Alte unvollendete (Reichs-)Autobahnen.

In einigen bekannten Fällen führte der Weltkrieg zu einem Baustopp an begonnenen Reichsautobahnen.  Nach Kriegsende konnte die gewählte Streckenführung, deren Urintention auch landschaftliche Schönheit und Autofahr-Blickrichtung beinhaltete (!) den geänderten Erfordernissen nicht mehr genügen, womit eine gänzlich neue Trasse zur Ausführung kam (Rhönlinie um viele Kilometer nach Osten "verlegt").
Die bereits fertiggestellten Bauwerke sind zu bau- und kulturhistorischen Denkmälern geworden.  Im Falle der Strecke85 werden Trassenteile nun für die wichtige und auszubauende Bundesstraße 19 verwendet (Urbauwerke teils unmittelbar daneben, teils ertüchtigt), eine Autobahn indes wird in dieser Relation wohl nicht mehr Realität. 

 

Strecke 46  (Fulda - Würzburg)

Pfeiler im Saaletal   Waldbrücke Rupboden
Feldwegunterführung Schonderfeld Brücke bei Schmitthof

Bekanntestes Relikt: Brücke über Landstraße nahe Burgsinn (je 1990er)

Fundamente im Wald
Der Rote Weg... ...wäre hier unterführt worden...   ....eines der Toprelikte
Wasserdurchlässe... ....mit Zustieg   Zisterne jetzt Jagdstand
Hier Trasse in Mulde Nahe Rupboden ebenfalls Wasserdurchlässe...   ...unterschiedlicher Höhe, innen sehr guter... ...Zustand (je 2010)

Linktipp:  Heinz Leitsch www.strecke46.de

 

Strecke 77  (Hamm - Kassel)

Die Reichsplanung sah neben der verwirklichten Strecke 2 (Dortmund - Hannover) einen Abzweig nahe Hamm Richtung Ost / Südost vor - diese Strecke 77 wäre südlich Paderborn auf die Strecke 75 getroffen, um das Ruhrgebiet mit Kassel zu verbinden.  Der recht fortgeschrittene Bau ist nun samt seiner großen Brückenrelikte ein Denkmal - die Trasse wäre nördlich Soest verlaufen und sodann erst weit östlich auf die heutige A44 getroffen.

Fläche am geplanten Autobahndreieck Osttünnen... ....hier wäre Einfädelung Kassel - Ruhrgebiet gewesen   
Überführung der K14 (Illinger Straße) ...sehr fotogen   Brücke über Salzbach schwerer erreichbar
Durchlass am... ...Schürenhölzchen   Für die heutige L747 (Buchenstraße) wäre...
eine mächtige RAB-Überbrückung... ...nötig gewesen  
Größtes Relikt im Kettlerholz: hier wäre der Weg nach Kirchwelver...   ...überführt worden
Neben der "Recklingser Straße"... ...ein Bachbrückchen   Durchlass des Holzbaches (je 2010)

 

 

Strecke 78  (Kassel - Eisenach)

Die ursprüngliche direkte Diagonalverbindung sollte vom "Kasseler Kreuz" ausgehend den ausgedehnten Söhrewald queren; hier war 1939 ein großes Überführungsbauwerk über einen Waldweg fertiggestellt worden. Im Krieg von den Junkers-Werken als Lager verwendet, fristet sie einsam im wunderschönen Wald unweit des Fahrenbaches gelegen ein eher unbekanntes Dasein und wird als Lager der Forstverwaltung genutzt:

Im Wald ein schönes Bauwerk... ...fast eine Burgruine   Typische Steinverblendung

Während die Trompeten des alten, heutigen "Dreiecks Kassel-Süd" (A7 / A44) mehr oder minder umgebaut oder ungenutzt wurden/werden, lohnt ein Besuch des nahen Kreuzes Kassel-Mitte (A7 / A49). Hier sollte die A49 mittels enger Kurve in eine örtliche Schnellstraße übergehen, unter brutalstmöglicher Zerschneidung des Ortes Lohfelden.  Natürlich ist diese Planung obsolet, wurde eine spiegelbildlich angeordnete kurvige Verknüpfung zum Industriepark Kassel-Waldau in jüngster Zeit nachgerüstet.  Die Urplanung ist als Wiesenschneise hervorragend zu erkennen:  

Von A7 geplant... ...in den Ort Lohfelden (je 2009)  

 

 

Strecke 85  (Eisenach - Bamberg)

Einschnitt bei Niederschmalkalden - hier nun B19-Umgehung Gewaltiges Widerlager
Flutungspfeiler bei Todenwarth
Ästhetik bei Fambach  (Bilder von 1996-1999) Relikt 2010 bei Fambach

 

 

Urplanung  Hannover - Hamburg (Strecke 24):  

