Reichs-/Fern-/Bundes- und Landstraßenrelikte     

Straßenausbau führt in vielen Fällen zu einer neuen Trassenlage. So kann in ganz Deutschland oft nahebei die Altstraßenführung vorgefunden werden - sie dient dann als Parkplatz (bei Kurvenaufweitungen oder Trassierungsbegradigung), als Felderzufahrt (natürliche Flurgrenze), als Radweg (bei längeren Neubauabschnitten), als (nun) verkehrsberuhigte Wohn- und Spielstraße, in seltenen Fällen als Werksgelände.
Die immer strengeren Umwelt-Gesetze verhindern seit wenigen Jahren ein Ausufern dieser Verkehrsflächen, wodurch die unerträglich wachsende Bodenversiegelung wenigstens etwas eingedämmt wird.  Obiges Bild zeigt die B31 im Dreisamtal nach ihrer Verlegung und Entwidmung - heute zeigt sich dieser Bereich stellenweise mit vergrößerter Wiese "belegt", nurmehr Teile sind (halbseitig entsiegelt und begrünt) als Radweg in Funktion.

Abertausende Kilometer suchende Benutzung von Straßen sowie unzählige, reichhaltige und stimmungsvolle Bildzusendungen lassen eine Unterteilung zweckmäßig werden; im Detail:

Franken    drei Bezirke, viele Bundesstraßen (teils schon abgestuft)
Baden-Württemberg    von Murgtalstraße bis B31; von Graben-Neudorf bis Tamm 
Hessen    alte B3, 8, 40, 42, 43, 45, 54, 255, 260, 417, (448), 485   (mit noch detaillierteren Unterseiten)

-  Exkurs:  Straßenrelikte in Frankreich

 

Einzelne Eindrücke / Beispiele

 

Allgäu

Die Autobahn A96 München - Lindau nähert sich mühsam ihrer Fertigstellung.  Die in dieser Relation verlaufende B18 -oftmals mit "mittelneuen" Ortsumgehungen versehen (damit selbst B18-Relikte vorhanden!) - kann entwidmet und mancherorts sogar rückgebaut werden:

Um Gebrazhofen

Alte B18: Beginn gesperrte Auffahrt dito Abfahrt bei Gebrazhofen
Brücke über Kreisstraße ehemalige Parkplätze Ende vor A96-Einschnitt

Fotos:  Wolfgang Olbrich 2005

Zwei Jahre später begann der Rückbau - in unterschiedlicher Schnelligkeit (Fotos August 2007):

Topogr.Karten stets etwas inaktuell, hier Vorteil; Kirche Gebrazhofen, Brücke ohne Deckschicht Rückbau nördlich Gebrazhofen

 

Um Erkheim

Rechts die neue A96 Brückchen über einen Feldweg
Blick von Wirtschaftswegbrücke Die uralte R/B18 am Kohlberg

Fotos:  Florian Weiss 2005

Ehem. Abzweig Dankelsried, re mittelalte R/B18 Gesperrt, vorhanden: jungalte B18/E54

Uralt=90°;  mittelalt=270°; jungalt=224°  (je 2007)

 

Oberbayern

Im Donauried bei Neuburg a.D. traut man sich kaum von Oberbayern zu sprechen; tatsächlich war hier bis zur Kreisreform 1972 Schwaben.  Die "Donau-Bundesstraße" 16 hat über die Jahrzehnte vielfältige Ausbauten erhalten; bei Straß / Unterhausen waren es sogar drei "Stufen", die zu erwähnen es lohnt, zumal Relikte vorzufinden waren.  Brandneu und noch kaum in Luftbildern auszumachen (MapsLive - schön gestern und heute im Vergleich) - die Umgehung Unter- und Oberhausen südlich.  Sie löst ab (neben den OD Linden-, Latour-, Hauptstraße) die zweite Ausbaustufe, die -als Verlängerung der Umgehung Straß- nördlich unmittelbar parallel zur Bahn Donauwörth - Ingolstadt gelegen hatte (Relikt s.u.) und ihrerseits die Urführung durch Straß (Neuburger Straße) bzw. heutige ND31 ersetzt hatte samt des Bahnüberganges, an dem ein schweres Tankzugunglück zu beklagen war.
Von Stufe 1 überdauert:  ND31 bis zum ehem. BÜ (Foto 1);  Foto 2 und 3 zeigt entwidmete Straßenteile von Stufe 1 und 2 (nach Entfall BÜ durch Nordumgehung Straß).  Neu hier auch die ND31 (südlich der KBS, mit Kurvenverbesserung wegen paralleler neuer B16 "Stufe 3") samt neuer Brücke über Bahn, da auf Trassee der alten ND31 (diese Folge der Stufe 2, BÜ-Entfall, neu/alter Nebenverkehr-BÜ am Bahnhof) neue B16 Stufe 3 gelegt werden musste...  Genug der Theorie - selber schauen !  Günstig von UL, A, N, M erreichbar...

