse die Folge, die so "normal" aussehen und präziser Beschreibungen bedürfen.  Steigen wir also "scharrend" ein und versuchen uns an prägnanten Reliktstellen:

-  Der Beginn der oben gezeigten Tagebaubahn war in Kötzschen (Rbf Merseburg-Süd), mit südlichem Ausholbogen, Unterquerung der Reichsbahn und L178 sowie Überbrückung des Flüsschen Geisel.  Letztere ist jüngst abgetragen worden, verschwinden mehr und mehr diese Zeugnisse:

Einschnitt und Brücken von KBS und L181 Die alte Brücke der L181 trug einst eine ÜStrab Grubenbahndamm, vorne Rinnsal Geisel (2008)
706232E  5690350N

-  Eine alte und wichtige Verbindungsstraße Merseburg - Naumburg (über Lunstädt und Markröhlitz) ist von mehreren Tagebauen verdrängt / verlegt worden, lebt aber als Landesstraße (L181, L205) und in alten Siedlungsstraßennamen (je Sackgasse, so Naumburger Straße in Frankleben und Großkayna [war an der Straßenstelle einst Klein-Kayna] ! ) fort.  Auf Bildern li und mi ist die alte Naumburger Straße zu sehen, die hier -nun knapp östlich der neuen A38, daher gekappt- in der Nachwendezeit, als schon die L181 (zunächst östlich) verlegt, die A38 noch nicht gebaut war, als K2171 gebucht war. Heute nennt sich der etwas westlichere Zubringer L178 und (wieder) Naumburger Straße:

2008: ehem.BÜ der ex-L181, vorne Grubenbahn
706163E  5689217N
Ex-L, ex-K2171, ex Naumburger Straße Naumburger Straße am Ostende Großkayna
704745E  5686512N  - alles UTM(32) WGS84

Südlich Lunstädt (auch hier "Naumburger Straße"), an der ehem.Gewerkschaft Gute Hoffnung ("Roßbach Süd") verliert sich diese alte Straße und spätere L181 in einem ehem.Tagebau, bis an der Kreuzung "Luftschiff" bei Pettstädt ein kleines Wirtschaftswegstück überdauert zu haben scheint.  Und die südlich Lunstädt abzweigende Alte Heerstraße (nach Weißenfels), großteils dem Tagebau "Grube Gustav Hasse" zum Opfer gefallen, lebt wenigstens stückchenweise als Mühlstraße bis heute fort.

Nebenbahn  Merseburg - Schafstädt
Die Großkippe nahe der Buna-Werke führte zur kleineren Nordverschwenkung der Nebenbahn; so zweigt aus dem alten Werks- und Güterbahnhof Buna heute die Berufspendlerneutrasse nach Halle-Neustadt (Norden) als auch die Schafstädter Bahn (Südwesten, einst Ausfahrgruppengleis Richtung Merseburg) aus.

Siehe auch Integrativseite Halle.

 

Extraseite:  das Braunkohlenrevier Niederlausitz   mit kleiner Lausitzumschau   


 

2.  Talsperren

Der steigende Wasserbedarf führte seit Ende des 19.Jahrhunderts zum Bau vieler Talsperren, nicht nur im Bergischen Land.  Auch hier sind neben Einzelgehöften manche Straßentalorte und alte Verkehrswege "versunken" - neben den noch immer bei Niedrigwasserstand identifizierbaren Bahndämmen (siehe Extraseite) seien Reste alter Landverkehrswege hier angerissen:

Im Falle von Trinkwasserspeichern wurden die Straßen (so asphaltiert) selbstverständlich entfernt, bei Talsperren die aus wasserwirtschaftlichen Gründen (Hochwasserschutz, Energiegewinnung) angelegt worden waren, lassen sich bei den seltenen Entleerungen meist die Wegdämme noch wiederfinden.  Anfang der 1980er fanden bei einem solchen revisionsbedingten Anlass im Schluchsee (Hochschwarzwald) touristisch beworbene stilvolle Postkutschfahrten auf der alten Talpoststraße statt.

