Karriere eines alten Geleitweges

Eine sehr bewegte Geschichte hat die alte Geleitstraße Frankfurt - Nürnberg - Wien hinter sich.

Würzburg

In der Hauptstadt Unterfrankens verläuft diese Fernstraße seinerzeit (1920er) über die Alte Mainbrücke, quer durch das Zentrum, unmittelbar am Dom vorbei, quert den Residenzgarten (!) - heutiger Rennweg -  und strebt über die lange Rottendorfer Straße - zwischen altem Flugplatz (nördlich) und Exerzierplatz (südlich) zur neuen Abzweigung (1770) nach Norden, zum Bahnübergang (1854) der Hauptbahnen nach Bamberg / Nürnberg nahe Gerbrunn, weiter Richtung Rottendorf.

Blick fällt vom alten Würzburger Flugplatz auf Gerbrunn.
Schneise im Wald markiert alte Reichs- und Landstraße.

Historie verschiedenster Art führte zu folgenden Veränderungen:

Alte Mainbrücke wie gesamtes Centrum natürlich Fußgängerzone
Alter Flugplatz (Kürnacher Berg) verlegt Richtung Veitshöchheim "Am Schenkenturm" - Gelände Kasernen-T-Bereich und Felder
Exerzierplatz aufgegangen in großer USArmy-Kaserne, dadurch Rottendorfer Straße unterbrochen (Umfahrung Frauenland / Am Galgenberg)
Alter Bahnübergang zu Straßenbrücke umgebaut; an UPS-Standort erinnert abzweigende "Alte Landstraße" an die uralte Chaussee (s.u.)
Zwischenzeitliche Bundesstraße 8 nördlich der Bahntrasse ist die "Nürnberger Straße" - seit etwa 2000 brandneue vierspurige Führung auf etwa 2km zum Greinbergknoten (B19, B27 etc.)

Nürnberger Straße ist alte B8.
Rechts überwuchernde Reste von Personenwaggonabstellgleisen

 

Die "Römerbrücke":
Fährt man mit dem Zug auf der Hauptstrecke Würzburg-Rottendorf so fällt auf Höhe Gerbrunn ein langgezogener großer Damm auf, der gekrönt ist von großzügigen Steinbögen und an eine stillgelegte Bahntrasse erinnert.  Tatsächlich handelt es sich um eine der frühesten Straßenruinen:  um die kurvige und muldige Führung der alten Geleitstraße an dieser sumpfigen Stelle zu entschärfen, ließ Fürstbischof Friedrich von Seinsheim 1764-1766 diese großzügige Trasse erbauen; da sich schon 1769 große Risse in den Steinbögen zeigten wurde diese Wegführung bereits 1770 aufgegeben zumal seither eine Straße nördlich über Rottendorf zur Verfügung stand.  Den größten Bogen unterquert ein neuer Radweg mit Bänken und Hinweistafel.

Der kleine Bogen, originaler Zustand
Neuer Radweg unter dem großen (sanierten?) Bogen

Weiter östlich ist die uralte Chaussee teils als Wald- und Feldweg im Gelände gut auszumachen, teils der Flurbereinigung zum Opfer gefallen; die Reichskarte "Umgebung von Würzburg" benennt die "Alte Landstraße" im Verlauf nördlich des Weilers "Gieshügel", südlich des Galgenberges, bis sie in Biebelried auf die Reichsstraße 8 trifft.


B 8 als langjähriger Zubringer zur Bundesautobahnanschlussstelle Würzburg-Ost (heute Rottendorf) mit kurviger Führung über Wöllried(erhof) und Rottendorf (Unterquerung der nahebei verzweigenden Hauptbahnen), knapp östlich einst über alte Steinbogenbrücke - diese seit den 1960ern nahebei umgangen - diese langjährige B8 nun mit Kreisverkehren teilverkehrsberuhigt.
Großzügige vierspurige Schnellstraße seit den 1990ern im Bereich Wöllried / Rottendorf.

Alte Brücke der Chaussee Würzburg - Nürnberg bei Rottendorf (Sanierung 2003):
B8 nahe verlegt, heute 4.Version vierspurige Schnellstraße

 

Die Straße führt nun durch das "gemütliche Franken" wobei sie seit Bundesstraßenzeiten mehr und mehr Umfahrungen "spendiert" bekam.  So durchquert sie zwar noch heute zB Kitzingen, es sind aber auch spektakuläre Neubauabschnitte zu verzeichnen, so bei Emskirchen oder neu in Neustadt (Aisch).  Hier ist nicht nur die Urführung über den Marktplatz ("Würzburger und Nürnberger Straße") oder der einstige Bahnübergang mit der Demantsfürther Stichstrecke (stillgelegt seit den 1990ern) Vergangenheit, auch die Zusammenfassung mit der B470 (stellenweise auf altem Bahnterrain) bis zum "Nordknoten" ist eine Erwähnung wert.  Besonders typisch für das "Mitwachsen" von Straßen über die Zeiten ist aber der Großraum

Fürth / Nürnberg

Seukendorf:  Uralte Chaussee im Zuge Langenzenner, Cadolzburger und Fürther Straße;  Reichs- und frühe Bundesstraßenzeit auf (namenloser) südlicher Umgehungsstraße;  heutige Verkehrslawinenzeit auf vierspuriger Schnellstraße B8.

Burgfarrnbach:  Alter Fernstraßenverlauf durch Teilstücke "Würzburger Straße" identifizierbar, wenn auch heute mit geänderten Vorfahrtsrechten;  ursprünglich Unterquerung der Hauptbahn (heute Geißäckerweg), dann S-Kurve mit 90°-Überquerung des Farrnbaches (nicht mehr sichtbar, Indiz Wald-/Flurrand), noch in den 1960ern große neue spitzwinklige Bachbrücke, Querung des Wiesengrundes und Einlaufen in Fürth als ebenfalls Würzburger Straße.
Wegen Neubau des Main-Donau-Kanal Errichtung der neuen Würzburger Brücke (1970), samt Überquerung der kanalbegleitenden Hafenstraße, Einschwenken gen Burgfarrnbach auf neugebauter Straße (jetzt "Würzburger Straße"), bis zur Fertigstellung der Schnellstraßengroßumfahrung 1979, jetzt 9jährige B8 großzügige Burgfarrnbach-Anbindung (Kreisstraße FÜ2).

Nürnberg:  B8 als Fürther Straße einst Bayerns meistbefahrene Kunststraße, einst erste deutsche Eisenbahn unmittelbar parallel; heute ausgebaute Einfallstraße mit Hochbahn (!), rechtlich zunächst am Ring (B4R) endend.
Als Südausfallstraße ebenfalls "umzugsgestählt":  ursprünglich über Allersberger Straße nach Südosten strebend, dann mit dem Eck (Kaserne!) Franken- und Münchner Straße (ist die "neue Allersberger", etwas verlegt zum Großstadionbau 1930/40er) geschildert, nach dem Krieg zunächst vereint mit B4 (Autobahnzubringer zur Hauptausfahrt, heutige Regensburger Straße), sowie über Breslauer und Oelser Straße (heute St2401) direkt durch Feucht in die Oberpfalz,  seit den 1960ern wieder südwestlicher verlaufend über Münchner Straße (diesmal nach Norden verlängert, ist am Luitpoldhain die ausgebaute ehem. "Schultheißallee") und Hainstraße.
Heute teils von A73 "geschluckt", bei Feucht wegen Autobahnerweiterung / -umbau rückstandslos "umgelegt"...

 

 

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