ND31 ist alte B16; Knick neu nach BÜ-Aufgabe Alte B16 nach BÜ-Entfall (nördlich KBS und Straß) Alte Warnbaken "Ende Haltestreifen"  (je 2007)

Noch muss eine gefährliche B12 den Verkehr zwischen Inn (Mühldorf, Altötting) und München vermitteln (A 94 in Bau);  da nicht sehr ausgebaut, gibt es auch wenige Reliktstellen, wie hier die Doppelkurven zwischen Bürg und Kagen:  

Eindrücke einer alten Reichsstraße 12... ....nun nurmehr Waldzufahrweg.... ...im Zustand 2011

 

  

Niedersachsen

Eine Weserberglandquerung Richtung Hildesheim ist die B 240.  Umfangreiche Sand- und Steinbrüche um Duingen (hier auch einst Güterbahnen) hatten eine Verlegung erfordert;  die Reste liegen brach oder sind Werkszufahrt:

An den Bruchseen, im Wald... ...Kurve von Norden.... ...hier eine Steinbruchzufahrt (je 2015)

 

Sachsen-Anhalt

Ganz im Norden, also in der Altmark, finden wir mit der alten F/B 190 bei Genzien und der alten R/F 189 bei Eickerhöfe klassische Straßenreste vor, die wegen Ausbau (Umgehung Arendsee) oder Brückenneubau (Elbbrücke Wittenberge) entbehrlich wurden.  Der Fernverkehr auf jener alten R/F 189 war zuvor zwischen 1851 (natürlich nich als "R") und 1978 gemeinsam mit der Eisenbahn über deren Elbbrücke geführt worden.

Bei Genzien, alte F/B 190, Blick Ost Blick Elbwärts auf der alten R/F 189 (je 2011)

 

Bei Tangermünde überquert die B188 die Elbe.  Diese Fernstraße ist in der Relation Stendal - Rathenow nicht sehr historisch; erst die Ausweisung als Reichsstraße führte zum Ausbau schlechtester Forstwege in der Heide bei Wust.  Auch die erste Elbbrücke als Ersatz der langjährigen Dampffähre fällt in die Zeit der 1930er; die alte Fährzufahrtschaussee auf Fischbecker Seite war somit nicht mehr die R188.  Als Ersatz der langjährigen Elbbrücke (bis 2004 abgerissen) und Ortsumgehung steht seit 2001 eine großzügige Stahlbogenbrücke zur Verfügung.  Während an die alte Brücke (Pionier-Stahlkonstruktion nach Kriegszerstörung der alten) selbst kaum etwas erinnert (Chance für Radweg vertan!), können die Dämme und Abbiegerampen der alten Fern- und Bundesstraße 188 im östlich des Flusses gelegenen Fischbeck (Elbe) bewundert werden.  Die uralte Chaussee südlich (zur damaligen Fähre) lebt auch als "Fährstraße" bis in die Elbauen weiter.  Die alte Straße Richtung Osten (heute K1031 als später gebaute Straße Richtung Kabelitz) zeigt sich als Feldweg: Verbindung zur langjährigen "mittelalten", "kleinen" Umgehung - diese teilrückgebaut als Gewerbegebietszufahrt und Radweg Richtung brandneuer, "großer" Umgehung. Sowohl in Tangermünde (alte Hafenbahn) als auch in Fischbeck (Schönhausen - Jerichow) sind Kreuzungen mit stillgelegten Bahntrassen das "Zückerli" - Grund genug genau zu gucken:

Tangermünde: die teilrückgebaute alte R/F/B188
Zufahrt zur langjährigen Elbbrücke
Einschnitt der alten Hafenbahn; B-Brücke abge-
tragen, dahinter Widerlagerrest Elbbrücke
Fischbecker Fährstraße, Blick Tangermünde
Wurde durch Elbbrücke entbehrlich  (je 2008)
Im Flügelwerder (zwischen Elbearmen) nur 
Wuchsspuren des alten F/B188-Brückenverlaufs
Hier war großzügige Abbiegekurve nach S
(rechts überwachsen) in die F/B 107 (Fischbeck)
Hier kam die Alleekurve 188 in die 107 herein;
Radwegspuren sind Orig. Nachwendeneu
Stop für F/B188, da Vorfahrt für F/B107 (Blick Elbe) Hier ging die 188 über die 107 und die alte
Genthiner Bahn gen Osten; man erahnt ein altes
(bundesdt.) Straßenschild (je 2007)
Gegenblick 2008 über BÜ, B107
zur langen alten R/F/B188-Allee
Linktipp:
Hommage an Tangermünde
mit vielen historischen Fähr- und Brückenbildern
2008: Östlich Fischbeck - rückgebaute F/B188
Richtung Wust; Radweg trifft bald auf brandneue B188

Siehe auch Straßenrelikte im Großraum Halle (Saale)  (R88, F100;  Sachsen-Anhalt)

 

Hohenerxleben ist ein alter Ort mit ehemaliger Ritterburg, heute Schlosstheater; die durchführende L73 ist, da wichtige Autobahnanbindung Stassfurts (nahe A14), jüngst verlegt worden. Somit findet sich am östlichen Ortsrand ein historischer Bahnübergang mit der ebenfalls jüngst stillgelegten Kanonenbahn nebst unidentifizierter Doppelruine:

Ehem.BÜ an der Doppelruine... ...hier die Reste der Kanonenbahn, und das... ...östliche Ende der alten L73 (2009)

Südlich der alten Lutherstadt Eisleben vermittelt die neue B 180 die Zubringung zur neuen A 38;  die alte DDR-F 180 iegt also an einigen Stellen wüst:

F180 südlich Helfta (2012) Südlicher bei Rothenschirmbach, man ist für den Entfall... ...der engen Kurven froh (2014)

 

 

Sachsen

Entlang der uralten und engen Autobahn Hof - Chemnitz (A 72), die selbst zur Zeit der Deutschen Teilung unfertig und teils unbefahrbar gewesen ist,  finden sich zwei Relikte alter Straßen:  in Plauen-Klein Friesen erinnert eine gepflasterte Straßenkurve an die Kurve der alten Reichsstraße 173 vor ihrer Begradigung; sicher ist an dieser Stelle Verkehr der alten R169 in die lange und bekannte Fernstraße gemündet, auch wenn letztere nahebei direkt ins Zentrum der Vogtlandmetropole strebte  (heutige B169 ist viel weiter östlich, in Neuensalz mit der B173 verknüpft).  Kurz vor Chemnitz schließlich war 2004, kurz vor dem zeitgemäßen Ausbau der alten Reichsautobahn, ein gemauerter Bogenrest dokumentierbar, der von der alten Chaussee / Allee Oelsnitz - Thierfeld zeugt, die an dieser Stelle die Autobahn kreuzte oder kreuzen sollte.  Unweit östlich ist schon lange (an der AS Hartenstein) der Verkehr dieser Relation unterwegs; die alte Allee ist als Feldweg im urtümlichen Zustand sehenswert.