Pumpspeicherwerk Goldisthal
Dieses Großbauwerk entstand um die Jahrtausendwende im Thüringer Wald.  Das Unterbecken staut den Bach Schwarza; ein Forsthaus sowie die Straße Limbach - Katzhütte mussten aufgegeben werden.  Letztere wurde großzügig -teils dreispurig- an den Hang des Wurzelberges (hier auch das Oberbecken) gelegt; die alte Talstraße war immerhin (zufällig) im Rahmen einer ZDF-Straßenfeger-Fahrt verewigt worden.  Unweit des oberen Einlaufs der Talsperre endet die alte Straße an einer Schranke; noch 2003 gelang ein unverfälschtes Foto mitsamt originalem DDR-Ortsendeschild:

1997: fast tote Talstraße am Forsthaus Langebach 2003: Alte Allee mit historischer Zielbeschilderung

Trinkwassertalsperre Leibis / Lichte
Der noch zu DDR-Zeiten geplante Stausee dient der Trinkwasserversorgung des ostthüringer Raumes.  Die fast 100m hohe Staumauer ist so gut wie fertiggestellt; seit Februar 2005 findet die erste Probeaufstauung statt. In den 1990ern gelangen einige Fotos im zukünftigen Seengrund, darunter ein Eindruck der alten Straße Meura - Unterweißbach auf Höhe des alten Werkes  (Drehort des Polizeiruf 110 "Schwelbrand")...

Straße Meura - Unterweißbach auf Höhe des Sägewerkes 1993. Man beachte die zwei Generationen Warnschilder.
Rechts gleiche Stelle 1998 - Straße erst für den Baustellenverkehr saniert

Das letzte Haus von Leibis 1998.
Der Vordergrund muss bereits als Wohnplatzwüstung angesprochen werden. Dem "Widerspenstigen" Eigentümer widmete eine 500km entfernt erscheinende linke Lokalzeitung eine ganze Seite !   Rechts versinkt die alte Ortsstraße Meura-Leibis-Unterweißbach in den Fluten (2007).

Siehe auch  Wasserwege / Stauseen

 

Talsperre Schömbach
Die Fernstraße Altenburg - Chemnitz im thüringisch-sächsischen Grenzland hatte einen direkten, zwingenden Verlauf durch den Forst Leina, obwohl die "Platzhirsche" Reichsstraßen (hier: 95, 180) etwas andere Verbindungen knüpf(t)en.  Hier ist nicht nur die Talsperre Schömbach schuld am Ende dieser Verkehrsstraße, auch der Militärflugplatz Altenburg-Nobitz durchschnitt die Chaussee.  Als Peniger Straße in Nobitz, als Flugplatz-Andienungsstraße im heutigen Naturschutzgebiet, als Forstweg bis zum Seeufer sowie ebenso in der Ortslage Neuenmörbitz lebt die Straße weiter;  der Flugplatz ist heute ein Billig-Verkehrsflughafen...

Ende der Altstraße vor Kiesgrube und Airport Forstweg Richtung Stausee Straßenrest östlich des Stausees (je 2006)

 

Talsperre Wahnbach
Im Rhein-Sieg-Kreis wurde in den 1950ern der Wahnbach aufgestaut, um auch die Bundeshauptstadt mit Trinkwasser zu versorgen.  Die alte Talstraße war noch in den 1920er recht aufwändig ausgebaut worden und führte über teils große Brücken.  Bei Niedrigwasser, insbesondere aber bei größeren Sanierungen (wie 2008) tauchen reizvolle Reste dieser Verkehrswege auf;  die unterhalb der Staumauer liegende Ummigbachbrücke ist als teilgesprengter Torso wegen Bewuchses schwer zu fotografieren.

Die alte Wahnbachtalstraße kurz vor der Ruine der... ...Ummigbachbrücke Derenbachbrücke...
bei Sanierung wiederauftauchend Spur der Straße im Vorsperrenbereich Altes Straßenbrückchen im Oberlaufbereich (je 2008)

 

Edertalsperre 
Aufgrund des stark schwankenden Wasserstandes (See dient zur Wasserstandsregulierung der Weser) ein Dorado für Reliktfans, da auch eine Insel mit Ruine, ein Talsperrenmodell, Spuren eines alten Klosters und ein Friedhof zeitweise "auftauchen";  auch zwei Brücken:

Alte Brücke bei Alt-Asel Bei Scheid wenigstens Rampen und Widerlager

 

Talsperre Jesenice (Tschechien)
Durch das benachbarte Egerland fließt die im bayerischen Stiftsland entsprungene Wondreb; südlich der einstigen Reichsstadt Eger (Cheb) wurde sie Ende der 1950er aufgestaut, wodurch neben Mühlen und Weilern auch das Dorf Jesenice überflutet.  Eine Betonbogenbrücke, die einst die Straße zwischen den Ortsteilen Groß- und Schöba trug, ist ein lohnenswertes Ziel, zumal sich im Kreis Cheb moderne Fernradwege befinden. 

