Straßenrelikte:  aufgegebene Autobahnteilstücke.

Es mutet heute wie ein Wunder an, dass viele Autobahnen (zB A3, A5, A7) schon seit den 1970ern sukzessive ausgebaut wurden, und zwar auf der selben Trasse, "unter dem rollenden Rad".  Kein Wunder, dass bei richtig alten (Vorkriegs-) Trassierungen heute "Nägel mit Köpfen" gemacht wird, sprich eine ganz neue und großzügige, im Einzelfall hunderte Meter entfernt liegende Streckenführung gewählt wird.  Musterbeispiel hierfür die alte A8 um Pforzheim - Umweltverträglichkeit und Ausgleichsmaßnahmen bedeutet jetzt aber die zeitnahe und fast vollständige Renaturierung der Alttrasse.
Dennoch findet der geneigte Reliktjäger über ganz Deutschland verteilt, Spuren und Zeugnisse einer (vergleichsweise) kurzen Verkehrswege-Zeitspanne.

 

Alte Avus bei Dreilinden

2002: Brücke einer alten Eisenbahn über ehemaligem Avus-Teilstück; 1969 durch heutige Führung ersetzt wegen mehrmaligen Grenzübertritts bei Albrechts Teerofen.    
Auf Brücke alte Markierungen; an... ...RSt Dreilinden Asphaltrelikte (2004) Fahrbahn und Fahnenmasten 2011
Trasse im Zustand 2013 Die alte RAB-Brücke über dem Teltowkanal... ...sowie der Blick von oben 2016

 

           Kirchheim - Görlitz 

Umfangreiche Optimierungen und Ausbauten haben zu vielfachen Trassenrelikten geführt.  Kleine Umschau in West-Ost-Richtung:

Nach-Wende-Autobahnbrücke über alten RAB-Pfeilern bei Richelsdorf
Nach Umlegung der A4 bei Eisenach-West waren 2010 Abbauarbeiten zu beobachten
Ersetzte Doppelkurve nahe Eisenach; heutiger hoher Damm erst spät geschüttet (links 1995, rechts 2010, vorne alte A4)

Hörselberge 

2010 Alttrasse im Abbau,... ...es bleibt die Raststättenzufahrt   Hier bald nur Natur
Die berüchtigte stufigen Fahrbahnen Die Prachtwegbrücke leider Geschichte   Brücke über Bahnstrecke im Abbau
Neue A4 umgeht Hörselberg rechts, links oben der Abbau (2010)  

 

Leutratal

Leutratal 2015:  noch sind Relikte da,... ...Trassen sichtbar;  selbst Sonntag...   ...Kontrollfahrten (nahe Pösen)
Bei Leutra letzte Grundmauerreste einer Brücke Blick gen Osten, dahinter neue A4 nahe dem Jagdbergtunnel  

 

Tanneberger Loch

Östlich des Dreiecks Nossen verlief die ehemalige Reichsautobahn durch ein enges Tal, das Tanneberger Loch.  Anfang der 1990er wurde dieses etwa zwei Kilometer lange Stück durch eine neue Führung mit großer Talbrücke ersetzt; auf die Alttrasse kamen zwei Oberflächenwassersammelbecken.  2004 war nur noch eine Schneise (NSG) auszumachen, aber Reste der einstigen Behelfsrampe (Ab,Auf Ri West) am Waldrand dienen noch Andienungszwecken.

2004: Schneise gen "Loch", Blick West Behelfsrampe mit Markierungsrest, rechts zum Becken

 

A480 am Wetzlarer Kreuz

Langjährige Bauruine des AK Wetzlar für aufgegebene A480; heute hier kleine Anschlussstelle (Zustand 1993)


A5 / A7 am Hattenbacher Dreieck

Zwischen Hattenbacher und Kirchheimer Dreieck treffen sich drei Vorkriegsautobahnen.  Ersteres, westlicheres wurde nach Netzergänzung mit der Rhönlinie (A7) großzügig in die hessische Hügellandschaft gebettet (mit extremem Flächenverbrauch).  Von der ursprünglichen bescheidenen Urautobahn Kassel - Frankfurt kündetet bis vor kurzem eine Brücke, in Stil jener Bauruine bei Burgsinn (Strecke 46) gleich.  Die Nachrüstung eines Lkw-Bypass für genannte Hauptrollrelation (zuvor mussten jene Lkw-Schlangen die kompletten abzweigenden Autobahnspuren gen Fulda kreuzen) führte vor wenigen Jahren doch noch zu ihrem Abriss.
Bemerkenswert: die einst geplante Rothaargebirgsautobahn sollte hier an das Hattenbacher Kreuz angebunden werden - dabei wäre das nahegelegene Dorf Machtlos (!) praktisch vollständig von den zwei kurvigen Autobahnen 5 und 4 umschlossen worden...