Uralte R/F173 bei Klein Friesen Brückenrest über A72 nahe Hartenstein

 

Am Westrand der sächsischen Stadt Reichenbach / Vogtland verbindet der "Talweg" das DDR-Platten-Neubaugebiet mit der im Tal verlaufenden Bundesstraße.  Tatsächlich treffen in dem Verdichtungsraum die alten Reichs- bzw. Fernstraßen 94 und 173 (heute: B17?!) zusammen, die als "Klinkhardtstraße" ein Stück gemeinsam das Stadtzentrum passieren.  Noch in den 1920ern quälte sich der Verkehr ein Stück westlicher den Berg hoch, durch einen engen Einschnitt und über die mächtige Brücke über den Raumbach; in diesem Abschnitt Hof - Zwickau firmierte die Chaussee sogar als Reichsstraße 2 (bis ca.1937, womit einmal mehr die "verlegungsreiche" Geschichte der R/F/B 173 auffällt).  Ihr altes Trassee fungiert schon seit DDR-Zeiten als reizvoller Spazierweg:

Talweg inmitten Neubaugebiet / Park die alte R2-Kurve (hinten) Mächtige Brücke am alten E-Werk

In Sachsen sind die "Landesstraßen" analog zu Bayern "Staatsstraßen", hier noch besonders gewürdigt durch spezielle grün-weiße Schilder;  die  S 38  fungiert bei Mutzschen auch als Zubringer zur A14.  An der Kreuzung mit der K3832 ist der historische Straßenverlauf aber unglücklich Richtung Wetteritz - Grauschwitz orientiert, so dass zunächst eine den Verkehrsströmen angepasste "Kreuzungsumgehungskurve" (noch in GoogleMaps sichtbar!) in die Felder gebaut wurde, um 2006 jedoch eine noch großzügigere Staatsstraßenumgehung in Betrieb genommen werden konnte.  Die neue Teerung des alten Stückes ("Dorfstraße") dient nun als Lkw-Kleinpausenplatz, die Kreuzung sieht eine andere Vorfahrtsregelung:

Ehem. S38, ehem."Dorfstraße", Blick West Ex-S38 - geradeaus ist Gemeindestraße (Ostblick), je 2007

Erzgebirge - Verkehrshindernis ersten Ranges, stellenweise gelindert, so nahe Zschopau, wo ein ganz prägnantes aufgegebenes Bundesstraßen-Kreuzungs-Ensemble exisitiert. Also: bei Gornau kreuzen sich die alten Reichs-, Fern- und Bundesstraßen 174 (.. Chemnitz - Zschopau...) und 180 (...Flöha - Stollberg...). Erstere, immer verkehrsbedeutender, erhielt schon zu DDR-Zeiten stellenweise schnellstraßenartige "Ehren"; heute ist sie recht gut ausgebaut, besonders um Zschopau. Recht neu die aufwändige Umgehung der Talsenke bei der Siedlung Ruhebank; erklärungsbedürftiger aber die Situation der R/F/B 180. Noch bis um die Jahrtausendwende verlief sie "überlagert" ein Stück über die B174 (Chemnitzer Straße), um auf der Höhe nahe Ruhebank -an einem alten Verkehrsstein (Postmeilensäule?) ihren Weg Richtung Dittersdorf bergabwärts einzuschlagen.  Uralte Wegverbindungen (so in Gornau die "Alte Chemnitzer Straße" oder die "Dittersdorfer Straße" -heute Sackgasse-) sind also keine "neuzeitlichen Fernstraßenrelikte".  Umso "wertvoller" die derzeitigen Relikte: während die heutige B180 direkt gen Dittersdorf strebt (um an der ganz großen neuen B174 kreuzungsfrei angebunden zu sein), dient alte B174/180 noch als Zufahrt der Siedlung Ruhebank, ist die alte B180 ab alter Kreuzung nurmehr Waldwegstumpf (wird vom Einschnitt der neuen B174 "geschluckt") oder verlieren sich beide stellenweise "kommentarlos" in Wald oder Busch...