Die Brücke aus südwestlicher,... ...südlicher und...  ...nördlicher Richtung (2014)

 

 

3.  Truppenübungsplätze

Immer schnellere Militärfahrzeuge, immer schwerere und gefährlichere Panzer, immer größere Schießreichweiten erforderten zum Üben große, zusammenhängende Landschaften, die in Zentraleuropa schon im 19.Jahrhundert kaum noch anzutreffen waren.  Zwangsweise Umsiedlungen ungünstig gelegener Dörfer und Sperrung gewaltiger Flächen war die Folge; natürlich führte dies auch zur Zerteilung mancher Verkehrswege:

Reichsstraße 27  (...) Würzburg - Fulda (...):  TrÜbPl Hammelburg
Die alte Fernstraße verbindet (u.a.) Franken und Hessen, verknüpft die alten Bischofsstädte an Main und Rhön und bedient ebenso Kreis- und Kurstädte (Karlstadt, Hammelburg, Bad Brückenau).  Die ursprüngliche Führung der schon 1932 zur Reichsstraße erhobenen Chaussee(n) verlief zwischen Main (Karlstadt) und Saale (Hammelburg) über Eußenheim, Hundsbach, Bonnland und Hundsfeld.  Nach Errichtung des Truppenübungsplatzes um das Lager Hammelburg, eine außerhalb gelegene kleine Kasernenstadt wurden die Dörfer Bonnland und Hundsfeld abgesiedelt; noch heute finden in den alten Häusern internationale Trainingseinheiten für Auslandseinsätze (Häuserkampf) statt.  Natürlich ist auch gut 10km der alten Reichsstraße gesperrt; die heutige B27 umgeht das Gelände im Westen über Gössenheim und Höllrich.

 

Reichsstraße 41  Saarbrücken - Ingelheim:   TrÜbPl Baumholder
Die recht kurze Fernstraße hat heute selbst als B41 noch nicht ihren endgültigen Weg gefunden.  In der Region Saar-Nahe-Hunsrück, zwischen St.Wendel und Kirn, verlief die R41 zunächst direkt über Freisen, Baumholder und Kirchenbollenbach.  Als der riesige Gutsbezirk Baumholder mehr und mehr unzugänglicher Truppenübungsplatz (heute: US Army) wurde, verlegte man die Fernstraße etwas westlicher, über Ausweiler gen Idar-Oberstein. Doch auch Ausweiler musste wie das zunächst durchquerte Mambächel und einige weitere Dörfer aufgegeben werden; seit den 1950ern ist die B41 noch westlicher über Nohfelden und Birkenfeld "eingerichtet".  Trotz neuer Autobahnen 1 und 62 müssen die weiten Landstriche mit Bundesstraßen großzügig erschlossen werden; so hat auch die B41 eine reiche Ausbaugeschichte vor und hinter sich.  Genannt seien die weiten Umfahrungen St.Wendel (1969), Hirstein (1990er) und Birkenfeld (1980er).  Als Idar-Entlastung verlegte man die B41 südlicher über den Siesbach-Nahe-Anschluss samt großer Talbrücken (1969).  Die Umfahrung Nohfelden / Wolfersweiler harrt noch ihrer Entstehung.  Urtrassen der R bzw B41 sind an den TrÜbPl-Rändern als Ortsstraßen vorzufinden, so in Kirchenbollenbach (Var. I), nahe Forsthaus Hillschied (II) oder in Burbach bzw. Algenroth (III).  Im Militärgelände selbst sind die einst zivilen Straßen in sehr unterschiedlichen Zuständen...
Übrigens: auch die alte R/B 270 (Pirmasens - [Idar-Oberstein]) ist vom TrÜbPl verdrängt worden: ursprünglich verlief sie ab Langweiler in westlicher Richtung nach Unterjeckenbach (dito Ober- bereits Absiedlungsopfer) und mündete westlich Wieselbach in die damalige R41.  Heute verknüpft die B270 das Glantal (Lauterecken) und das Nahetal östlich des Sperrgebiets - komplett mit Ortsumgehungen, wohl auch mit einem "Militärlastenausgleich" finanziert...

