Reichs-/Fern-/Bundes- und Landstraßenrelikte     

Baden-Württemberg


Linktipps:

-  B293 / B294:  Verkehrsrelikte-Musterregion Bretten - die Extraseite
-  R10:  Karriere der Fabrikstraße und Spionagebahn  -  Stuttgart

 

Umschau:

B 19 bei Künzelsau:

Klassischer Neubau zur Entschärfung eines kurvigen Abstiegs in das Kochertal; alte Trasse teils als Radweg benutzbar:

2014: Sogar ein alter Parkplatz ist erkennbar Das südliche Ende; die neue Trasse und der Radweg

 

B 30 in Oberschwaben:

Im strukturschwächeren Ostwürttemberg / Oberschwaben hat die Raumordnung der B30 eine tragende Rolle zugedacht; so ist die Nord-Süd-Magistrale seit langem auf vielen Kilometern südlich Ulm autobahnähnlich ausgebaut.  Am Südende, wo schon das Verkehrschaos Bodensee grüßt, wo die hiesige Staatspartei 70%-Wahlergebnisse einfährt, sind über Jahre Ausbau-Rümpfe zu bestaunen gewesen (Erkenntnis: konservativ kann auch naturbewahrend wirken ;-) vor allem am Mittelzentrum Ravensburg.  Ganz neu aber die Umfahrung Baindt; die alte Trassenführung im Ortszentrum ist als renaturierte Schneise zu erahnen, aber noch 2008 fanden sich um Marsweiler prägnante Relikte:

Baindt, die alte Rampe.
Blick zu Basilika Weingarten
Sperre provisorisch... ...und endgültige Wiese...
Einst zwischen Gehöften durchgezwängt,... ...hier der Fernblick von Norden Schneise im Baindter Wald ist alte B30 (je 2008).

 

 

B 35 um Germersheim / Graben-Neudorf / Bruchsal:

Die recht kurze Bundesstraße ist eine immer wichtigere Querverbindung mit Rheinbrücke (seit 1971) bei Germersheim; Trassenteile der Fährzeit sowie der Interimszeit (Neue B35 vor Vollendung der Brücke fertig und unter Verkehr) sind fast unverändert erhalten.  Hier auch ein altes Denkmal (Dank für Umsiedlung von Knauenheim aus dem Hochwasserraum am Rußheimer Altrhein).
Wegen der jüngsten (halben) Umfahrung Bruchsal mit neuer Anschlussstelle zeigt sich die alte B35 bei Karlsdorf in verrückten Ab- und Wiederaufbauarbeiten.  

Germersheim, östlich des Rhein (je 2007):
Alte B35 vor der Fährzufahrt; links Bahnbrücke
Kreuzung im Vorwerksbereich. 
Alte B35: von Bruchsal (Rücken) - links (Fähre)
Interim: von rechts (neue B) zur Fähre
Denkmal Ort Knauenheim an uralter B35 - 
diese nun Anliegerweg am Rußheimer Altrhein
bei Graben - typische Schneise Rückbau, dann Wiederaufbau nahe Karlsdorf ??  Je 2004.

B 36 um Waghäusel / Graben-Neudorf :

Die B36 soll eine immer leistungsfähigere A5-Ergänzung sein; sie wurde beim Bau der SFS Mannheim-Stuttgart teilweise gebündelt mitausgebaut und verlegt und wird bei der Schließung der Ausbaulücke um Graben-Neudorf die alte Hardtbahntrasse zweimal gekreuzt haben...  Bei Waghäusel bestand lange eine "kleine" Umfahrung (heute L555); von dieser Zeit (zu der letztere als Autobahnanbindung einen BÜ mit der Rheintalbahn hatte, neben dem damaligen Hp Waghäusel Nord!) und der bahnparallelen B36 überdauern Relikte (diese Trasse nun Radweg "Alte B"); die neue B36 ist auch bahnparallel und zwar zu besagter SFS...

Alte B36 / L555 kurz vor altem BÜ Alte B, rechts "alte" Rheintalbahn (je 2007)

 

B 39 um Walldorf

Walldorf, an der A5 und nahe der A6 gelegen, hat nicht zuletzt dank SAP und IKEA einen wirtschaftlichen und verkehrlichen Großaufschwung genommen; die B39, die seit den 1970ern eine südliche Umfahrung hatte, ist seit kurzem noch etwas großzügiger und ortsferner verlegt worden, samt neuer Autobahn-Anschlussstelle.  Die "mittelalte" Bundesstraße dient, teilrückgebaut, dem "neuen" Ortsverkehr (sprich: wachsendem Gewerbegebiet), aber auch als Parkplatz (einst siebenspuriger Kreuzungsbereich!) oder Jugend-Skate-Fläche (alte A5-Brückenrampe):