Hier war einst B174 und B180 Ende der B174 unter neuer B174, Blick Nord, nahe Ruhebank
Hier trennte sich einst die B180 Richtung Südwest
von der B174 (vorne)
1995 eingestellt, schon ein enger Waldweg (je 2008)
In 50m ist Einschnitt der neuen B174
Wegen Neubaus der S299 (Autobahnzubringer Auerbach)
ist die "Königsstraße" - alte Straße Eich - Rodewisch
im Wald eine Straßenruine (2015)

In Grimma schließlich, traurigerweise just am Tag der Meldung über das Ableben eines seiner großen Söhne, begegneten wir einem ganz romantischen Relikt, der Pöppelmannbrücke.  Diese einstige  Chausseebrücke über die Mulde war schon Ende der DDR-Zeiten durch einen nahen Neubau ergänzt worden, somit als Fußgängerbrücke erhalten geblieben, aber beim Jahrhunderthochwasser 2002 angesichts der Anstauungskräfte im Mittelteil eingestürzt.  Nach Jahren der Reliktromantik (sicher waren wir nicht die einzigen oder gar letzten Zeugen) bietet sie sich, mit einem großen Mittelbogen neu interpretiert, heute wieder dem zunehmenden Fernradtourismus (siehe zB Muldetalradweg teils auf Bahntrasse).  Auch 2008 mussten wir nochmals fotografieren:

Blick über die Mulde auf Grimmas Weichbild Brückenteil Ost als Panoramabalkon
Szenerie vom Grimmaer Ufer Klassisches Relikt für ein Jahrzehnt Heute hier wieder kleiner Verkehr

 

Thüringen

Ganz im Norden, nahe Harz und Kyffhäuser liegt Sondershausen, und hier die B4. Seit kurzem ist eine großzügige westliche Umfahrung in Betrieb, das alte Straßenstück der B4 (mit altem BÜ der KBS 601) ist teilrückgebaut und nicht einmal radwegtauglich, gerade wegen der unglücklichen Situation des BÜ und der neuen B4:

B4, am letzten Abzweig, Beginn Sperrung Einst beeidruckende Kurvenüberhöhung Der alte BÜ und der Rest von B4n verdrängt ('09)

 

Thüringer Schiefergebirge

Linkenmühle: Alte Straße mit im Krieg gesprengter Brücke über die Hohenwarthe-Talsperre; noch heute Fähren-Ersatz
Suhl-Friedberg (2005):
Straße, nachwendeneu zu Gewerbegebiet, endend im Nichts.
Grund: Brücke über die Friedbergbahn erhielt südlich Pendant über A73 (im Einschnitt); Sommerbergstraße nun mit großzügigerer Kurve.

 

Greiz-Göltzschmühle (2006):
diese vorbildlich abgeplankte und mit Begrenzungspfosten gesicherte Straße bestand so nur wenige Nachwendejahre;  die heutige Werkszufahrt liegt nun auf der anderen Flussseite, auf dem Trassee eines stillgelegten Anschlussgleises.... 

 

Überwachsende Rampen mit nicht mehr vorhandener Brücke über Bahnlinie sind Zeugnisse der alten Ortsstraße Schwarza - Unterwirbach; laut neuerer TK25 dürfte sie erst seit wenigen Jahren aufgegeben worden sein, der Augenschein legt eine längere Wüstungszeit nahe:

Eine alte Rampe, aber... ...verschwundene Brücke über KBS 561

 

Ganz nah am Dreiländereck vorstehenden Mitteldeutschlands findet sich bei Prößdorf (Meuselwitz / Lucka) eine Straßenbrückenruine.  Sie trug bis nach der Wende die Ortsverbindungsstraße Falkenhain - Prößdorf über eine (nun auch stillgelegte) Tagebaubahn.  Sehenswert weil auch durch die L1361 als OU "abgeschnitten":

Neue L-Umgehung trennt... ...wie die marode orig. DDR-Brücke die alte Straße Einschnitt der aufgegebenen Tagebaubahn (2006)

 

 

Brandenburg (Prignitz):   Halt, Doppelrelikt !