Brückentorso wenig nördlich der heutigen Autobahn (1992)

 

A 7  am Kasseler Kreuz

Gewiss mag die Urplanung der Strecke 78 (Söhrewaldtrasse) Grund für die Benennung als Kreuz als auch der Bauausführung gewesen sein; bekanntlich trifft hier (nur) die A44 auf die A7.  Erst in den 1990ern waren die Fahrbahnverbindungen Nord > West und West > Süd in die kurze, einfache Bauform gebracht worden, womit alte Trompetenkurven (im südlichen Bereich des alten Dreiecks Kassel-Süd) insbesondere auf der Westseite der A7 entbehrlich wurden und zu Relikten wurden.  Der Name Kasseler Kreuz hat nun wegen der nahen Verknüpfung mit der "Lohfeldener Straße" einen gewissen Sinn.  Eindrücke von 2011:

Alte Spur Nord > West (270°-Schleife) Daneben Gegenspur   Mittelbewuchs
Kurven Richtung ehem. Unterführung unter A7 ...diese Brücke entfernt  

 

A 72  Hof - Chemnitz

Eine kleine Trassenverschiebung Richtung Osten nördlich Stollberg (Erzgebirge) hat Anfang der 2000er neben einer typischen teilrückgebauten Schneise ein kurioses Relikt hinterlassen:  eine erst wenige Jahre zuvor neugebaute Brücke !  Fotos von 2010:

Alte Fahrbahn Chemnitz Richtung Hof ...mit Brücke über Würschnitz (Baujahr 2009!)   Halbe Fahrbahn als Relikt
Trasse Blick Nordost, übergehend... ...in Schneise am Steegenwald  


A 8  Saarbrücken -  München

Trassenverlegungen

Nahe Kaiserslautern / Ramstein wurde nach dem Weltkrieg eine riesige US-Airbase (heute die größte außerhalb der USA) errichtet. Die Autobahn wurde zwischen Landstuhl und Kaiserslautern um einige hundert Meter gen Süden verlegt; die bereits fertiggestellten Brücken und Fahrbahnen dienen heute als Lager, Grund für Hallen bzw. als Airbase-Zufahrt, fallweise als Flugtag-Parkplatz:

Nahe AK Landstuhl, Reste einer Kurve Nahe der Airbase die Zufahrt   Diese Brücke unter Anliegerverkehr (je 2008)

 
Bei Karlsbad bewirkte der sechsspurige Ausbau Mitte der 1990er eine deutliche Trassenverschiebung; die einst langgezogene Anschlussstelle (früher: AS Langensteinbach) lebt als Wald- und Feldwegzufahrt fort; auch ein Grill- und Kinderspielplatz nutzt den planen Untergrund.

Letztes Stück zweispurige Ab- / Auffahrt
Einst mit Feldwegabzweig (!)
Alttrasse vollständig renaturiert
Schneise 2004 noch erkennbar

Auf Höhe Pforzheim / Wurmberg ist der Streckenneubau und auch der Abbau der alten Trasse (oft keine 100m parallel entfernt) so gut wie abgeschlossen.  Während Asphaltdecken, Leitplanken etc. restlos verschwinden, werden lange Durchlässe (im Krieg als Luftschutzkeller verwendet) hoffentlich ihre Denkmalwürdigkeit offiziell bestätigt bekommen, zumindest Hinweistafeln privaten / schulischen Ursprungs erhalten .... ?!  2007 war es gerade noch nicht zu spät:

Alte A8 im Abbau, auf Höhe Ochsenwäldle... ...großer, jetzt kleinerer Durchlass Südlicher, dieser Durchlass wohl verlängert

Alter Aichelberg

Terrassenartige alte Aichelbergautobahn, schnell renaturiert
(Zustand 2001)

Alte Fahrspur Stuttgart - München
im September 2005

Als Anschlussmaßnahme wurde die L1213 westlich der Raststätte Gruibingen auf das Trassee der alten RAB verlegt; nahe der einmündenden K1429 "sprang" als Folge des breiten Asphaltbandes ein bombastischer Wanderparkplatz heraus:

Linktipp:  www.albaufstieg-aichelberg.de   mit tollen historischen Fotos  (Jens Glaßer)



A 81 bei Mundelsheim und am Leonberger Engelberg

Sommer 1989: Natur noch zurückhaltend Dank und © Uwe Lorenzen

Heutige sechsbahnige A81 in gestreckterer Führung; alte Doppelkurve teilweise in Überwucherung (2001)

 

Heutige Trasse kreuzt etwas höher; Abholzung vor Renaturierung?   Begrenzungspfosten vom Autor drapiert (2003)

2004: renaturiert als Ausgleichsmaßnahme Mittelstreifenbäume nun Hauptrelikte
       
auch Betonbrücke über Weg abgetragen
Alter Engelbergtunnel, Weströhre / Südportal mit Rest der alten Parkplatzabfahrt (2003).  Gesamtblick beider Röhren nur 2006 möglich,
da Oströhre aufgegraben (Standfestigkeitsprüfungen).  Heute große Erinnerungstafeln mit Namen der Opfer - im Weltkrieg dienten
die Tunnel der Rüstungsproduktion (Messerschmitt-Werke), das einstige KZ-Außenlager ist heute vom Villenviertel überbaut.  

