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Relikte der Dienst- und Baubahnen an den Lötschbergrampen

Für den Bau der Lötschbergbahn (Bern - Brig [Wallis] - Anschluss Simplon) mit ihren gewaltigen Rampen und dem langen Tunnel wurden nördlich und südlich der Gebirgsquerung jeweils Baubahnen in 750mm Spurweite mit maximal 60 Promille Neigung und 50m Minimalkurvenradius erbaut.
Ihre Relikte sind "eine Reise wert".

 

Baubahn Frutigen - Kandersteg

Die Nordrampen-Baubahn zwischen Frutigen und dem Tunnel-Nordportal bei Kandersteg mit einer Länge von über 15 Kilometern (Bewältigung von über 400 Höhenmetern) war im Juni 1907 fast fertiggestellt; im August gelangte die erste Dampflokomotive bis zum Portal des Lötschbergtunnels.  Ihr eigenständiges Trassee mit vielen Kehren und waghalsigen Holzviadukten ist erst in jüngerer Zeit (Weidenbewirtschaftung, Straßenausbau) mehr und mehr verschliffen; es finden sich aber an einigen Stellen Zeugnisse dieser baulogistischen Meisterleistung: so deuten Hangmauerreststeine, Dammspuren die Halbhöhenlage an, so überdauert der einzige kleine Felsenburgtunnel (26m lang, Westportal seit 1978 zugemauert) wie zumindest ein stattliches Brückenwiderlager an die gewaltigen temporären Verkehrsbauten erinnert:

Vermauerter Baubahntunnel nahe der Felsenburg Widerlagerrest einer Großbrücke

 

 

 

Baubahn Naters - Goppenstein

Die 28km lange Strecke wurde bis 1908 fertiggestellt; nicht weniger als 34* Tunnel wurden ausgebrochen, wovon für das Betriebstrassee 13 Verwendung fanden.  Von den aufgelassenen Tunnels sind die meisten im Zuge des "BLS-Südrampen-Höhen-Wanderweges" begehbar, manche verstürzt/unsichtbar, einige nahezu unzugänglich.  Besagter Wanderweg ist einer der schönsten und spektakulärsten seiner Region, und für Verkehrsfans vielleicht der Königsweg schlechthin.  Geröllfelder, Steinsturzmassen, drahtgesicherte Hangpfadbereiche, schattige Waldpfadpartien mit Höhenwasserwegbegleitung (sog. Suonen), neuerbaute Hängebrücken, Wasserfälle, Baubahnbrückenwiderlager, Hangmauerreste und stets überwältigende Panoramen ins Rhonetal - dazu Fotostandorte für die Betriebsstrecke, Erläuterungstafeln der (umgebauten) Viadukte und als Höhepunkt die Wegführung über den berühmten stählernen Bietschtalviadukt (nicht für Hunde, Schluchtblick!) - was will man mehr?
Da die Tunnel der Baubahn (stets unverkleideter Fels, ohne Portale) verständlicherweise namenlos blieben und auch (topographisch-hochgebirgsbedingt-zeichnerisch) auf den präzisen 1:25.000 - Karten teils nicht verzeichnet sind, mögen hier einzelne Eindrücke einen Vorgeschmack geben auf einen Reliktweg, den jeder Reliktfan unbedingt aufzusuchen hat.  Der Autor hat von diesem Juwel auch verhältnismäßig spät erfahren und bedankt sich umsomehr bei Thomas Bauer für die sachkundige Führung, die stellenweise einer Bergführertour glich, und für die Schwindelfreiheit und Trittsicherheit geboten (wenn auch nicht zwingend) ist.

Für die etwa 12km messende Wanderung (beide Richtungen reizvoll, stellenweise starke Höhenunterschiede) von Hohtenn über Ausserberg nach Eggerberg (jeweils Bahnstationen) kalkuliere man inklusive Besichtigungen, Abstechern (evtl. Rückwege bei Unwegsamkeit!) und großzügigen Pausen 8 Stunden ein; man beachte die Trockenheit und Hitze dieser Südhänge - dadurch ist auch Frühling / Herbst ein guter Besichtigungszeitraum.