Bei Karstädt war es 2011 wieder soweit:  Zufallsfund Doppelrelikt.  Die alte von der Elbe hereinkommende L131 hatte einen Bahnübergang mit der Hauptbahn Berlin - Hamburg und war in den späten 1990ern zugunsten einer Brücke aufgegeben worden; zusätzlich dient sie nun als Zubringer der brandneuen A14 und wäre auch nicht gut auf die neue B5-Umgehung Karstädt  "getroffen". Unweit östlich des alten BÜ gab es sogar über Jahrzehnte (genauer: zwischen 1911 und 1992) eine niveaugleiche Kreuzung mit der Westprignitzer Kreisringbahn (die zu DDR-Zeiten als strategische Umgehung von Wittenberge so manchen Fernzug sah)...  

Blick Nordost über die alte Kreiskleinbahn

B 112 (Frankfurt-Lossow)   Seit den 2000ern noch westlicher ortsferngelegt, das alte Ortsendeschild "in der Pampa":

Die alte B112, einst schon eine Randumgehung... ...an der Einmündung Burgwallweg (je 2014)

 

 

Mecklenburg-Vorpommern:  Insel Usedom

Am südöstlichen Zipfel der Halbinsel will sich nicht so recht eine "historische" Stimmung einstellen (es boomt seit Schengen beidseits reger neuer "Grenzverkehr"), trotz der folgenden interessanten Tatsachen:  kurz vor dem einst preußischen Swinemünde findet sich das Swinemoor (bzw. der Zerninsee, ein Naturdorado); an seiner Südseite, ganz nah zur alten Berliner Hauptbahn (nach Kriegsende verfallen) vermittelt die alte Reichsstraße 110 den Verkehr mit Vorpommern über die Halbinsel.  Sie machte einst eine Doppelkurve, ganz nah zu einem alten Bahn-Haltepunkt, auch ein Ghs, eine Rest(auration) und eine Torfgräberei sind in alten Karten verzeichnet. Tatsächlich findet man heute, an wenigen Teerresten, einige neuzeitliche Gebäuderuinen (alte Grenztruppenhäuser?), obwohl die DDR-Fernstraße 110 (und heutige B110) keinen öffentlichen Grenzübertritt erlaubte (erst seit 2007 beschränkt, heute europaoffen).  Seit vielen Jahren verläuft besagte Fernstraße nördlicher, direkter...

Ehem. R110 von Westen, rechts kommen... ...Gebäuderuinen, sichtlich 1920 bis 1940er... ...Baujahr; sie liegen zwischen alter Straße und...
...alter Berliner Bahn nach dem nahen Swinemünde Die alte R110 von Osten, je 2008

 

Schleswig-Holstein:  Reliktdorado Lübeck

In und um Lübeck finden sich einige prägnante Verkehrsrelikte, wohl auch Folge der bedeutenden (verstreuten) Ostseehafenanlagen sowie der damals einzigartigen innerdeutschen Großstadt-Grenzlage.  Zur bekannten Altautobahn um Dänischburg und Siems gesellen sich im Stadtteil Herrenwyk verschiedenartige Überreste im Zuge der B75.  Diese vermittelt den Verkehr zwischen Zentrum und Travemünde (bzw. Timmendorfer Strand).  Die Querung des von (hohen) Seeschiffen befahrenen Trave-Arms (Lübeck-Innenhäfen) als neuralgischer Punkt endete erst 2005 mit Errichtung des (mautpflichtigen) Herrentunnels.  Zuvor waren eine Drehbrücke (Stahlfachwerk) ab 1902 und ihr Nachfolger, die berüchtigte marode Herrenbrücke als Klappbrücke mit massiven Betonpfeilern seit 1964 unter Verkehr.   Wir stellen fest:  die alten Zufahrten zur "Urbrücke" sind als Straßenstümpfe "reliktisch" vorhanden "An der Herrenbrücke", nicht aber die zuletzt bei "Brücke 2" verwendeten Großrampen; auch die Bauteile dieser Herrenbrücke werden restlos beseitigt, im Juni 2007 waren nurmehr Fundamente der Pfeiler zu fotografieren:

Ehem. R und B75, Herreninsel... ...dito uralte Brückenzufahrt nördlich der Trave
Das ist Geschichte (Foto: brueckenweb.de) ...letzte Reste im Juni 2007

 