Kurve der alten R41 nahe Fhs Hillschied
Blickrichtung TrÜbPl
abwärts gen Idar-Oberstein
Blick bergauf, rechts Militärobjekt
B41 wegen neuen Tunnels renaturiert (je 2007)
Dies "normale" Ausbauhistorie

 

Reichsstraße 71   Bremerhaven - Magdeburg (...):   TrÜbPl Altmark

Zwischen Altmark und Börde strebte die Reichsstraße der Elbemetropole entgegen, wobei sie ursprünglich quer durch den Forst Letzlingen, über Salchau, Dolle, Colbitz und Wolmirstedt von Norden nach Magdeburg hereinkam.
Der Truppenübungsplatz (heute Gefechtsübungszentrum) in der Colbitz-Letzlinger Heide zwang zur Aufgabe des Dorfes Salchau und Umlegung der R/F 71 westlicher über Letzlingen und Haldensleben - obwohl die meisten Atlanten / Landkarten noch bis in die 1990er die (nun) Landstraße als befahrbar bezeichenten... 
Als Panzerstraße lebt die alte Chaussee weiter (oben links, Panoramafoto Südost; rechter Weg ist ursprüngliche Abknickung der R/F gen Süden; ganz links neues Anschlussgleis, s.a. Altmark), während ab Dolle die Straße heute als B189 reüssiert.  Immerhin gibt es heute wieder eine Querverbindung Born-Colbitz zur Linderung riesiger Umwege...

Die alte Reichsstraße trifft auf die heutige B71, die im Hintergrund (von Gardelegen kommend) nach links (Süden) abbiegt.  Es ist anzunehmen, dass noch zu frühen DDR-Zeiten die F71 hier noch "eckiger" verlief, indem sie an der Fotostelle nach Süden (obiges Breitbild, rechter Waldweg) abknickte.

 

Reichsstraße 85  (...) Amberg - Bayreuth (...):  TrÜbPl Grafenwöhr
Diese nicht so überaus bedeutende Fernstraße verband die Verwaltungssitze von Oberpfalz und Oberfranken zunächst in direktester Linie über Hahnbach, Haag und Kirchenthumbach.  Der sukzessiv vergrößerte, ursprünglich kaiserliche Übungsplatz westlich Grafenwöhrs (früher mit einer Reihe interessanter, langer Militärfeldbahnen) unterbrach auch diese Route; heute werden manche Orte wie Haag nur mittels eingeklammerter Flurbezeichnungen auf Landkarten vor dem Vergessen bewahrt.  Die alte Chaussee lebt im von der US Army stark genutzten Truppenübungsplatz großteils als Panzerstraße fort, ist aber stellenweise von Wald überwuchert.  Die heutige B85 verläuft westlicher über Sulzbach, Auerbach und Pegnitz.

 

Die abseitige / günstige Lage anderer Truppenübungsplätze oder die unwirtlichen topographischen Gegebenheiten (Moore, Heide, Wälder) trennten meist keine überregionalen Verkehrswege (Wittstock, Jüterbog, Munster, Sennelager, Doberlug, Ohrdruf, Hohenfels, Münsingen). 

Nur erwähnt seien die unzähligen kleineren Kreis- und Ortsstraßen, die, oft zur Zeit ihrer Sperrung noch nicht staubfrei, ihre neue Karrierezeit als geteerte Panzerstraße mit seltenen zivilen Inspektionsfahrten fristen.

 

Fotos genannter Straßen und Bahnen sehr willkommen bzw. in weiterer Planung.

 

Verwandtes Thema:  durch Kriegsereignisse oder Zonengrenze unterbrochene Straßen  (in Vorbereitung).

 

 

 

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