Fotoeindrücke in Baubahnrichtung "bergauf" (westwärts), also Eggerberg - Hohtenn  (entstanden 28.06.2008)

Statt "West/Südportal" werden die Fotografierrichtung entlang der Baubahntrasse (B = bergwärts / Richtung Hohtenn; T = talwärts / Richtung Eggerberg) angegeben.  Der Autor erlaubt sich, den Tunnels ein Ordnungskürzel zuzuordnen, um die eigene Fotoflut zu beherrschen...

"Schliecht-Tunnel"
Schon kurz nach Verlassen von Eggerberg, bald nach Passieren einer verfallenden Panoramagaststätte (hier Parkmöglichkeit, falls Anreise mit Pkw) erfreut dieser Tunnel oberhalb Schliecht (SL); hier wird das Trassee genutzt als Anliegerweg zu einzelnen Gärten und Häusern.

B zu SL T zu SL Auf dem Weg ins Baltschiederbachtal
Blick zum kleinen Viktoria-Tunnel

Das Baltschiederbachtal (BB; von der Bahn nun mit monströsem Betonviadukt gequert) ist an der Baubahntrasse sehr reizvoll; zwar existieren die originalen Baubahnbrücken nicht mehr, aber die recht neuen Hängebrücken an ihren Stellen ermöglichen den Zugang zu zwei Tunnels und die hautnahe -erfrischende- Begegnung mit Wasserfällen:

Neue Hängebrücke direkt an Wasserfall... ...ein Höhepunkt, Blick aus BB1 T zu BB1
Hängebrücke Baltschiederbach Innen in BB2 (Staub, Feuchtigkeit im Blitzlicht) T zu BB2

Um an einen verstürzten Tunnel (?) und den teilverstürzten Tunnel an der St.Germanerflüe (GF) zu gelangen, muss man hart der oft nicht mehr klar sichtbaren Baubahntrasse zu folgen versuchen (Geröllfelder, Steilhänge!); Start von Osten am Ostportal des BLS-Tunnel Bietschtal II; es geht am Steilhang querfeldein (der Weg umgeht mit starken verlorenene Höhenunterschieden):

B zu GF Blick B, es beginnen die Felssturzmassen Blick zu Basistunnel-Süd(aus)fahrten

Landschaftlicher Höhepunkt die gewaltigen Steinmassen am Riedgarto (RG); der Steinbruch (später für BLS-Mauersteinwerk vergrößert) fiel nach der Bauzeit teils donnernd zusammen und begrub weite Teile der Baubahntrasse.  Von Westen (Panoramavesperplatz Riedgarten) leicht erreichbar; lose Steine und Spalten !

Gewaltige Steinbrocken... ...zusammengewürfelt... ...mit Blick ins Rhonetal

Verwegen in die Westwand an der Bietsch-Schlucht (BTW) gepresst strebt das Trassee dem gleichnamigen stählernen Viadukt zu; hier waren drei Tunnels erforderlich:

An der steilen Westwand B zu BTW1 T zu BTW1
B zu BTW2 T zu BTW2 Innen von BTW3, Versturzbereich talseits

Lange unzugänglich, erlaubt nun wieder ein teilverstürzter Baubahntunnel (Gitter meist offen) einen Zugang in die Schlucht (nur mit Führer!); am bergseitigen Ausgang die geringen Reste der alten Baubahnbrückenwiderlager, an der anderen Schluchtwand ein weiterer Tunnel (ein Stahlseil würde ein Überhangeln erlauben, Ausrüstung und Erfahrung überlebenswichtig!).  Schon der Blick in diesen Schluchtbereich zeigt Reste zweier (?) teilverstürzter Baubahntunnels (auch Trassee im Hang abgestürzt); der Wanderweg nutzt seit Zweigleisbaues die verstärkte Bietschtal-Bahnbrücke auf der Südseite mit.  Von oben spektakulärer Blick auf die Ostwand über der Schlucht (BTO) mit vielen Baubahn-Tunneleingängen:

Blick zu BTOa (B) Im Osthang B zu BTOb Ostwand, verstürztes Trassee, Bietschtalgerüst
Auf Bietschtalviadukt B zu BTO1 B zu BTO1 bis BTO3 T zu BTO1
B zu BTO2 T zu BTO2 B zu BTO3
T zu BTO3 B zu BTO4 Innen Hilfsgerüst (BTO4)
B zu BTO5 T zu BTO5
B zu BTO6 T zu BTO6 B zu BTO7
B zu BTO8 T zu BTO8
B zu BTO9 Innen im BTO9 T zu BTO9