Im Zuge des autobahnähnlichen Herrentunnel mussten Anpassungen der Rampen sowie der Anschlussstelle Lübeck-Siems vorgenommen werden.  Die Anwohner der Siemser Landstraße und des Mümmelmannpfades werden das Verschwinden der Schnellstraße mit ihrer Anschlussstelle (von Zebrastreifen gekreuzt!) herbeigesehnt haben:

 

 

Hamburg:  Altenwerder, alte Orts- und Verbindungsstraße

In Hamburg-Altenwerder wird bekanntlich ein großer Containerhafen gebaut, wozu das alte Dorf an der Süderelbe weichen musste.  Die Randlage der Kirche mit Friedhof lässt es zu, dieses Ensemble einsam in der Landschaft zu belassen, womit die alte Ortsstraße (Altenwerder Kirchweg) und die alte Verbindung nach Moorburg (Kirchhofweg) "weiterleben", letztere freilich nicht ohne massivste Sperrung, um evtl. Baufahrzeugen oder Heimatforschern die Durchfahrt zu nehmen:

Hier war einst ein Dorf, die Kirche vereinsamt... ...die alte Straße nach Moorburg "gesichert" (2007) Nahebei: Rest des alten "Altenwerder Kirchweg"

Der Knoten Finkenwerder (AS Hamburg-Waltershof) bzw. seine massiven Verknüpfungsverbesserungen hinterließ ebenso alte Straßenteile...  

 

NRW: 

Alte Autobahn-Anschlussstelle Bonn/Siegburg (A3)

Nach Errichtung der aus- und neuerbauten B8 (und Aufstufung zur A560) ist die alte AS durch das unweit südlich liegende Autobahnkreuz gleichen Namens ersetzt worden; die alten Rampen dienten (bzw. dienen im Falle FR Nord) der hier ansässigen Autobahnmeisterei als Direktzufahrt und waren 2008 teils wüstliegend beobachtbar:

alte AS Bonn/Siegburg, ab/zu A3 Ri. Süd Blick aus Köln kommend, zur B8, jetzt Parkplatz (08) Minimale Durchfahrt unter der alten Autobahnzufahrt (10)

Unweit südwestlich ist die alte Landesstraße 121 Niederpleis - Buisdorf wegen der neuen A 560 und AS etwas östlicher gelegt worden; als alte Allee ("Am Kirchenberg") ist ihre einstige Funktion noch ahnbar.  Im Sauerland ist die alte B 54 (nahe der A 45) ein Holzabfuhrlager.

Niederpleis 2010 Alte B54-Kurve für Holzabfuhr  ...mitten im Wald (je 2015)



Alter Matena -Tunnel  (Duisburg) 

Wieder einmal begegnet uns ein "todgeweihtes" Relikt, wieder einmal ist es eine -durchaus bekannt gewordene- ehemalige Film-Location:  der morbide Straßentunnel im Zuge der Matena-Straße, die die Orte Bruckhausen und Alsum verband.  Während Bruckhausen (einst Teil von Hamborn) ein Stadtteil von Duisburg wurde, sind weite Bereiche durch die kontinuierlich wachsenden Stahlwerke (Thyssen / Krupp) vereinnahmt, sodass Alsum als Wohnplatz (seit den 1960ern) nicht mehr existiert, und weitläufige Stahlwerks-Bahnanlagen eine 400m lange tunnelartige Überbrückung der Matena-Straße erforderten.  Dieser (denkmalgeschützte) Matena-Tunnel war zwischen 1912 und 2013 in Betrieb und diente in den 1980ern einigen Schimanski-Tatorten als Schauplatz;  bemerkenswert auch dadurch, dass bis 1965 (wohl wegen des Ortes Alsum, s.o.) eine meterspurige Tram den Tunnel mit nutzte.  Obwohl nahebei am Rande Bruckhausens entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße ein Grüngürtel entsteht (wofür verfallene historische Fassaden (mit ihren Häusern!) wichen / weichen) und die Matena-Straße einen Zugang Richtung Rhein (zB Park Alsum) ermöglichen würde, sollen die Tunnelzugänge hermetisch abgedichtet werden.  2016 waren überraschend noch Blicke ins Bauwerk möglich (Danke an den Konzern, der auf das verkekrsrelikte-team wartete, das nicht immer und sofort da sein kann ;-) - auch der Erzbahnbrückenpfeiler (der jene berühmte Fußwegumleitung erforderte) war gut zu sehen, da auch noch die Beleuchtung vollständig aktiv war, über zwei Jahre nach der Schließungs-Entscheidung... :  