In der Weströhre fanden 2006 ebenfalls Bauwerksprüfungen mit Entnahme von Bohrproben statt. Deutlich die bis 20m vor Tunnelende durchgeführte Verschüttung zu erkennen  (Baustellenbilder).

Oströhre Südportal, schwach Licht von Norden Nur kleine "Prüf-Ergrabung" Nordportal als Ausgrabungsobjekt

Dank für Bilder an Michael Titgemeyer


           Berlin  -  München 


Bad Berneck
Extraseite, da kreuzende stillgelegte Bahnstrecke

Trockau

Alte Trasse bei Trockau 2010 ...sie war einst fast mitten im Ort...

 

Hienberg

Der berüchtigte Aufstieg ist in Ende der 1990er entschärft worden, indem beim sechsstreifigen Neubau eine "weichere" Führung gewählt wurde.  Die alte Trasse ist -ohne jedwede Belagsreste-  weitestgehend noch als Schneisen (mit Waldwegen) erlebbar, bei den Stellen, an denen die heutige A9 kreuzt, freilich rückstandslos beseitigt. Vom alten Rasthof Hienberg überdauert evtl. eine Geländerhebung, die auf Grundmauern / Fundamente deuten könnte.  Eine kleine Reise in Nord-Süd-Richtung (2010 und 2011):

Blick Nord im nördlichsten Alttrassenteil Unweit Blick Süd Hier war die Raststätte Hienberg, FR Nord
Schneise im Raststättenbereich Alter Vereinigunspunkt, Blick Nord Links war Aufstieg, rechts warTeilung Abstiegsfahrbahnen
Waldweg verlässt die Abstiegsschneise (rechts) Hier war eine Waldwegunterführung (Aufstiegstrasse) Immerhin ein Leitpfosten als Erinnerung
Waldweg (auf Altabstieg) trifft Neutrassen-Abstieg Alt und Neu parallel Auch am Abstieg war eine Unterführung
Die Alttrasse FR Süd Höhe Au

 

 

A 226 bei Lübeck-Siems

Die alte und wichtige Fernstraße Lübeck - Travemünde (Ostseehäfen) war nach dem Krieg zu einem Autobahnfortsatz (Hamburg - Schwartau) ausgebaut worden.  Nachdem diese dreispurige Trasse (Überholen fakultativ möglich) nicht mehr modernen Ansprüchen genügte, wurde Anfang der 1970er eine etwas ortsfernere, zugleich deutlich tiefer liegende Autobahn (A226) gebaut.   Von der Alttrasse haben sich bis heute überraschend viele Relikte erhalten:  neben den unter Ortsverkehr stehenden Asphaltresten der früheren Anschlussstelle Dänischburg ist zuvorderst die Brücke über die Eisenbahn Lübeck - Travemünde zu nennen, eine Brücke über eine Ortsstraße in Siems sowie (neu renaturierte) Trassenschneisen.  Erste Eindrücke von 2007:

Alte Autobahnbrücke - Eisenbahn gerade noch
nicht elektrifiziert, hinten neue A226 tiefer
Oben die dreispurige "Autobahn"
Vorne alte, hinten neue Autobahnbrücke Bereich eingezäuntes Werksgelände (Hof) Auch renaturierte Schneise am Trassen-Ostende

Auch die "Hauptautobahn" von Hamburg endete einst anders: sie ging (zunächst als Strecke Nr.1, zeitweise "A11") in die (damalige) Bundesstraße 207 Richtung Ratekau (heutige Eutiner Straße) über (Autobahnende hieß "Eutin"), bis Anfang der 1970er die A1-Verlängerung gen Fehmarn etwas östlicher gebaut wurde.  Dieses alte (sicher ebenfalls nicht vierspurige) Autobahnendstück wird nun von besagter Eutiner Straße (nur noch Kreisstraße, Zubringer zur B309!) "markiert".  Wohl in diese Zeit fällt der Umbau des AD Bad Schwartau (womit die Abbiegemöglichkeit von Norden Richtung Osten / Travemünde entfiel) sowie die geringfügige Nordverrückung der A1 im Ortsgebiet Lübeck / Teerhofinsel. Insgesamt vernichtete das neue Autobahndreieck Bad Schwartau, die neue AS Sereetz, die neu verknüpften Straßenzubringer doch sehr viele Spuren...  Nebenbei: die direkte Anbindung Sereetz' an "seine" AS über die Kaltenhöfer Straße ist erst in jüngster Zeit gekappt worden - die Kreuzungssituation war wohl zu belastet / gefährlich.  Von der alten Strecke der A1 sind Reste Höhe "ex-Bhf Waldhalle / Zur Teerhofsinsel" in Parkplatz aufgegangen.

Linktipp www.a226.de


 

 

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