Die gegenüber heutiger A7 westlichere Trassenplanung hatte Ende der 1930er noch einen Baubeginn nach sich gezogen; so finden sich bis heute einzelne Zeugnisse der Bauruine.  Das größte Bauwerk, die natursteinverkleideten Widerlager der Autobahnbrücke über die Bahnstrecke Hope - Schwarmstedt sind erst 1995 abgetragen worden!  So muss man doch sehr genau suchen, um wenigstens die schönen kleinen Fließ-Brücken über Grindau und Große Beeke zu finden; sehr hilfreich ist ein Navi gefüttert mit einer zuvor kalibrierten Reichskarte mit dem präzise eingedruckten Trassenplan (zB Wanderkarte Lüneburger Heide Südwest, Nieders.LVA Hannover 1950); selbst im Verbandsplan Großraum Hannover von 1967 (Grundlage neue TK100 !) ist die Trasse als "Bodenstörung" eingezeichnet.

Keine Kunst  - Bauwerk ist exakt an eingez.Stelle Teile der Frontmauerverkleidung abgefallen, aber   innen sehr guter Zustand, 70 Jahre nach Bau
Inmitten weiter Äcker, in Miniwäldchen das Bauwerk Grindau-Durchlass (Sep 07 nicht wasserführend)  

Während der Durchlass der Grindau nicht in Karten verzeichnet ist, zeigen die letzten "klassischen" TK25 noch die Brückenreste an der Großen Beeke.  Das nördliche Bauwerk dient als Fundament eines Jagdstandes, beim südlichen erkennt man die spitzwinklige Kreuzung des Beeke-Grabens; sie wäre wohl rechtwinklig verlegt worden. Auch hier guter Zustand:

Per alter Reichskarte zum Reichsrelikt... ...im Wäldchen, das auch Schutz bietet für...   ...einen Jägerstand auf RAB-Beton
Große Beeke und links das Durchlassbauwerk ...mit schöner Verblendung   Auf dem Bauwerk, je 2008

 

Waldeinschnitt bei Resse von Forststraße belegt -  - dies Folge eines ehem.Baubeginns  

Linktipp:  Artikel auf lostplaces.de

 

Urplanung  Koblenz - Eifel  (Strecke 37)

Für einen Reliktjäger Höhepunkt seines "Wirkens" ist der Fund eines Doppelrelikts.  Darunter kann man zB ein Bauwerk verstehen, das zwei brachliegende Verkehrswege verknüpft, meist eine Brücke.  Handelt es sich bei einem dieser Verkehrswege um einen Reichsautobahnrest und ist dieser vor Internetzeiten wenig bekannt gewesen, so spricht man von einem Toprelikt.  Sind die Relikte zudem einfach erreichbar (nahes Autobahnkreuz, zugängliche Felder) ist das Glück perfekt.  2008 war dem verkehrsrelikte-team ein solches vergönnt, als nahe Koblenz die Reste der alten Reichsautobahn aufgesucht wurden.  Sind die Brückenwiderlager in Bubenheim bekannt (und täglich von Tausenden Autofahrern passiert), so ist das Netz, respektive Foren (hier: lostplaces.de) Schuld an der "Wiederfindung" eines fast in Vergessenheit geratenen großen Brückenrelikts - jener Brücke, die die geplante Reichsautobahn Koblenz - Eifel über die Eisenbahnstrecke Koblenz - Mayen führen sollte.  Der Krieg führte auch hier zur Baueinstellung, die Vernunft seit den 1960ern zu einer Umplanung (und ortsferneren Trassierung) der heute als A48 bezeichneten Autobahn.  Bei der eingleisigen, verwuchernden Bahn handelt es sich um die 1918 eröffnete Verbindung Koblenz-Lützel nach Mayen (Personenverkehr bis 1983), die im interessierenden Abschnitt 2003 stillgelegt wurde.  Sowohl eine Reaktivierung als auch ein Radwegbau (Verlängerung des bekannten tunnelreichen Hausener Segments) sind in weiterer Planung.  Zuvor jedoch ließen sich morbide Eindrücke gewinnen; die Brücke, sichtlich in gutem Zustand, dient vorrangig als Feldzufahrt, in einem Gebiet, das durch das nahe Autobahnkreuz und die B258 ziemlich "umzingelt" ist.

Bubenheim: die mächtigen Widerlager... ...als Schreckenserinnerung einer Ortsautobahn   Feldweg verdächtig breit - einst B258?
Blick von RAB-Brücke in Bahneinschnitt Geländer eine Bundessicherungsmaßnahme   Natursteinverblendung, ganz klassisch
Seit 2003 Gleise unbefahren; oben selten ein Traktor Kilometerstein fotogen,...   ...ebenso eine Nische
Kurven und Rampen des AK Koblenz, je 2008 Die alte B258...   ...im Bereich der alten Anschlussstelle (2010)

Erwähnte B258 scheint auch eine kleine Verlegung hinter sich zu haben, ja es scheint eine alte AS Rübenach (mit B258-Brücke) existiert zu haben - leider verfügt das Team erst seit 2009 über flächendeckende Messtischblätter.  Direkt neben der heutigen A48 auf Höhe des Ortes Rübenach, inmitten von Wiesen / Feldern eine Brücke als Bauvorleistung...