Sehenwerter Zugang Ost Blick ins Innere, gleich kommt ein CX daher... Innen von Westen, links war Fußweg separiert
"Portale West" Mitnichten ein gerader Tunnel  Der Erzbahnbrückenpfeiler

 

 

Rheinland-Pfalz:  

Nach Bau der neuen und heutigen Siegbrücke Wissen dient das südliche Widerlager der wenig westlich gelegenen uralten Sieg-Straßenbrücke nun einem Gasthaus als Freiterrasse - eine bemerkenswerte Karriere.  In der Eifel, nahe Prüm zeugt eine Brücke von der Planungsruine B 51:

Sowohl im Nahetal (alte B 41 bei Idar-Oberstein) als auch in Rheinhessen (B 50 bei Gensingen) waren 2007 klassische Straßenreste:

Der alte Eisenbahnviadukt in Marnheim ist auch besuchenswert, da unter dem mächtigen Rest einst die B 47 durchführte; Eindrücke von 2016:

Am Hunsrück-Airport Hahn schließlich führt westlich nicht mehr die B 327 vorbei;  2014 melden GoPal und COMAND immer noch, man befände sich auf der B327N...

Ex-B327, Blick Süd, links der Airport Blick Nord, es war eine gute Straße... ...die sich B327NEU nannte (je 2014)

 

Exkurs - Straßenrelikte in Grenznähe

  Tschechien  -  Karlovarský kraj  -  Cheb (Eger):  alte Fernstraße 21 (E49)

Im Egerland (Region Cheb) verbindet die Straße I.Klasse Nr.21 (zugleich Europastraße 49) u.a. die berühmten Kurbäder Marienbad und Franzensbad.  Nach der europäischen Wende und Einigung hat die Verkehrsexplosion auch und besonders in dieser grenznahen Region zum Neubau von Umgehungsstraßen geführt.  Zunächst um Cheb wegen des Stausees Jesenice nach Osten abgedrängt, ist die Straße 21 neuerdings in der neuen Cheber Schnellstraße R6 "aufgegangen", im Norden nach Fertigstellung der Franzensbader Umgehung und Errichtung der "vollwertigen" Anschlussstelle Franzensbad Süd konnte der alte Zufahrtsast Střížov stillgelegt werden, womit ein Stück alte Fernstraße wüst darniederliegt:

Střížov, Blick Süd (AK Cheb) Die alte E49, Blick Nord (Franzensbad)

Nur einen Steinwurf westlicher lenken ausgeprägte topografische Sonderzeichen (auf den Karten) den Blick auf das hier wohl berühmteste "Relikt": den unvollendeten Erdarbeiten der Reichsautobahn Richtung Karlsbad "Sudetska". Der einst geplante und begonnene Verlauf lässt sich um Doubí - Lesinka - Lesina bis etwa Vackovec "nachweisen" und ist -schwer fotografierbar- als lange "Waldlinie" im ansonsten ackerbaulich verwendeten Egerland erkennbar.  Bei Skalka / Komorní jedoch liegt auf der alten Trassenführung eine LPG(-Ruinen)-Zufahrt, die recht neue (derzeit noch einbahnige) Schnellstraße 6 (E48) sowie ein noch in den wenigsten Karten verzeichneter (Grenzlage!) Anliegerweg zur Ortswüstung Markhausen (Pomezná) - er wird jedoch als Zugang zum Hochgeschwindigkeitsfernradweg (häufig auf altem Grenzkontrollweg) 2063 / ICG künftig wichtiger...

Sudetska hier nördlicher als heutige E48 ...sie 2007 noch einbahnig, rechts ist Alttrasse "Offroad" Richtung Pomezná, je 2007

 

 

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