Westlich der "Tunnelkette" folgt ein bequemer Baubahntrassenabschnitt Höhe Rarnerchumma (RC); auch eine bewirtschaftete Hütte (Beizli) an der Lötschbergbahn (Gebäude entstanden im Zusammenhang mit ihr?) lädt zur Pause.  Hier ist die Baubahntrasse stellenweise asphaltiert, was an ihre Verwendung zu Zeiten des Zweigleisbaues (1970/80er) erinnert, als Baufahrzeuge nochmals von ihr profitierten.

B zu RC T zu RC

Kurz vor Hohtenn schließlich das Luegelkinnviadukt; die Baubahn fuhr hier nicht den Berghang vollständig aus (wie heute der schöne Wanderpfad), sondern nutzte auch hier eine Baubrücke, von der das östliche Widerlager erkennbar ist; es sei aus drei Perspektiven dargestellt:

Blick bergwärts... ...und talwärts... ...und zurück

Letztes Baubahnrelikt war über Jahre der Rotenberg-Tunnel; er führte das Baubahntrassee bei Goppenstein um die Betriebsgleisgroßbaustelle.  Seit Ausbau der Autoverlad-Anlagen 1975 ist er verschlossen und unsichtbar.

Südrampe:  Bau- und Betriebsstreckenschema (Nord-Süd)

Baubahnobjekt Betriebsbahnobjekt (Auswahl) ab km Länge (m) Bemerkung
  Goppenstein 48,4   Autoverlad
Rotenbergtu.       seit 1975 verschlossen
zuerst umf. Rotlaui-Tunnel 49,0 268 seit 1908 von Dienstbahn genutzt
  Mittalgraben-Tunnel 50,4 459 seit 1990
  Luegje-Tunnel 51,2 493 neuer Mittalgraben II - Tunnel
  Hohegg-Tunnel 51,7 118 (3,2km)
  Marchgraben - Tunnel 51,9 207 für zweites Gleis; diese fünf
  Hohtenn-Tunnel 52,3 1346 alten Tunnel bleiben eingleisig
  Hohtenn 54,2    
Holzbr. Luegelkinn-Viadukt 55,0    
umfahren Schluchi-Tunnel 55,1 107  
  Lidenplatten-Tunnel 56,0 217  
Holzbr. Ijollibach-Brücke 56,5    
  Blasboden-Tunnel 56,6 377  
10 Tu.       RC, BTO9 - BTO1
groß umfahren Bietschtal I - Tunnel 57,6 589  
3 Tu.       BTOc - BTOa (?)
Eisenbr. Bietschtal-Brücke 58,3    
4 Tu       GF, (?), BTW3 - BTW1
groß umfahren Bietschtal II - Tunnel 58,4 952  
  Sevistein I - Tunnel 59,5 47 1916 aufgelassen
umfahren Sevistein II - Tunnel 59,8 94 1916 aufgelassen
(später) Sevistein III - Tunnel 59,5 409 seit 1916
  "Bf St.German" 59,9   Betriebs-Rampenanlage
  Mahnkinn - Tunnel 60,1 385  
  Dornen - Tunnel 60,9 172  
  Ausserberg 61,3    
umfahren Gründen - Tunnel 62,7 148  
  Viktoria - Tunnel 63,6 28  
2 Tu, Eisenbr. Baltschieder - Brücke 64,0   BB1, BB2
Tu SL        
umfahren Eggerberg - Tunnel 64,1 792  
umfahren Stadel - Tunnel 66,1 133  
  Lalden 67,3    
umfahren Bad - Tunnel 68,7 80  
  Mundbach - Tunnel 70,8 88  

*In der Literatur wird auch die Zahl 36 angegeben (?).
Abweichungen durch Streckenverlängerungen, Neuvermessung, Schreibweisenarten etc.

Literatur:
Claude Jeanmaire, "Lötschbergbahn im Bau", CH-Villigen 1989
Claude Jeanmaire, "Spiez-Frutigen-Bahn", CH-Villigen 1992

 

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