B39 alte Brückenrampe, links neue B39 über A5 Blick Ost, jetzt Skatebahn, dann... ...Parkplatz (2007/08)
Lärmschutzwand und B weg - trotzdem Verkehr... ...wenn auch unterbrochene Straße, Parkplatz Alte Gewerbegebietszufahrt, rechts SAP

 

Verlegte L2220 bei Ellwangen

Diese Landstraße verbindet Ellwangen mit Dinkelsbühl und damit Ostwürttemberg mit Mittelfranken.  Der recht späte Bau der Nord-Süd-Autobahn A7 (hier 1980er Jahre) hatte auch zur Planung einer besseren Kreuzung besagter Landstraße geführt, welche Anfang der 1990er nahe der berühmt guten Raststätte in den Ellwanger Bergen zur Ausführung kam.  Damit konnte die Alttrasse mit ihren Serpentinen und dem engen Stauseedamm zu einem Waldweg umgestaltet werden, partiell bereits teilrenaturiert:

2003: alte Unterführung unter A7 Beginn der neuen Enge

 

Alte Murgtalstraße:

Das lange Tal der Murg zwischen Gaggenau und Freudenstadt hatte eine der spätesten Bahnen des Ländle bekommen, um die langjährige Lücke zwischen Raumünzach und Freudenstadt zu schließen (1928).  Heute kämpft sich die Karlsruher AVG-Stadtbahn mit Elektrifizierung Stück für Stück durch die tunnelreiche Strecke; die parallele Fernstraße ist schon seit 1962 die recht großzügig trassierte B462 ("Schwarzwald-Tälerstraße").  Ursprünglich verlief die alte Talstraße am Hang vielfach anders; Reste dieses Verkehrsweges stellen eines der lohnendsten Straßenrelikte Deutschlands dar.  Der schlechte Karrenweg im engen Flusstal war erst im 18. und 19.Jahrhundert zu einer richtigen Chaussee ausgebaut worden, so mancher Fels musste weggesprengt werden.  Nahe Hörden findet sich ein Denkmal mit der Inschrift:

EX RUPE FRACTA HAEC VIA FACTA. 1786.
Aus des Felsens Wand ist dieser Weg gebahnt

Die alte Straße ist heute als Murgtal-Rad-Wanderweg auf weiten Teilen idyllisch zu genießen, können kleine Bereiche wie um das Gausbacher Bad in einer Richtung als Zufahrt genutzt werden, sind andere Stücke mit uraltem Kopfsteinpflaster neben beeindruckenden Felspartien dankbare Locations für Oldtimerfotografien.
Gänzlich urtümlich-abseitig schließlich der alte Straßentunnel bei der Tennetbergschlucht.

Eng die Kurve, hart der Fels,... ...rutschig das Pflaster, schön die Aussicht...
Alte Straße zwischen Schlucht und Fels Alter Tunnel - Nordportal Innen, Blick zum Südportal
Klassisch der Tunnel nahe Kirschbaumwasen,
heute mit Radweg bzw. Anliegerstraße

Literatur:
Meyers Reisebücher Schwarzwald, Leipzig 1904

 

B294 bei Pforzheim
Wenn in Deutschland eine Autobahn eine Bundesstraße kreuzt, findet sich in aller Regel eine Anschlussstelle.  Nicht so über Jahrzehnte im Norden Pforzheims: die beiden AS West und Ost (je B10) sollten wohl genügen - erst in jüngerer Zeit, mit Ausbau der Vorkriegsautobahn auf zeitgemäße Standards, entstand die AS Pforzheim-Nord und mit ihr eine verlegte neue B294.  Die alte Trasse (Bauschlotter Straße) dient großteils als Gewerbegebietstraße, ist aber auch an einzelnen Punkten "wüst".  Richtig archäologisch (in Luftbildern Feld-Irritationen) ist es dann an der Kreuzung mit der K4530, da die heutige Brückenlösung natürlich neueren Datums ist - ursprünglich ging es westlicher durch den Wald...