Fundamente... ....Kopfseite....   ....und Schauseite einer Brückenruine (je 2010)

 

 

Urplanung  Berlin - Hamburg  (Strecke 19): 

Südlich Bakendorf befindet sich eine Brückenruine, die das letzte augenfällige Relikt der Reichsautobahn Hamburg - Wittstock ist, deren Bau nicht über Einzelbauwerke hinauskam.  Während im Raum Hamburg bald nach Kriegsende Um- und Weiterbau gelangen, ist die Strecke erst mitten zu DDR-Zeiten (mit Bundesmitteln) fertiggestellt worden.  Nördlich Hagenow wurde dabei die Trasse deutlich nach Norden umgelegt, um ein Militärgelände zu umgehen.  Daher das einige 1000m lange Trassenrelikt, im Luftbild gut zu verfolgen.  Ähnlich einer Situation nahe Hannover ist aber eine Trassenbrücke über eine Eisenbahnstrecke in den 1980ern abgetragen worden.  Ob es zudem noch kleinere Bauwerke bei den Bachquerungen (u.a. Sude) gab oder gibt, wird noch ermittelt.

Mächtige Flügelwerke ohne Straßendamm Schöner gemauerter Mittelpfeiler (je 2014)  

 

Urplanung  Berlin - Wittstock  (Strecke 20):

Schon die Reichsplanung sah eine zusammengefasste Strecke Berlin - Hamburg / Ostsee, die wie heute ausgeführt, im Raum Wittstock sich in die Äste aufteilen sollte;  allerdings sollte im Raum Berlin die Strecke 20 bei Dallgow aus der großen Kaiserprachtstraße (heutige B5) "hervorgehen", die projektierte (näher und diagonaler verlaufene Berlin-Tangente Strecke 48 - eine Art Berliner Ring) mittels "Hamburger Kreuzes" im Bereich der Falkenhagener Wiesen (Berliner Exklave) schneiden, sodann in nördlicher, später nordwestlicher Richtung Wittstock zustreben.  Von dieser Urplanung überdauern im Wesentlichen Brückenwiderlagerreste über den Havelkanal sowie ein typisches Brückenrelikt in einsamer Feldlage südlich Herzsprung.  Die zu DDR-Zeiten ausgeführte Autobahn ist bewusst näher (!) zum neuen Großschießplatz Wittstock gebaut worden... 

Bilder: Matthias Sauer 2017
Das Bauwerk dient heute... ...auch landwirtschaftlichen Zwecken  

 

Urplanung  Dresden - Görlitz  (Strecke 73): 

Die eminent wichtige Strecke Richtung Schlesien war noch bis in erste Nachwendejahre der berühmte Torso mit den Getreidelagerhallen auf dem Trassee bei Weißenberg.  Die Fertigstellung in den reichen BRD-Zeiten führte zur schonerenden Ausführung mittels Großtunnel unter den Königshainer Bergen, wodurch eine Trassenverschiebung nordwärts entstand und somit ein Brückenrelikt bei Thiemendorf bis heute überdauert.  Ob die nahe Strecke 98 (Nord-Süd-Strecke westlich der Oder) tatsächlich ein bemerkenswertes Relikt nahe Niesky trägt (wie alte Forumsbeiträge vermittelten), muss ebenfalls noch recherchiert werden.  Hinweise hierzu sehr willkommen !

Bauwerk willkommenes Heulager... ....ein Musterrelikt (2013)  

 

Urplanung  Nürnberg - Regensburg  (Strecke 86)

Die ursprüngliche Planung sah eine Trassenführung nördlich Leinburg - Entenberg - Klingenhof vor, sowie einen kurvigen Abstieg bei Kastl.  Markante Reste überdauern insbesondere um Pötzling - neben großen Dammresten mit Durchlässen nö. Leinburg und nw. Klingenhof ist eine Hangkante (hier evtl. höhenverschiedene Fahrbahnen ähnlich Aichelberg vorgesehen) sowie eine Teichkette zu nennen.

Lange Wassergrabenbedeckung (Erlengraben) mit schönen gemauerten "Portalen"
Hier der östliche, vollständig bedeckte (je 2006) Oberhalb Entenberg eine verdächtige Hanglage (2011) Durchlass bei Unterhaidelbach

Siehe hierzu Forumsbeiträge auf www.autobahn-online.de

 

Linktipp:  Alles über Autobahngeschichte und -zukunft auf  www.autobahn-online.de

 

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