Höhe Welschenäckerstraße; hinter Mauern BAB Am BAB-Damm, Blick Süd Spitzenweg, Blick Nord  (je 2007)


Alte B294 mündet in alte B3 bei Gundelfingen:

Die alte Reichsstraße 294 führt von Bretten über Pforzheim und die Schwarzwaldhöhen Richtung Südwesten.  Nach manchen Passhöhen und der Bewältigung teils enger Flusstäler (obere Kinzig, Elzach) endet sie im breiten Rheintal vor den Toren der Breisgaumetropole Freiburg.  Ursprünglich im Dorf Gundelfingen in die alte Reichsstraße 3 mündend, erlebten beide Chausseen nach dem Weltkrieg vielfältige Ausbauten.
Die zur B3 gewordene Rheintalhauptstraße erhielt Ende der 1950er Jahre mit der Rheintalautobahn (zunächst Strecke A10 genannt) eine wichtige Entlastung; trotzdem waren wegen immer stärkeren Regionalverkehrs bis heute immer mehr lokale Umgehungsstraßen nötig - der Freiburger Stadtteil Zähringen und das benachbarte Dorf Gundelfingen erhielten somit schon vor 1960 eine großzügige vierspurige Umgehungsschnellstraße.  Damit war auch die von Waldkirch kommende B294 neu anzubinden; südwestlich von Denzlingen erfolgte samt neuer Rheintalbahnüberbrückung die Einführung, der alte Bahnübergang nördlich Gundelfingens hatte als neuralgischer Punkt ausgedient.
Zugleich wurde auf Höhe des Dorfes der Zubringer zur weit westlich gelegenen Autobahn erbaut und zum nunmehrigen letzten Stück B294 aufgewertet.  Ungebremstes Wachstum des konkurrenzlosen Oberzentrums Freiburg führten in den 1970ern zu einer Vielzahl weiterer Ausfallschnellstraßen; Umgehungen von Denzlingen und Waldkirch samt "Elztalautobahn" sowie die kreuzungsfreie Einführung in die hier als Schnellstraße endende B3 zeigen den autofreundlichen zeitgenössischen Trend.  Während die alte B3 auf etwa 2km unverändert als Gärtnereizufahrt und Radweg existiert, ist eine solche Funktion für die alte B294 nur in kurzen Teilstücken erkennbar.  Flurbereinigung führte im Bereich der kreuzenden neuen B294 zu einem Totalabgang; die alte enge Brücke über den Taubenbach (Sandstein mit Betonverstärkung) zeigt noch uralte schwarz/weiße Warnbemalung während die Dämme zum ehemaligen Bahnübergang noch als Wiesenstücke in Schrebergärten erkennbar sind.  Das alte Bahnwärterhäuschen indes ist längst verschwunden.
Eine Mega-Verkehrskreuzung ist dem Tal an dieser Stelle aber erspart geblieben: die alte Planung einer Schwarzwaldautobahn A84 (A86) hätte hier Anschlussstellenorgien und den Beginn des Gebirgsanstiegs vorgesehen und ist seit B31-Ausbauten ad acta gelegt.
Heute steht zwar noch der vierspurige Ausbau des Zubringers zur AS Freiburg-Nord an, die beiden zusätzlichen Bahngleise werden aber in dieser Region parallel zur Transitautobahn A5 gelegt.

Fotos in Vorbereitung

 

Alte B31

Diese Transitachse (Madrid - Moskau) wird mühsam auf drei Spuren erweitert.  An vielen Stellen entstanden überflüssige Teilstücke.  Im Dreisamtal, nahe Zarten, dient die teilrückgebaute Trasse einem Radweg; fast zwei Jahre konnte eine ihrer Begrenzungspfosten beraubte Fernstraße Hochgeschwindigkeitsradtests sehen: 

Vor Döggingen, im Gauchachtal.  Links oben erste Talbrücke Dreisamtal, vor Ebnet, vor der Renaturierung (je 2004)
Abzweig St.Peter 2005... ...dito 2006 2006: Ende im Feld
Zarten 2005... ...und 2006

 

B 311 Richtung Oberschwaben

Verlängerung der B 31 gen Osten (z.B. Richtung Ulm) ist die B 311; sie ist nur stellenweise dreispurig, erhielt aber schon in den 1990ern Trassenverbesserungen, wodurch z.B. nahe Meßkirch der Eindruck einer Vierspurigkeit entsteht (nur vom Altstück aus):

Auf dem Altstück, rechts die B 311 unter Verkehr Altes Stück als Parkplatz genutzt (je 2009)

 

 

Hier und dort in Süd- und Mittelbaden:

Aufgegebene Verbindungsstraße im Rheintal

Alte Landstraße I.Ordnung Ottenheim - Hugsweier (Unditzbrücke)
Wegen Schießplatz, später Militärflugplatz aufgegeben

 

Zwischen den Städten Bonndorf und Blumberg im Südschwarzwald vermittelt großteils die L171 den Verkehr.
Zumindest zeitweise gab es eine Umfahrung von Ewattingen; diese nördlicher verlaufende Straße scheint seit den 1980ern gesperrt zu sein.  Die Nähe zur Wutachschlucht oder die Abzweigung zu einem Steinbruch könnten zu ihrer Aufgabe geführt haben.

Bild zeigt westlichen Beginn der gesperrten Straße 1997, bis hierhin ist die Zufahrt zu Grillstellen erlaubt:

 

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